EIN KLEINES ZEITFENSTER JEDES JAHR

Einem kleinen Moment
ein großes Stück Ewigkeit zu entnehmen;
Eine innere Angst
zur kraftspendenden Erkenntnis zu zähmen;
Die eigene Grobheit zu erkennen
und Dich dafür befreiend zu schämen –
Befreiend: es wird Dich nicht einschläfern,
nicht trotzig machen, nicht lähmen.

Ein kleines Zeitfenster jedes Jahr,
viele sind weich, oder weicher, gestimmt –
Mancher folgt dem Ruf bis in seine Tiefe,
während der andere auf der Oberfläche schwimmt –
Weihnachten ist Mehr. Wohl dem,
der den Berg dieser Erkenntnis erklimmt:
Erkenntnis der wahren ewigen selbstlosen Liebe,
die tiefer als Blut und höher als Instinkt sich benimmt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RUHIGE WEIHNACHTEN

Ruhige Weihnachten wünsche ich Euch
weil ich Euch gönnen würde
was ich mir wünsche –
jene stärkende heilende hoffnunggebende
angstnehmende erneuernde ehrliche
reife Ruhe
die nichts sagt, was nicht gesagt werden soll
und, wenn was ausgesprochen werden muss
es menschlich feinfühlig
und dennoch ehrlich sagt.

Eine Ruhe, die Wunder wirkt,
aus der das neue Jahr ausbricht
wie ein warmes Lachen in der Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANDERS SEIN

Wir wollen alle das Gleiche
deshalb muss jeder was anderes machen –
Macht jeder das Gleiche,
wollen wir alle unterschiedliche Sachen.

Nie werden die Jahreszeiten
sich gegenseitig nachahmen oder gleichen –
Denn alle wollen das selbe vorbereiten,
So stellt jeder auf seiner Art die Weichen

Das Jahr wird immer rund sein:
Ein bisschen Freude, ein bisschen Schmerz,
Ein bisschen hart sein, ein bisschen wund sein,
Die Mischung macht das Menschenherz.

Und Du wirst Du sein, und ich ich
Und sehnen uns beide nach dem anderen
Wir wollen beide Liebe gegenseitig;
Das bekommt jeder nur in dem anderen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SPRECHENDE TATEN

Ich liebe Dich ist ein Klischee
man, so ein Klischee
ich würde es gerne ins Gesicht boxen
dafür
daß es wie Faust aufs Auge
auf das zutrifft
was ich für Dich in mir trage
manchmal kristallklar, manchmal vage
doch in jeder Lage
mit jedem Blick, mit jedem Streit
und mit jeder Tat Dir täglich wortlos sage.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IN LIEBE IST GEDULD

Neben Dir
Wegen Dir
lernte ich das Warten
Denn neben Dir
wegen Dir
hatte ich nichts mehr zu erwarten
als Dich
dachte ich –
Doch fand ich, stattdessen, mein Ich.

Und jetzt warte und warte und warte
ich auf Dich
denn neben Dir
wegen Dir
fühle ich mich wie Ich
und dafür lohnt es sich
hier in unserem Liebesgarten innerlich
zu warten geduldig
auf Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREIER GEIST

Kein Mensch kann
einem Menschen gehören

Aber wir wollten uns gegenseitig angehören
Und logen einander an
jede Nacht flüsternd
Ich gehöre Dir,
Ich gehöre Dir,
Ich gehöre Dir.

Doch meine innere Stimme
schaute mich jedes Mal danach an
und sagte:
Das ist nicht fair.
Sag ihr doch die Wahrheit:
Du gehörst nur mir,
dem Feuer tief in Dir selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHMERZ IST BESSER ALS NICHTS

Nach dem Du mich
immer und immer wieder steinigtest
ohne daß ich starb
fingst Du an, mich zu lieben, vereinigtest
Du Dich mit meiner Schwäche fürs Leben –
Denn immer, wenn Du mich peinigtest,
war ich gar nicht so stark,
wie Du mir fälschlich andichtetest,
sondern Du warst es, die durch Aufmerksamkeit
mir die Sehnsucht nach dem Tod bereinigtest.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEINE DINGE

Kleine Dinge
mit Herz und Hand gemacht
und sie fügen sich
wie Ringe
zur Lichterkette der Weihen Nacht
irdisch und geistig.

Wie jede kleine gute Tat
für Mensch oder Tier
für Natur oder Stadt
aus tiefstem inneren Gespür –
Auch wenn Du nichts dafür bekommst –
Es war nicht umsonst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VORFREUDE AUF WEIHNACHTSFREUDE

Der schönste Moment des Tages

Stufe für Stufe stiegen wir die Treppe hoch
äußerlich auf die Bühne
innerlich in die Freude
und holten die Weihnachtsdeko runter
denn Sehnsucht war das Treppenhaus

Mein Sohn und ich
Vergangenheit und Zukunft
Erinnerung und Hoffnung und kommende Nostalgie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FAMILIE

Ihr seid mir Anker

Ohne Ruder kam ich an
und konnte nicht anlegen
Steuerlos drohte ich,
weiter zu driften,
heimatlos…

Dann kamt Ihr
aus der Tiefe meiner Sehnsucht
stiegt Ihr aus

Und wurdet mir Anker
hier an diesem Ufer
hier in diesem Land.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung