Wenn der Abend, wie ein Riese, uns mit großen Flügeln umarmt, verdunkelt Straße, Wald, Wiese; wenn Astraios sich unser erbarmt, lässt ahnen die tiefen Paradiese, denn unser Herz hat sich verarmt an unserer Welt unendlicher Krise; Wenn jeder Baum zum Wesen wird, beobachtend den Oktoberabend, still, und Schatten tanzen seltsam und wierd - es fühlt sich an wie ist aber nicht April - die Gedanken, die sich tagsüber herumgeirrt haben, ahnen nun, was die Empfindung will, kehren zu ihr zurück wie Schafe zum Hirt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Natur
WARUM SIND SIE SO WÜTEND?
Grau und bewölkt Aber es ist nicht das Wetter Es sind die Gedanken Die Menschen waren mal netter zu einander, ob Gleichartige oder, noch mehr, Fremde Ein Gewitter braut sich zusammen Bringt es das Ende? Warum sind sie so wütend? Der Groll in ihren Herzen klingt wie grollender Donner Der Blitz erlischt die Kerzen - Der Witz, ein Lächeln, Scherzen oder eine liebevolle Tat wie Sonnenlicht durchbricht die Wolke aus Gedanken und Gefühlen. Liebe als Sonnengedicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NATUR DES WUNDERS
Der Herbst fängt wieder langsam an, zu spüren, daß er anders ist, als alles, was er um sich sehen kann, denn das, was des Sommers ist, so schön es ist, ist nicht sein Haus, weil er, der Herbst besonders ist - er errötet dann und zieht sich aus, weil das die Natur des Wunders ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER SOMMER GEHT ZU ENDE
Und es waren Blätter nein, es waren Freunde Was für ein Wetter Freundschaft hat ein Ende War es wirklich Freundschaft oder nur der Sommer? Freude, Spaß und Leidenschaft nur bis Ende September Blätter wie Farbreisende bald kommt Eure Zeit Der Sommer geht zu Ende mit schleichender Plötzlichkeit Blätter, pflanzliche, menschliche, lösen bald alte Verbindungen - Es kommt die Zeit für tiefere Gespräche und Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BERGSUCHT
Gute Nacht Berge Himmlische Zwerge In meinem Empfinden bitte nie verschwinden Egal wie tief der Fall Egal wie dunkel das Tal erweckt in mir manchmal Eueres Rufes Widerhall… Eueres Rufes Widerhall. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAGESAUSKLANG
Der letzte Sonnenstrahl wurde bleich und weich und fahl und, als wäre mein Gedächtnis ein Tal, be-, nein, er-leuchtete er ein letztes Mal mich mit Sonnenlied samt Nachhall, wie eine Erinnerung an den Gral, es war einmal. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLOCKENUNTERGANG
Die Glocke leuchtet matt und goldig Sie steckt regungslos im Treibsand Aber Du hörst sie dennoch läuten So stark und rege ist Dein Verstand In Deinem Gedächtnis tausend Glocken Deine Fantasie erledigt den Rest Die Sonne, sterbend am Horizont, dreht durch, dreht sich in ihrem Grab, schreit zum Himmel, schreit zum Mond, Du bist alles, was ich noch hab - In unserem Gedächtnis tausend Glocken Und Fantasie erledigt den Rest. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NACHMITTAG IN MALABO
Eidechse und ich in der Sonne Lang schweigen wir aber meine Gedanken sie sind laut, üppig, und sie schwanken wie die Palmen in der Hitze Wonne meiner Sehnsucht nach Urwald so dunkel so grün und ewig jung gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung - Ich gehe erneut aber ich komme bald wieder, denn die große Welt ist klein Die Welt da draussen ist in uns drinnen Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen… Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein und eilst in das Laubwerk hinein, ein Nicken war zur Bejahung ein Nicken war zur Verabschiedung jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAHARA
Die Wüste grüßte uns
bereits kurz hinter der Küste
nackt und schutzlos ausgebreitet
und doch keinen Schutz benötigend.
Einst blühte sie, ein Garten fruchtbarer Gelüste
und schien endlos zu sein,
zeitlos zu gedeihen –
ach!, wenn sie nur wüsste!
Jede Blume, einst, muß welken.
Da liegt sie jetzt, steinig, sandig, staubig,
die Gedanken des Nachdenkers spiegelnd,
der Lauf der Zeit, Grab der Geheimnisse,
Anfang und Ende, eine Wüste.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MOND
Eine Wölfin - Warum streift sie allein durch den Wald? Weiß sie nicht, ich komme bald? Hörst Du sie heulen, redend mit sich Tröste sie nicht, das mache ich Berühre sie nicht, sonst beißt sie Dich. Die Wölfin in Deinem Wald Sie heult für mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
