Es gibt diesen einen Tag Diesen einen Augenblick Während Du mitten in und mit der Menschenmenge läufst In dem Du plötzlich realisierst: Ich bin allein. Du hältst an, stehst still Wie ein Tänzer mitten im Schrei Während unzählige Stimmen Wie Schlagzeuge auf Deine Ohren Antworten zu ungestellten Fragen Hart nieder trommeln. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Selbstreflexion
WIR HABEN KEINE ANGST VOR DEM RAND
Und hier sind wir wieder Wo wir am Anfang waren Am Rande der Gesellschaft Aber jetzt sind wir gerne da Inmitten unserer eigenen Scharen Im Herzen unserer Gesellschaft Ausgegrenzte sind nie ausgegrenzt Sie bilden sich zu einer wunderbaren Neuen Parallelgesellschaft. Deshalb, öffnen wir unsere Herzen wirklich Der Idee einer ehrlichen wahren Sich gegenseitig erlebenden Gesellschaft. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER INNERE FEIND
Du rüstest für den Krieg Doch wer ist der Feind? Hast Du in den Spiegel geschaut? Schaue mal unter Deiner Haut Wo Empfindung lacht und weint Dort findest Du den Sieg. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERN UND NAH
Die Welt ändert sich schneller als unsere Clichés hinterher laufen können - Brülle sie so laut wie Du magst sie zerflattern wie Rauch im Winde. Schwarze entsprechen ihren Clichés nicht Weiße entsprechen ihren Clichés nicht Männer nicht, Frauen nicht, Schwulen nicht Fremde, Behinderte, Obdachlose, alle nicht. Niemand ist noch das, was er sein soll. Und als ich die Verwirrung in allen Augen sah dachte ich mir, wie fern wir voneinander sind und doch so nah. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MORGEN BIST DU WEISER
Du wirst nachts Stimmen hören in Deinem Herzen Schenk nicht allen von ihnen Glauben Tauche sie in Dein Schweigen ein Und warte… Du wartest nicht auf ihr Wachstum Du wartest auf Deins Du wächst und lernst zu unterscheiden zwischen den wahren Stimmen und den falschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT GANZ
Ich sterbe Tag für Tag Und sterbe nicht Ich lebe Tag für Tag Und lebe nicht Ich werde Tag für Tag Und werde nicht Ich erwache und erwache Und erwache nicht ganz Eure nächste Nähe Fühlt sich an wie Distanz Ich erwache und erwache Und erwache nicht ganz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WERDERAUM
Ich grabe Da wo ich habe Und finde nichts Und da wo ich nichts bin Da wo ich nichts habe Da fand ich den Sinn Meines Lebensgedichts Ein Suchender sucht sich selbst Ich brauche keinen vollen Raum Mit allen möglichen Antworten Ich will einen leeren Raum In dem ich wachsen kann als ich selbst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERKENNTNISSE
Abend ist wie Wein Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse Ich lach, ich wein Ich erinnere mich an meine Versäumnisse Ich war niemals allein Ich war immer allein Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER TIEFERE TROST
Ich kann es mir nicht leisten stehen zu bleiben um meinen Schmerz zu verarbeiten Auf mich wird gewartet Ich repräsentiere Ich kann es mir nicht leisten Inne zu halten um meine Wunden zu versorgen Auf mich wird gewartet Ich repräsentiere Ich kann es mir nicht leisten unnötige Fehler zu machen geschweige denn zu wiederholen um daraus zu lernen Ich habe dafür keine Zeit Ich repräsentiere jemanden den Du nicht siehst, obwohl er da ist den Du nicht verstehst, obwohl er deutsch spricht den Du nicht schätzt, obwohl er mehr ist Und er wartet auf mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EINE HEILENDE NACHT
Ich brauche einmal wieder eine tiefe Nacht eine ruhige Nacht eine richtig dunkle Nacht in der die einzige Lichtquelle die Flamme in mir ist. Mitmenschen, Mitflammen, trefft mich unten am Main - lasst uns wie Sterne eine Runde drehen in der Nacht und die Innenwelt sichtbar machen für andere Flammen wie uns. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
