ALLES IST DRIN

Ich lebe in einer Welt
in der ich nicht existiere
Und existiere in einer Welt
in der ich nicht lebe
Und keine von beiden ist mein Zuhause

Ich gehe Wege, die ich nicht kenne
und kenne Wege, die ich nicht gehe
Keiner von beiden ist mein Weg

Ich bin mein Zuhause
Ich bin mein Weg

Alles, was ich mache, passt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR ALS ALLES

Hab alles gegeben
Bin nichts mehr
Habe nichts mehr
Kann nicht mehr
Will nicht mehr

Übrig geblieben
ist das, was ich wirklich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICHTBAR

Ich bin so sichtbar
Alles, was Du siehst, ist
daß ich da bin. Mehr nicht.

Alles andere –
Meine 1001 Nächte
verblassen wie Monde im Licht.

Meine Haut lenkt
Deinen Blick auf mich und
lenkt Deinen Blick von mir ab.

Deine Augen ziehen mich aus.
Meine Unsichtbarkeit ist
das Sichtbarste, was ich hab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SO GEHT ES MIR

Wie geht es Dir?
Universelle Frage ohne Antwort.
Warum wird sie überhaupt gestellt?
Mir geht es jeden Tag anders,
was denkst Du denn? In mir ist eine Welt
und alles, was in Welten so geschieht.
Jetzt weißt Du, wie es in mir aussieht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ENT-SCHULDIGUNG

Wer kennt das nicht?
Menschen machen Fehler
und Fehler machen Menschen.
Die Vollkommenheit schuf uns
aber erst die Fehlerhaftigkeit formte uns.
Erlebe! Wenn schon, denn schon.

Wer kennt das nicht?
Menschen machen Fehler
die Menschen machen.
Vor und nach dem Fehlgang
- am Ende wie vorher am Anfang -
lacht stets ein Erwachen.

Wer kennt das nicht?
Erst die Schuld-Aufladung
dann im nächsten Lebensabschnitt
die Ent-Schuldigung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSSE BÄUME

Kleine Tiere
pinkeln an große Bäume
Aber große Bäume
pinkeln nicht zurück.

Sie bleiben groß und stark,
anderen Reisenden Geschenke anbietend,
flüsternd: Pflück, pflück…

Große Bäume machen sich nicht klein
Sie wachsen täglich ein Stück -

Keiner kann mir wegnehmen mein Glück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEIN WERT

Als ich aufhörte, kostenlos zu sein,
verloren die einen den Appetit nach mir -
In den anderen erwachte der Heißhunger.

Als ich anfing, Weh zu tun,
flohen die einen; die anderen gaben sich hin:
Mir, uns, und unserem gleichartigen Beißhunger.

Als ich aufhörte, ohne Grenzen zu sein,
blieben die einen draußen, die anderen drinnen
schätzten befriedigt meinen Schweiß und Hunger.

Es hat lange gedauert aber ich kenne meinen Wert;
Ich weiß, wie viel ich weiß, kann, wage, schaffe
mit unbändigem Fleiß und unersättlichem Hunger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DOPPELEINZELGÄNGER

Hast Du auch das Gefühl,
Dich gibt es zweimal?
Einer flüstert in der Nacht,
der anderer wird am Tag vokal.

Ich denke nachts Dinge,
die mir tagsüber fremd sind.
In der Nacht weich, hellsehend,
am Tag hart und blind.

Alle diese Emotionen,
die Nacht für Nacht erwachen
und Tag für Tag verschwinden,
was soll ich mit ihnen machen?

Und die Tage werden kürzer
und die Nächte werden länger -
Der Herbst macht aus einem Einzelgänger
selbst seinen eigenen Doppelgänger.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PUZZLETEIL

Ich sehe Dich
Du bist ich
in der Zukunft

Was es bedeutet
bleibt mir ungedeutet
Botschaft ohne Auskunft

Teil einer Welt
die langsam entwickelt
eine neue Vernunft

Menschheit. Aufklärung. Zusammenkunft
von geistiger Herkunft
und irdischer Ankunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KURSWECHSEL

Ich brauche neue Monde
Ich kenne diesen schon viel zu lang -
Ich brauche neue Nächte
Diese hier wiederholt sich mein Leben lang -
Ich brauche neue Pfade
Ich laufe auf diesem andauernd im Kreis -
Ich brauche neue Gedanken
Der Zug nach Vorne braucht ein neues Gleis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung