FANG EINFACH AN

Aller Anfang ist schwer,
doch jedem Anfang wohnt
ein Zauber inne – daran eher
habe ich mich gewöhnt.

Denn im Anfang war nicht nur,
im Anfang IST das Wort,
das unerschöpfliche Nabelschnur,
dem alles Lenken gehört,

aus dem alles Werden wird.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU MICH AUCH NIE

Immer noch Du
Und doch nicht mehr
Ich kannte Dich so lang
Ich kenne Dich nicht mehr
Ich kannte Dich nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEINE ERKENNTNISSE GELTEN DIR

Es hat nicht alles mit mir zu tun -
Die Selbstgespräche eines anderen,
Die Art, die Weise, die in ihm un-ruhn,
Die Dämonen in seinem Inneren.

Nicht alles, was mir gesagt wird,
Hat wirklich mit mir zu tun.
Sehnsucht nach mir ist umgekehrt
Die Sehnsucht nach eigenem Wachstum.

Irgendwo in uns allen
Wohnt verlangend unser Leben lang
Ein sechzehnjähriges Naturtalent
Bereit zum Geben, bereit zum Empfang

Was Du von mir unfertig empfängst
Ist nicht der Schlüssel zu mir.
Ich gab Dir, und ich gab‘s Dir längst,
Den Schlüssel und die Lösung zu Dir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLÜGELSCHLAG

Ich habe Dir Flügel geschenkt,
nicht damit Du mich umarmst,
sondern damit Du wegfliegst.

Ich könnte Dich nimmer so beglücken
wie Sonne, Wind und Wolken Dich
umarmen, wenn Du hoch fliegst.

Bist Du einmal aufgebrochen
sind wir zwei gleichsam erfüllt
weil Du heimfliegst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REGE

Wer alles schon weiß
Der schreibt keine Gedichte
Er schreibt Vorträge

Nur Suchende schreiben Gedichte. 

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUES WOHIN

Durchstöbere alte Denkkammer
Regale leer
Auf Schatzsuche tiefer tauchen
Innere Einkehr
In Empfindungsfluss hineinfallen
Es ist als wär
Ich neugeboren. Neues Wohin
Aus altem Woher
Weshalb ich immer dann wenn ich
Mich nicht erklär
Richtig liege, ist meins. Aufgetaut
Ich schmerze sehr
Sinken und steigen gleichzeitig
Leicht wenn schwer
Das Fließen übernimmt die Kontrolle
Und will Meer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SILVESTER 2022

Ich danke von Herzen Euch allen
Die Ihr mit mir Euere Wahrheit geteilt habt
Die nachdenklich stimmenden, die schmerzvollen
Die glücklich machenden. Es hat geklappt:
Das Jahr hat aus mir lang Ersehntes gemacht:
Aus Jahrhundertschlaf bin ich aufgewacht
Und gehe rüber ins Neue Ja heute Nacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHRITT FÜR SCHRITT

Der Tag hat nicht genug Stunden,
die Welt nicht genug Menschen,
die Menschenwelt nicht genug Vielfalt
um alles, was mich treibt, nach dem
ich mich sehne, alles,
das ich täglich angehen, erleben
und erreichen muss, zu umfangen.

Und dann richtet am Ende eines
jeden vollen Tages meine Hoffnung
sich auf den nächsten Tag, den nächsten
Menschen, die nächste Welt…
So treibt und lotst mich das Leben
durch die Korridore der Ewigkeit –
im steten Ringen mit dem Hier-und-Jetzt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLES IST DRIN

Ich lebe in einer Welt
in der ich nicht existiere
Und existiere in einer Welt
in der ich nicht lebe
Und keine von beiden ist mein Zuhause

Ich gehe Wege, die ich nicht kenne
und kenne Wege, die ich nicht gehe
Keiner von beiden ist mein Weg

Ich bin mein Zuhause
Ich bin mein Weg

Alles, was ich mache, passt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR ALS ALLES

Hab alles gegeben
Bin nichts mehr
Habe nichts mehr
Kann nicht mehr
Will nicht mehr

Übrig geblieben
ist das, was ich wirklich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung