Ich sehe die Blätter –
Sie ruhen auf dem Boden.
Der Baum, erleichtert,
atmet frei…
Wie gern würde auch ich
alles fallen lassen…
Als wäre ich der Herbst
meines eigenen Lebens.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich sehe die Blätter –
Sie ruhen auf dem Boden.
Der Baum, erleichtert,
atmet frei…
Wie gern würde auch ich
alles fallen lassen…
Als wäre ich der Herbst
meines eigenen Lebens.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Nach dem Sturm
Kommt der innere Sturm
Ich finde immer noch keine Ruhe
Kein Zufluchtsort
Ist Hort genug. Ich muß fort.
Es lebe die Unruhe.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Was wird aus deren Schrei nach Ruhe?
Sollen sie lauter als die Unruhestifter selbst schreien,
Um gehört zu werden?
Oder sollen sie schweigen, um gehört zu werden?
Gehört und geduldet.
Wer hört die Innere Stimme, wenn sie schreit?
Wir hören nur ihr Schweigen, wenn sie schweigt
Und wir nicht mehr wissen, was wir sagen sollen.
Drum, schreiet, Kinder, seiet laut
Durchzieht die raue Oberfläche der Welt mit Gänsehaut
Die Zukunft haben Euch Eure Eltern geklaut
Klaut ihnen nun die Vergangenheit.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich gehe meinen Pfad
Schritt für Schritt
Und mache eine Neugeburt
Aus jedem Fehltritt
Das heutige schöne Gedicht
War gestern ein häßlicher Schrei
Ich sterbe gerne im Dezember
Um neugeboren zu werden im Mai.
Um neugeboren zu werden
Mit einem neuen Schrei.
Ich will alles hinter mir lassen
Doch wozu?
Es kommt alles wieder –
Und doppelt stark hinzu.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die Uhr läuft runter
Doch die Zeit bleibt still
Wir werden älter und älter
Doch unverändert, unser Wille.
– Che Chidi Chukwumerijee
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich blätterte alte Fotos durch
Sah in jeder Phase meines Lebens
einen Fremden mit meinem Gesicht
Und meine Frage lautet:
Wo war ich mein ganzes Leben lang
während diese Fremden mein Leben lebten?
Nein, die Frage lautet:
Für welchen zukünftigen Fremden
gebe ich mich heute ahnungslos aus?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wenn ich mich von Dir trenne
Würdest Du darin die Liebe erkennen?
Wenn der Schmerz unerträglich brennt
Würdest Du darin die Liebe erkennen?
Wenn der Weg steinig wird und hart
Würdest Du darin den Weg erkennen?
Wenn der Weg Dich verändert hat
Würdest Du Dich darin erkennen?
Was ist Liebe, wenn Du einsam bist?
Was ist Liebe, wenn Du ein Sucher bist?
Wieso schickt sie uns keine Gesellschaft?
Dreht sich weg und wünscht uns viel Kraft.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ein Hahn kräht
Im Dämnertal des Erwachens
Ich liege, wach, im Bett
Und träume, der Hahn hätt gekräht
Vielleicht sind es meine Empfindunen
Die ich jeden Morgen aussende
Mit einem inneren Schrei der Hoffnung.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Was steht still?
Die Zeit oder die Welt
Oder die Sorge ums Geld?
Das, was ich wirklich will
Steht immer still.
Das Wasser fließt weg
Doch der Fluß ist immer da
Die Jahre fliegen dahin
Doch die Zeit ist immer da
Die ewig geschehende Zeit
Das, was ich einst war
Sind meine Kinder heute
Es bleibt, was es ist
Kindheit, Land des Wachsens
Auch für Erwachsene.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wenn man die Blätter zählt
Die vom Baume gefallen sind
Ist er alt…
Wenn man die Blätter zählt
Die dem Baume am Entsprießen sind
Ist er jung…
Bin ich so alt,
Wie meine Werke hinter mir?
Oder so jung
Wie die Träume in mir?
Was ist die Zeit? Was ist das Alter?
Wann beginnt und endet mein Zeitalter?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung