Es gibt nichts wie 2024 Es gab nichts wie 1924 Es wird nichts geben wie 3024 Es gibt immer nur die Gegenwart, den Augenblick des ewigen Geschehens Ich wart und ich wart und ich wart auf die Wiederholung des Erstehens unserer Magie Eine Zukunft, die schon gestern war. Erwartung und Nostalgie sind Illusionen, nur handeln ist wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
der Veränderung
IN WELLEN
Wie Blätter vom Baum fallen Menschen von mir ab Einige hängen noch am Saum zarter Gefühle, die ich noch hab aber sie werden zu Schaum. Mein Herz ist ein ferner Strand durchzogen von Dauerwellen. Kaum rollt die eine weg von seinem Sand, schafft es schon der Nächsten Raum. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KLEINE FLAMMEN
Manch einer, der für die Politik keinen Sinn zu haben scheint, wird zur Veränderung der Politik mehr beitragen als es jetzt scheint, weil er Empfindungen umrührt und Gedanken zum Weiterdenken anführt, das Systeme überdenkt und Menschen vereint. Bleib deshalb, wer Du bist. Deine Art ist wichtiger, als Du ahnst. Menschen erreichen, Menschen veredeln, im Kleinen den Sinn für Frieden einfädeln, Werte reinhalten, die andere besudeln. Das, dem Du den Weg frei bahnst, ist tiefer als heute die Welt noch ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE NATUR DES WUNDERS
Der Herbst fängt wieder langsam an, zu spüren, daß er anders ist, als alles, was er um sich sehen kann, denn das, was des Sommers ist, so schön es ist, ist nicht sein Haus, weil er, der Herbst besonders ist - er errötet dann und zieht sich aus, weil das die Natur des Wunders ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EHEMALIGER SOLDAT
Wie viele hat er damals umgebracht? Schwer zu sagen - er hat nicht gezählt. Hat er jemals danach an sie gedacht? Schwer zu sagen - er hat nie erzählt. Es war halt ein Krieg. Es zählte nur der Sieg. Wie es heute in seinem Gewissen aussieht, behält er für sich. Ein Verlangen, das stark anzieht, brennt in seinen Augen wie ein Schrei aus seinem Gemüt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER SOMMER GEHT ZU ENDE
Und es waren Blätter nein, es waren Freunde Was für ein Wetter Freundschaft hat ein Ende War es wirklich Freundschaft oder nur der Sommer? Freude, Spaß und Leidenschaft nur bis Ende September Blätter wie Farbreisende bald kommt Eure Zeit Der Sommer geht zu Ende mit schleichender Plötzlichkeit Blätter, pflanzliche, menschliche, lösen bald alte Verbindungen - Es kommt die Zeit für tiefere Gespräche und Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER NATÜRLICHE WEG
Eine ist tot, ihre Seele ich weiß nicht wo, ein anderer - der war so freundlich - ebenso, eine andere liegt heute tapfer im Krankenhaus, einer ist jetzt zu schwach, sitzt nur noch Zuhaus, eine weiß nicht mehr, wer ich war und bin, ich umarme sie trotzdem alle in mir innen drin, denn auch ich werde, wenn ich Glück hab, eines Tages alt werden, dann folgt das Grab. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GRAFFITI

Wie viel Drang, wie viel eingesperrtes, angestautes geistige Leben zwang die Seele dazu, derart intensiv Lautes gegen die Weltenwände zu schreien wie ein Hilfe- und Sucheruf aller Unfreien? Sie tobt und tobt und tobt sich aus ohne Befriedigung - Sie wird erwachsen, verlässt das Elternhaus, zwingt sich zur Ermässigung. Wartet nun Jahre später hier auf die Sbahn und starrt schweigend ihre alten Graffitis an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MENSCHEN VERINNERLICHEN
Ich habe so viele Menschen verinnerlicht Ihr Dunkel, ihr Geheimnis, ihr Streben, ihr Licht Unzählige Geschichten tragen mein Gesicht Du kennst mehr Menschen als Du weißt Hast Erinnerungen gespeichert in Deinem Geist während Du von Leben zu Leben unruhig reist Jede Begegnung, die uns innerlich trifft, hinterlässt einen Abdruck in unsichtbarer Schrift eingemeißelt in unsre Geschichte mit ewigem Stift. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEHNSUCHT
Dehnen - mich dehnen - mich ausdehnen Über die Grenzen der Straßen hinaus Über die Fesseln unserer Lächeln hinaus Über die Schranken aller Gedanken hinaus Über die Sätze Eurer Gesetze hinaus Über die Fügung unserer Lügen hinaus Über die Glut des Blutes hinaus Über die Enge meiner Ängste hinaus Über das Drohen ihres Hohns hinaus Ich will mehr. Dehnsucht. Ich will mehr sein. Dehnsucht. Ich will mehr bewusst sein. Dehnsucht. Nach dort, wo Du bist Die reinere Hälfte meines reiferen Selbst Schmerzlich vermisst Der Schmerz weitet mich von Selbst zu Selbst Aus. Ich lasse es zu und gehe mit, Denn die Dehnsucht in mir hält Schritt Mit dem Schmerz, der mich innerlich frisst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
