FERN UND NAH

Die Welt ändert sich schneller
als unsere Clichés hinterher laufen können -
Brülle sie so laut wie Du magst
sie zerflattern wie Rauch im Winde.

Schwarze entsprechen ihren Clichés nicht
Weiße entsprechen ihren Clichés nicht
Männer nicht, Frauen nicht, Schwulen nicht
Fremde, Behinderte, Obdachlose, alle nicht.
Niemand ist noch das, was er sein soll.

Und als ich die Verwirrung in allen Augen sah
dachte ich mir, wie fern wir voneinander sind
und doch so nah.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MORGEN BIST DU WEISER

Du wirst nachts Stimmen hören
in Deinem Herzen
Schenk nicht allen von ihnen Glauben

Tauche sie in Dein Schweigen ein
Und warte…

Du wartest nicht auf ihr Wachstum
Du wartest auf Deins

Du wächst und lernst zu unterscheiden
zwischen den wahren Stimmen
und den falschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

MEHR IN DIR

Komm zu mir
Ich öffne Dich Dir
Nicht mir
Du bist Dir das größere Geheimnis
Das wichtigere

Du musst es nur zulassen
Folgen, wenn ich Dich führe
Du wirst Dich neu begreifen und fassen
Wenn ich Dich innerlich berühre.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUBAU

Veränderungen
Zu schnell zu sehen
Zu verstehen

Heute Nacht bin
ich seit langem wieder
abstrakt, ein Baustein

Veränderungen
Zu schnell zu widerstehen
Zu umgehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUKUNFTSSCHMIEDE

Wüsstest Du, daß wir Magier sind?
Jeden Augenblick zaubern wir Neues hervor:
Die Zukunft.

Und das können wir bis in alle Ewigkeit tun In Neuland hinein reisen, findend
jeden Augenblick eine neue Ankunft

Jeder Augenblick eine neue Herkunft
Über Deinen Weg gibt allein Deine Sehnsucht
wahre Auskunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WESENTLICH MÖGLICH

Mach einmal täglich das Unmögliche möglich;
Der Tag nimmt es mit und kehrt nie wieder zurück.
Mach kleine Dinge groß und große Dinge klein,
Finde in Deinem täglichen Kampf Dein Glück;
Löse Deines Geistes Rätsel, Stück für Stück.

Nimm Deinen Platz in der Mitte ein,
Nicht an der Oberfläche, nicht am Rand -
In der Mitte des Wesentlichen, meine ich.
Das Wesentliche sei innerlich Dein Land,
Tiefer als Gesellschaft, Genen und Sand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ERFÜLLUNG DAUERT

Wir waren eins
lange bevor wir uns trafen
Und waren einst
lange bevor wir uns kannten
sich gegenseitig ergänzende Teile

Wir blieben zwei
lange nachdem wir uns trafen
Denn Einswerdung
ist jenseits des Anfangs sehr schmerzvoll
und dauert eine Weile.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SUBTILE VERÄNDERUNGEN

Ich bin heute gestorben
Ohne daß irgendjemand es merkte
Obwohl ich es nicht sonderlich versteckte

Ich wurde heute neu geboren
Ohne daß irgendjemand wahr nahm
Daß sie sprachen mit einem andern Mann.

Wie kann das sein? Ich tausche mich aus
Immer und immer und immer wieder
Dennoch fragen alle nach den alten Liedern.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERÄNDERUNG KOMMT

Wie raues Papier
kratzen sanft aus der Ferne
Fußtritte vor der Haustür
langsam, dennoch erkenne ich
die Unruhe in den nimmerendenden
Wiederholungen seiner Kreise

Ich habe den Eindruck,
da steht mein anderes Selbst
vor der Tür meines Bewusstseins
und will hinein - nur weiß ich nicht:
Ist es mein altes Selbst
oder ein neues unbekanntes Ich?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JEDES MAL ANDERS

Niemand kehrt aus einer Reise unverändert zurück
Nicht Mann oder Frau, Mädchen oder Jüngling
Nicht Erinnerungen an Glück oder an Unglück
Nicht Gedanken, Versprechen oder ein Beweisstück
Und fürwahr auch nicht der Frühling.

Irgendwas an ihm ist anders dieses Jahr
Er kommt nicht wie sonst wie ein Eindringling
Sondern in kleinen Schüben wächst wie Haar
Reifer, nachdenklicher, wissender. Fürwahr:
Verändert hat sich erneut der Frühling.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung