RUHE

Ich habe gehört
weit oben im Norden
irgendwo an der Nordseeküste
heute Nacht
sehen die aufwärtsblickenden Augen
außer dem klaren Sternenhimmel
nichts mehr…

keine Gedanken
keine Erinnerungen
keine Sorgen
kein gestern und kein morgen
keine Ängste und keine Wolken
und keine Antworten…
Nur den klaren Sternenhimmel.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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RÜCKEROBERUNG DER FREUDE

Himmel blau
Straßen ohne Stau
Affe, Ziege, Delphin, Sau
stellen sich wieder zur Schau
mitten im Menschenbau
inmitten der ehemaligen Natur
Tier-Erinnerung an Blumenflur
dreht zurück die innere Uhr.
Möge auch ich, die menschliche Kreatur
entdecke wieder neu die Urfreude pur.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUSGANGSSPERRE

Als ob wir alle Tasten des Klaviers
entfernt hätten und weggesperrt
jede für sich alleine, einsam, schweigend
ungehört.

Wir leben in einer Zeit
die vor allem uns eines lehrt:
zu schätzen, wie wichtig das „Wir“ ist.
denn ohne gibt es kein Konzert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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SOZIALE DISTANZIERUNG

Wir sind die Träger
wenn wir uns zur Verfügung stellen.
Wir sind die Erträger
wenn andere sich zur Verfügung stellen.
Das Virus sucht dringend Soldaten
und Botschafter menschlicher Art.
Die Menschheit sucht simple Heldentaten
zum größten Teil seßhafter Art:
Das Vertragen des eigenen Selbst im Privaten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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ANNÄHERUNG

Manche werden wir nie wieder sehen
nach diesen Tagen gesellschaftlicher Entfernung
Manche Menschen, manche Sitten, manche Arbeitsstellen
nach Social Distancing, Krankheits- und Todesfällen,
nach Dummheit, Angst, Gier und Vorurteilen.
Drum: Teilet tiefe Blicke und saget „Auf Wiedersehen“,
mit Hoffnung auf eine tiefere Annäherung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAGE DER ANGST

Wir kamen wie Sterne
fremd und zittrig
aus der Ferne
eifrig und zerbrechlich
kamen wir gerne

Kamen auf die Erde
bedrohlich und mütterlich
Wir wurden zur Herde
selbstbewusst und gefährlich
und selbst zur Beschwerde

Wer wird uns jetzt retten
im Namen der Liebe? Jetzt
wo es Gefahr wurde, die selbe
Luft zu atmen, und uns
gegenseitig die Hände zu geben?

Zusammen sind wir allein
Allein sind wir zusammen
Wer hätte das gedacht?
Wir nennen einander gegenseitig fremd
Doch sind wir die Fremden auf Erden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ENT-TÄUSCHT

Ich sah hinein
in der Welten Herz
und hasste mich ob meiner
Wissbegierde

denn egal wo jetzt
ich gehe oder schaue
egal wie schön, sehe ich nur
Schein und Zierde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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PAUSEN ZWISCHEN DEN WINTERN

Wie zerbrechlich die Schneeflocke
doch fragiler der Mensch.
Jedes Jahr erscheint die Schneeflocke
wieder; eines Tages ertönt dem Menschen
zum allerletzten Mal der Zeit Glocke.

Der Winter wird wieder kommen, oh Mensch;
dein Zeitalter ist kurz. Genieß es. Frohlocke.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE KINDLICHE WELT

Es war einmal eine Fee
So unsichtbar wie ein Gedanke
Genau so spürbar auch
Wie unausgesprochen Bitte oder Danke

Und so wie Du nicht nur
einen Gedanken vergisst, sondern
auch vergisst, daß da mal
ein Gedanke war, bleibt die Fee fern

unserer Erinnerung, unserem Begreifen,
unserem Begriffsvermögen und
Begreifenkönnen; äußert sich
nur noch aus dem kindlichen Mund.

Lebt und spielt, lächelt und lacht
in der kindlichen Welt
und winkt zum Abschied, wenn das Kind
zum harten Erwachsenen sich entwickelt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS VERTRAUTE WIR

Das vertraute Wir
kam plötzlich aus dem Nichts
Die Botschaft jedes Gesichts:
Wir sind hier
und unser Wir ist auch Hier.

Aus Schmerz wird Stärke
Aus Schwäche wird Zusammenschluss
Aus Spaltung eine neue Zusammensetzung
Aus Vielfalt eine neue Nation
aus alten Tugenden und neuem Mut!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung