Ich lecke Dein Herz
Schmecke nein nicht Dein Schmerz,
Sondern ich schmecke meinen
Denn Du hörst nicht auf zu weinen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich lecke Dein Herz
Schmecke nein nicht Dein Schmerz,
Sondern ich schmecke meinen
Denn Du hörst nicht auf zu weinen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Mein Herz genanntes Erz
Mein Stärke genannter Schmerz
Mein Ernst genannter Scherz
Meine Schweigen genannte Terz.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Und dann begann ich
Liebevoll geduldig
Mit Euch zu sprechen
Denn Härte mit Härte
Und Hass mit Hass
Zu kontern niemals
So gut wie Liebe saß
Was ist aus Eurer Größe geworden?
Geblieben ist nur Arroganz
Das Nicht-tolerieren von Toleranz
Das Dürsten nach Relevanz.
Größe aus der Distanz
Ist in der Nähe oftmals
Eine Anhäufung von Schwächen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich danke von Herzen Euch allen
Die Ihr mit mir Euere Wahrheit geteilt habt
Die nachdenklich stimmenden, die schmerzvollen
Die glücklich machenden. Es hat geklappt:
Das Jahr hat aus mir lang Ersehntes gemacht:
Aus Jahrhundertschlaf bin ich aufgewacht
Und gehe rüber ins Neue Ja heute Nacht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Geben und geben
Ohne zu empfangen
Dennoch weiter geben
Laufen laufen
Ohne anzukommen
Deshalb weiterlaufen
Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude
Hinterfrag nicht immer Deinen Weg
Schmerz ist ein guter Ersatz für Freude.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Im Winter schreibt die Straße
ihre härtesten Gedichte
Wieder ein Obdachlose erfroren
mundtot in der Stadtgeschichte
Die Nachrichten schreien
darüber ein paar Tagesberichte
Die Politik zeigt sich bestürzt –
das, wozu sie sich verpflichte.
Die Bewohner und Benutzer
der Straße, ihre eigenen Gerichte,
wussten‘s schon immer, die Kälte
richtet ihn eines Tages zunichte.
Niemand rief den Kältebus
doch die waren keine Bösewichte
Die Kälte zieht uns die Wärme ab,
die ihr Ertragen ermöglichte.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Manchmal kämpfen
und töten in mir sich
Gedanken gegenseitig
erbitterter und gnadenloser
als die wildesten Raubtiere
in der Wildnis. Natur Mensch.
Manch eine Lieblingsansicht
von mir wurde nicht selten
in mir vor meinen entsetzten
inneren Augen erbarmungslos
aus dem Hinterhalt von einer
anderen plötzlich angegriffen
in die Enge getrieben
auf den Kopf gestellt
durchlöchert und durchgestochen
auseinandergenommen
lebendig gefressen und begraben
kalt ermordet.
Und ich konnte nichts dagegen tun.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich weiß nicht warum ich schweige
Mein Herz schreit
Wieso kann das keiner hören?
Ich habe nun Mitleid
mit Geistern, die ohne zu stören
einsam Abschied nehmen und aufsteigen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich war zu oft am falschen Platz
Ahnte es, wollte es nicht ahnden
Ignorierte das komische Gefühl im Bauch
Doch Schmerz ist der bessere Lehrer
Er war das Feuer nach dem Rauch
Immer und immer und immer wieder
Nun habe ich ihn gut verstanden
Du musst keinen anderen Grund haben
Um Dich zu schützen,
Als eine Empfindung unbequem am Nagen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Schreibt Protokoll Geht einkaufen Schiebt Überstunden Hält das Büro am Laufen Geht Kompromisse ein (F)Akten balancierend Deadlines frühzeitig haltend Schlüsse akzeptierend Schaut immer wieder auf das Handy Steht plötzlich auf Ich muss jetzt zu meinen Kindern Ich mache den Rest von Zuhaus Kurz nach Mitternacht Nochmal eine letzte Mail Sitzt morgen wieder lachend im Büro Mit müden Augen parallel. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung