Ein Kuss weckte Schneewittchen aus dem Schlaf. Doch ein Kuss hat viele andere in den Schlaf versetzt, Aus dem sie ohne Kuss später erwachten verletzt, Verwirrt, enttäuscht, erwachsen, klein, entsetzt, Ohne Prinz, ohne Prinzessin, ausgetauscht, ersetzt, Dieses begreifend: der Kuss wurde überschätzt Als Vermittler der Botschaft: Du wirst wertgeschätzt; Dieses begreifend: der Kuss wurde unterschätzt Als Schlafmittel, das Deine innere Klarheit zersetzt. Du brauchst nicht zurückrufen, die Leitung ist besetzt. Du darfst nicht stören, es wird gerade geschwätzt - Wachgeküsst wird Schneewittchen gerade aus dem Schlaf! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
BLINDER RASSISMUS
Das Schlimme an Rassismus ist, daß er nicht weiß, daß er Rassismus ist. Er denkt, er sei lustig, witzig. Er behauptet, er sei nett, zuvorkommend, behilflich. Er glaubt, er sei ehrlich, wahrhaftig. Er meint, er sei natürlich - sogar menschlich. Deshalb wird ihm nicht die Erkenntnis, daß er Rassismus ist. Vor allem deshalb, weil diese Erkenntnis… sie zeigte ihm gleichzeitig, wie klein er ist. Das Schlimme an Rassismus ist, daß er nicht wissen will, daß er Rassismus ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KOPFSCHUSS
Ein Kopfschuss wird heute manchen umbringen. Anderen dringt die Kugel in die Niere ein, es könnte aber auch die schreiende Lunge sein oder das Rückenmark. Dem Herz wird‘s gelingen ein letztes Gedicht über die Liebe und den Frieden in den schmerzverzerrten Augen zu lesen - Alles, was es auf Erden beinahe wäre gewesen - dann verlässt es die Erde für alle Ewigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR BRAUCHEN FRIEDEN
Stell Dir vor, Du gerietest jetzt in Kriegsgefangenschaft… Ich meine jetzt! Jetzt! Während Du unterwegs nach Hause bist - Noch bevor Du ein letztes Mal zum Handy greifen kannst und Deiner Frau oder Deinem Mann oder Deinen Kindern oder Eltern oder Geschwistern oder Freunden sagen kannst… bist Du weg. Weg. Weg! Frieden. Leute, Frieden! Je länger die Kriege andauern, desto einfacher ist es, Gebiete weiter zu erobern, Menschen weiter verschwinden zu lassen, Waffen weiter zu verkaufen, die Umwelt weiter zu zerstören, Volkswirtschaften weiter zu verzerren, die Armen noch ärmer zu machen, Menschenrechte weiter zu schmälern, Träume weiter zu töten. Frieden, Leute, Frieden! Wir brauchen mehr Streitschlichter und weniger Kriegsanfeuerer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SAISONWENDE
Grün wie Hoffnung verwelkend Ein Sommer des Lichtes Jahrzehnte des Friedens Sozialgerechtigkeit in der Gesellschaft Feiern ihr Saisonende. Der Herbst ist vieles: Er ist bunt, Reif, er ist herb und kalt, schließlich zieht er sich und uns alle aus. Wer wenig hat, dem wird viel genommen. Wer alles hat, dem wird alles gegeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
STERBEN VERWEIGERN
Fast hast Du mich umgebracht Ich überlebte Es hat Dir nicht geschmeckt, zu sehen Wie eine Empfindung mich wieder belebte Ein Gedanke: Auch ich bin jemand Auch ich bin jemand Genau so, wie ich bin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GRUND ZUM GEHEN
Gibt es einen Grund auf dem man gehen kann, einen Boden der Bedürfnisse für mich fremden Mann? Ich fragte mich warum Menschen auswandern anstatt Zuhause weiter zu geben. Ich fragte mich warum Menschen Zuhause weiter streben anstatt auszuwandern. Dann wanderte ich aus und verlor meinen Plan? Dann harrte ich Zuhause und wurde zum Fremden Mann. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE EMPFINDUNG SCHWEIGT NIE
Schweigen tötet Es ist das unerträgliche Gewicht. Brich Dein Schweigen bevor Dich Dein Schweigen bricht. Schweigen brechen tötet Wer hat das noch nicht erfahren? Wahre Dein Schweigen und es wird Dich auch bewahren. Und wenn Du unsicher bist, hör auf Deine Empfindung. Und wenn Du sicher bist, hör auch auf Deine Empfindung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE DISTANZ IN DER NÄHE
Ein guter Gedanke, wenn er sich auf den Weg macht in der Welt der Gedanken, kommt er weit? Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen noch bevor er den nächsten Menschen erreicht? Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof, wo vieles lautlos stirbt und begraben wird, bevor es Dir überhaupt einfällt. Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor alle dicht nebeneinander stehend doch weder Worte noch Gedanken schaffen es die Distanz in der Nähe zwischen uns zu überwinden und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken als den besseren Weg zu empfinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN HAFEN NAMENS ABEND
Dieser See in dem wir täglich beinahe ertrinken schwere Umarmung, mit Verzweiflung ringen Hoffnungslosigkeit in die wir täglich hinein sinken uns, selbst und gegenseitig, fast umbringen Der Abend sieht uns aus der Ferne verzweifelt winken flüstert täglich dem Tage zu: gutes Gelingen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
