Es ist vorbei - Warte nicht darauf, daß er anrufen wird. Es wird keine Nachricht kommen, die das Herz berührt. Sehne die Vergangenheit nicht herbei - Sie ist in der Gegenwart nicht willkommen. Nichts ist merkwürdiger als Veränderung, in ihrer Unumkehrbarkeit vollkommen. Die Wege haben sich getrennt, die Vorhänge sind zu gefallen - Du siehst keine Statusmeldungen mehr; die würden Dir auch nicht gefallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
TÄGLICH ÜBER LEBEN
Dem Tode so nah Tag für Tag und heute auch. Dem Verzagen-hauch beinah ich erlag, meine Stärke übersah. Bis es geschah: Immer wenn ich wag, die letzte Kraft verbrauch: Ein Gefühl im Bauch Empfindungsschlag Ich bin wieder da! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICHNIS
Mehr Menschen werden arm werden Weniger werden reich Die Armut breitet sich aus auf Erden Und macht am Ende alle gleich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AN MEINE SCHWARZEN KINDER – (1)

Meine Kinder, Ihr seid mehr, weit mehr, als Ihr denkt. Seid nicht entmutigt, wenn Eure Gesellschaft hin und her schwenkt, unsicher darüber, was sie gemeinsam und einzeln von Euch hält, und in welche Schublade Euch zu stecken ihr am bequemsten gefällt. Ihr seid meine Kinder - Das ist mehr, als Ihr jetzt begreift. Eure Wurzeln sind tiefer, als jede Farbe, die über Euch streift. Sie verankern Euch in dem Anfang unserer Menschenwelt und werden Euch halten, egal was die Welt Euch in den Weg stellt. Nicht leben ist wichtig, sondern würdig leben und stolz sterben. Leistet ewig Widerstand, wenn versucht wird, Euch zu enterben unseres höchsten Guts und ältesten Guts als Menschheit: Euer tiefes Selbstvertrauen, Euer Geistes Wissen der eigenen Fähigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HÖR AUF DEIN GEWISSEN
Es gibt ein anderes Wort für Rassismus, es heißt Kulturrettung. Es gibt für Fremdenhass eine schönere Bezeichnung, sie lautet Heimatverteidigung. Jedem seins hört sich doch besser an als Diskriminierung oder Unterdrückung. Unter uns sein wollen sagen wir jetzt, also Gleichart, nicht mehr Ausgrenzung. Doch die schönsten Begriffe sind trotzdem hässlich, wenn sie ohne Liebe gelebt werden. Die besten Bezeichnungen sind die schlimmsten, wenn sie Herrschsucht und Hass verkleiden sollen. Hör bitte auf Dein Gewissen in Deiner Jugend und behalte lang diese flüchtige Erinnerung der Brüderlichkeit wenn Du älter und kluger wirst und erbst die verlockenden Vorteile der Führung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
RANDNOTIZ
Immer mehr Menschen sitzen nachdenklich am Straßenrand, denken über den Weg nach, der für sie endete hier am Straßenrand Wie wann wo lief es schief mit dem Geldsystem in unserem Sozialland? Das Geld verdampft wie Wasser nach Oben, hinterlässt, unten, ausgetrocknet, das Land. Und wieder überall Dichter und Denker, die versuchen vergebens mit ihrem Verstand zu verstehen, warum die Armut steigt unter Menschen, die arbeiten mit Herz und Hand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER GOLDENE TOD DER REGENWÄLDER

Ich sah Ödland, herausgerissene Lungen und Leber, Krater, wo einst gestohlene Herzen schlugen. Vergiftet lag das Land sterbend in der Sonne; Sonne und Land und Sterben ohne Ende, am anderen Ende der Welt, wo traurige, entschlossene, Menschen verenden. Wo ist das Leben des Landes hin? Ferne Länder im Inland und im Ausland haben die Armut anderer zum eigenen Reichtum aufgewertet, weggesperrt. Haben den Reichtum der Erde zum Zeuge unserer glänzenden Armut geschmückt. Ich sah Goldland. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LICHT-GEWISSHEIT
Auch wenn jetzt die dunkle Wolke unsichtbar und fühlbar auf uns drückt, Licht, ich sehe Dich, näher als je, unentrückt. Auch wenn Wahn, Wut, Ichsucht, Mord losgelöst rumreiten und ihr Unwesen treiben, Ruhe und Frieden, ich spüre Euch, mich einverleiben. Je mehr Menschen das Internet verbindet, desto mehr trennt es. Welch eine Ironie. Lieber mein ernstes Selbst als ein grinsendes Selfie. Denn mein Weg ist weit, mein Ziel ist fern, keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht. Keine Nacht ist lang genug, meine Sonne lacht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ENDZIEL: CHARACTER
Wissen! Können! Erobern! Besitzen! Sind lieben und leben nicht holdere Aufgaben? Ordnung war immer die höchste Tugend, selbst unter den niedrigsten Schaben. Unsere schönsten eitelsten Erfindungen wird unsere Empfindung mahnend untergraben. Ihr redetet jahrzehntelang vom Frieden, doch der Krieg war, wieder, immer Euer Vorhaben. Was ist Dein Wort überhaupt noch wert? Fließende Lügen stillen keinen Durst beim Laben. Wahrlich, der gute Charakter ist gewichtiger als Wissen, Wollen, Können und Haben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUSEINANDER
Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, denn ich bin bereits unterwegs; Ein Pendel zwischen Dur und Moll, jenseits fast jedes Landungsstegs Von den Fremden trennt mich mein Äußeres: Vier Merkmale wie vier Fahnen an vier Ecken. Von den Meinen trennt mich mein Inneres - nicht mal mein Schweigen kann es verstecken. Unsere Art und Weise des Miteinanders ist ein Füreinander gegen einander. Frieden ist ein Verschieben des Kriegs auf Wannanders; Unsere Expansion ineinander pendelt auseinander. Und ich frage mich, wie lange noch die Gedichte in Hoffnung sich wenden werden; Wie tief hinein geht es ins Loch, bis die Strophen für immer enden werden. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
