Ein guter Gedanke, wenn er sich auf den Weg macht in der Welt der Gedanken, kommt er weit? Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen noch bevor er den nächsten Menschen erreicht? Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof, wo vieles lautlos stirbt und begraben wird, bevor es Dir überhaupt einfällt. Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor alle dicht nebeneinander stehend doch weder Worte noch Gedanken schaffen es die Distanz in der Nähe zwischen uns zu überwinden und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken als den besseren Weg zu empfinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
EIN HAFEN NAMENS ABEND
Dieser See in dem wir täglich beinahe ertrinken schwere Umarmung, mit Verzweiflung ringen Hoffnungslosigkeit in die wir täglich hinein sinken uns, selbst und gegenseitig, fast umbringen Der Abend sieht uns aus der Ferne verzweifelt winken flüstert täglich dem Tage zu: gutes Gelingen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HABEN OHNE SEIN
Du darfst aus meiner Kultur schöpfen Daraus was Neues machen Ich werde aus Deiner Kultur Sachen schöpfen die alt waren, ich werde sie neu machen. Nicht die Kulturen bilden die Trennlinien sondern die Ansichten, die behaupten es gäbe zwischen uns unüberquerbare Linien - Alle Andersdenkenden tun sie enthaupten. Ist es so schwer, leicht zu sein? Ist es so leicht, schwer zu sein? Besteht unser Sein nur aus Haben ist alles, was wir haben, nur schweres leeres Sein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DUNKEL
Du hast ein Hemd Ich habe eine Haut Du bist nicht fremd Keiner schaut Dir nach, wenn Du einkaufen gehst Überwacht Dich, wenn Du an der Ecke stehst Schaut schnell weg, wenn Du Dich umdrehst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER MUT IST MUTIGER GEWORDEN
Es gibt einen Krieg gegen den Krieg und, verdammt nochmal, einen Sieg gegen den Sieg! Es ist der Krieg des Herzens, der Sieg des durch Schmerzen mutig gewordenen Muts zur Friedfertigkeit. Denn Frieden ist mutiger als Krieg und kluger. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWERE ZEITEN
Ich sah leere Büroräume zum Vermieten freigegeben. Ich fragte mich, welche Träume dorthin einzuziehen streben. Wird die Wirtschaft mitspielen? Droht Rezession? Inflation? Wird der Markt ihren Zielen eine Chance geben zur Realisation? Jahre der Schule und Ausbildung liegen hinter den einen. Hinter andren Jahre der Hoffnung, Arbeitslosigkeit, Weinen. Ich sah leere Büroräume und hörte mein Herz ein Gebet aufbringen für die guten dorthin bald einziehenden Träume: Gutes Gelingen! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERGESSEN IST LEICHT
Vergessen ist leicht Du schleppst es mit Dir herum Doch das Herz wird nicht schwer Wird nicht schwerer darum Wie kann etwas so Schwerwiegendes So leicht wiegen? Du hast Dich vergessen Und hast es Dir selbst verschwiegen. Leichtgläubig lässt sich die Blindheit Am besten vertragen. Der Erinnerungsverlust hinterlässt Nur schwach ein leises Unbehagen. Und dann wächst das Unbehagen, Mit ihr eine schwere Verunsicherung, Ein Ahnen, eine Stählung, Eine Gewissheit, eine Erinnerung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ES WERDE PFLICHT
Es werde Pflicht Licht zu werden Denn es ist geworden Dunkel auf Erden So viele Atombomben kann kein Planet überleben Der einzige Planet Auf dem es Leben gegeben Am Anfang war das Wort Ein Ehrenwort In ihm fand unsre Sehnsucht Einen Verankerungsort - Ein Wort wie Zusammenschluss Wie Du oder wie Wir Ein Wort wie Menschlichkeit Als Lebenselixier. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ÜBER GEPÄCK
Soll ich stärker werden oder weniger Gepäck tragen? Wenn ich weniger Gepäck trage werde ich schwächer werden. Wenn ich schwächer werde, werde ich noch weniger Gepäck tragen. Wenn ich nicht schwächer werden möchte, muß ich mehr Gepäck tragen. Wenn ich stärker werde, trage ich - gefühlt - weniger Gepäck. Nicht mehr. Und wenn ich daran sterbe? Dann trug ich mein ganzes Gepäck bis zum Schluss. Mehr nicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR NÄHE
Distanz braucht Nähe. Das ist mir neu. Immer dachte ich, Freiheit suchend, Nähe braucht Distanz, nicht andersrum - doch dann erwachte ich politisch in einer brückenlos geteilten Welt. Distanz braucht Nähe. Denn es ist wichtig, daß globaler Nord und globaler Süd, Ost und West, Kulturen, Religionen, Sichten sich be-greifen im Akkord, der den Frieden zusammenhält. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
