KLEINE GROSSE SACHEN

Es sind die kleinen Sachen,
die wir machen,
die das Gleichgewicht stören
und, unrepariert, eventuell zerstören

Unachtsamkeit, Mini Lügen,
unfair den Falschen rügen,
Oberflächlichkeit in ernsten Momenten,
Ausweichen bei ehrlichen Argumenten

Die Benachteiligten ausgrenzen,
auf Kosten Anderer glänzen,
kleine Geschenke nicht schätzen
Missbrauch von Macht und Gesetzen

Und häufig merken wir gar nicht
die Enttäuschung im anderen Gesicht,
die Zerstörung des Gleichgewichts,
das Erlöschen des Lichts.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FAIRNESS ALS WIDERSTAND

So schön es ist, dazuzugehören
Wichtiger ist es, Dich immer wehren
zu können
Manche werden Dich nie akzeptieren
Sie werden Dir selbst das Existieren
missgönnen

Sie zu überzeugen ist Zeitverschwendung
Du hast wie sie Daseinsberechtigung
Kannst dem Kampf nützen
Denn sie werden die Regeln beschädigen
Du aber musst diese Regeln verteidigen
die uns alle schützen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WARUM SIND SIE SO WÜTEND?

Grau und bewölkt
Aber es ist nicht das Wetter
Es sind die Gedanken
Die Menschen waren mal netter
zu einander, ob Gleichartige
oder, noch mehr, Fremde
Ein Gewitter braut sich zusammen
Bringt es das Ende?
Warum sind sie so wütend?
Der Groll in ihren Herzen
klingt wie grollender Donner
Der Blitz erlischt die Kerzen -
Der Witz, ein Lächeln, Scherzen
oder eine liebevolle Tat wie Sonnenlicht
durchbricht die Wolke aus Gedanken
und Gefühlen. Liebe als Sonnengedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ÄNDERUNG UND VERÄNDERUNG

Such nie den alten Freund
im neuen - Menschen verändern sich
von Tag zu Tag, auch Dein Freund,
selbst von Moment zu Moment unmerklich
wie das Wetter, ziehen gleich den Gezeiten
von Mond zu Mond nach einem Herzbeben
und wandeln im Geist der Jahreszeiten.
Ein Jahr ist eine lange Zeit im Leben
eines Menschen. Erwarte nie den selben
Menschen heute wie den, der gestern ging -
Suche nie den alten Freund in dem alten
neu erschienenen halb Freund halb Fremdling -
Ihr beide habt Euch verändert.
Aber, hat das die Freundschaft geändert?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERZ ZU HERZ

Komm mir nicht zu nahe
um zu hören, was ich flüstere
Nähe macht nicht lauter
das Helle oder das Düstere
eines Menschen Inneren.

Allein das Herz entziffert
was das Herz leise flüstert.

Ich weiß nicht, wo Du jetzt seist
Du bist schon so lange fort -
Bist auf der Erde oder im Jenseits?
Dennoch höre ich Dein jedes Wort
in meinem Inneren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ZUGEHÖRIG WEIL ANDERS

Du gehörst dazu
Du wirst gehört dazu
denn Du hörst zu
und spürst dazu

Du hörst das Verschwiegene
und spürst das Unbeweisbare
Du bist das Ergänzende
und sagst das Unfassbare

Anders sein ist viel mehr Wert
als gleich oder ähnlich sein
Die Instrumente in einem Konzert
müssen unterschiedlich sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

IN WELLEN

Wie Blätter vom Baum
fallen Menschen von mir ab
Einige hängen noch am Saum
zarter Gefühle, die ich noch hab
aber sie werden zu Schaum.
Mein Herz ist ein ferner Strand
durchzogen von Dauerwellen. Kaum
rollt die eine weg von seinem Sand,
schafft es schon der Nächsten Raum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ÄUSSERLICHKEITEN

Wir feiern Feiern
Wir beneiden Beneiden
Wir verschleiern Verschleiern
Wir leiden Leiden
Um äußerlich gut dazustehen
Um äußerlich gut auszusehen
Wie weit würden wir noch gehen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

SIEHT SIE AUS WIE DU?

Sieht sie aus wie Du?
Oder sieht sie hinaus wie Du?
… hinaus in die Welt, die vorbei fließt,
und sieht die Welt so wie Du sie auch siehst?
Oder sieht sie Dich?
… weil sie Dich ansieht.
Und, weil sie Dich ansieht, erkennt sie Dich?
Oder erkennt Ihr Euch gegenseitig
Weil Ihr Euch gegenseitig anzieht?
Aber wie ist‘s denn mit den Andersartigen,
die Dich ergänzen und vervollständigen?
Alle diese Fragen beschäftigen mich
in einer Welt der Gegensätze
in einer Zeit zugenommener Hetze.
Und die Sehnsucht nach der Gleichart
ist außen hart und innen ängstlich und zart.
Diese Frage beschäftigt mich.
Die ganze Welt stammt aus fremden Haus,
wie erkennst Du Deine tiefste Gleichart?
Wie sieht sie denn wirklich aus?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NOCH EIN LÄCHELN ÜBRIG

Ein Lächeln habe ich übrig
Wem soll ich es schenken?
Laute Welt, bitte werde ruhig
Laß mich in Ruhe klar denken

Eine kleine Kerze, gut geschützt,
kann tausend Kerzen anzünden
Ein ernstes Lächeln unterstützt
schmerzvolle Sühnen von Sünden

Ein Erdenleben, ernst genommen,
kann ein ewiges Leben bedeuten
Ein Lächeln, von Innen gekommen,
schlägt die meisten Therapeuten

Laute Welt, werde jetzt ruhig,
Die Zeiten sind am Wenden.
Ein Lächeln haben wir noch übrig
Wir wollen es nicht verschwenden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung