LICHTSCHATTEN / LIGHT-SHADOWS


Wenn Ihr nur Schatten Euer Selbst seid
Wenn you are mere shadows of yourselves..

Seid Ihr immer noch Ihr selbst
You are still yourselves…

Lichte Tage, dunkle Tage
Light days, dark days…

Meistert sie alle cool 😎 und souverän
Ride them all in style 😉…

Dein Leben ist Dein Gedicht
Your life is your poem…

Jeder Schritt muß zählen
Let every step count…

Jedes Wort, jeder Tag, alles
Every word, everyday, everything…

Ist das einzige, was Du hast
Is all you have.

– Che Chidi Chukwumerije

HEIMATLOS

Wo hast Du die Verbindung zu Dir verloren?
Gefühlt warst Du noch gar nicht geboren
Am Anfang war es Dir nicht bewußt
Jetzt suchst Du nach dem Moment des Verlusts
Dieser Empfindung des Zuhause-Seins
Weder Deins noch seins noch meins ist meins
Und Du sitzst lang vor diesem Wort heimatlos
Und verlässt irgendwann wieder den Ort wortlos.

– Che Chidi Chukwumerije.

TUGENDEN

Wo ist Gott?
Und ich suchte in Häusern und fand ihn nicht
Und die Natur sprach von ihm, doch ich verstand sie nicht

Was ist Gott?
Und ich suchte in Religion und fand nicht alles
Und Philosophen sangen von ihm und verfehlten vieles

Wie ist Gott?
Und ich suchte in Gesellschaftsregeln, errang keinen Durchblick
Und Schöpfungsgesetze übertrafen meinen Überblick

Doch dann kamen die Tugenden
Und sie kündeten und künden:
Wir sind seine Eigenschaften
Kannst Du damit was anfangen?
Die Trägheit sucht in der Ferne
Doch die eigentliche Arbeit ist an Dir selbst –
Wenn Du ihn begreifen willst,
Strebe einfach nach Seinen Eigenschaften –
Das ist weitaus schwieriger
Als theatralisch philosophisch überall zu suchen –
Aber nur so findest Du die Verbindung
Zu Ihm.

– Che Chidi Chukwumerije.

DESORIENTIERUNG KURZ VOR SELBSTWERDUNG

Und dann verschwanden wir
In die Wolken
Cremig weiß, als hätte Zeus
Hera reichlich gemolken

Und lang sahen wir nichts
Alle Lichtgedanken
Waren wie verschwunden
Auf dem Weg zum Landen

Und immer noch die Wolken
Und immer noch blind
Einst war mir alles so klar
Wie einem Himmelskind

So geht es dem Suchenden
Kurz vorm Ziel
Just als er in Gefühle
Der Sicherheit verfiel

Es kommt immer eine letzte
Zu besiegende Schicht
Dann liegt plötzlich das Ende
In Sicht.

– Che Chidi Chukwumerije

IN EINANDER

Wenn jeder Mensch
Der einst Audienz
Bezog in meiner Existenz
Einer Buchseite gleicht
Markierung einer Sequenz
Bin ich Geschichtenreich
Genau das, was Du leise ahnst.

Ja, ich bin weich. Sehr weich
Meine Seele ist ein Teich
Bloß nur sehr tief, sehr breit
Die meisten kommen gar nicht weit
Doch tauchst Du lang genug
Mit Geduld, immer Geduld
Wirst Du meinen weichen
Boden irgendwann erreichen
Falls Du noch atmen kannst.

– Che Chidi Chukwumerije

Wenn keiner zuschaut


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IN DIESEN ZEITEN

Das Leben, das alles
Nach der Gleichart gerne trennt
Wirft auch gerne zusammen
Was sich angeblich noch nicht kennt

Das Leben, das die Menschen
Bodenständig und seßhaft schuf
Schuf sie auch unruhig, wanderlustig
Dem Erleben-Ruf

Das Leben, das uns zwingt
Immer wieder die Erde zu betreten
Zwingt uns nicht, selbst zu unserem
Heil neue Gedanken zu vertreten

Das Leben ist, was es ist
Was der Mensch daraus macht
Ist kein Gesetz des Lebens mehr
Wir haben’s selber ausgedacht

Das Leben bringt auch gerne
Wechselwirkend alles zurück:
Die über andere herrschen wollen
Streben vergebens nach dem Glück.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Mein Jahr der deutschen Dichtung.

GLEICHART

Es war sonderbar
Unter sich zu sein
Sich fremd zu fühlen
Zu wissen, ich bin allein

Die Nation bindet
Mich aber nicht
Schwarz oder weiß
Wirklich innerlich

Rassen, Sprachen, Kulturen
Geschlechter auch
Immer blieb, getrennt, zurück
Eine Empfindung im Bauch

Geistig Gleichgesinnten
Laß mich finden
Sonst lass mich immer
Den Unterschied empfinden.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

UNGEWISSHEIT

Der Gedanke,
Daß er Dich nie
Geliebt hat

Von vornherein.

Der Gedanke.

– Che Chidi Chukwumerije

SIE WAR

Mal leuchteten ihre Augen auf
Mal ging das Licht aus
Nicht einmal nachdenklich wirkte sie
Einfach nur resigniert –

Haut unrein
Doch einmal lächelte sie mich an
Mein Atem stockte. Sie war
Eine wunderschöne junge Frau
Kaum dem Mädchenalter entwachsen

Sie zog an der Kippe und starrte
Die Wand an. Meine Augen ruhten
Auf den Nadelstichen and Arm und Schenkel
Als wären sie Seiten eines Buchs –
Und als ich ging, schaute sie noch einmal hoch
Doch sie lächelte nicht wieder.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung