SILVESTRA

Und sie flog, verflog
Ein Jahr wie eine Nacht
Flüstern und atmen, leise und laut
Und alle meine Gedanken
Und alle meine Empfindungen
Meine Gefühle, meine Wünsche
Bedürfnisse, Geheimnisse, geheime Schritte
Alles waren Fußabdrücke im fallenden Schnee
Lautlos.

Und alles trankst du auf
Wie Wein…
Das habe ich am meisten genossen
Daß du mir alles lautlos nahmst
Gabst mir nichts im Gegenzug zurück
Es fehlt noch ein Tag, dann ist das Jahr um –
Auch ihn trinke, ganz und tief
Denn ich will komplett verschwinden.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGANA

Einst war es, ob du dich
Noch dunkel daran erinnerst
Kühlte ich regelmäßig mich
Im Fluße deines Innerst

Meine brennenden Schreibfinger
Fanden da drinnen Linderung
Meine unruhige Flammenzunge
Schwieg vor lauter Bewunderung

Und mein Sturm, wie ein Wüstenfürst
Stillte drängend heiß seinen Durst

Danach entstieg dem Zauberhain
Und schwebte dünn in der Luft
Stärker und süßer als Dunkelwein
Ein tiefer, wunderbarer Duft

Wie oft blieb ich trunken stehen
Schaute mich in deinem Garten um
Versuchte, Magie zu verstehen
Und wurde, selbstverständlich, stumm.

War das alles wirklich passiert?
Oder nur geträumt? Oder…

– Che Chidi Chukwumerije.

DICKE FLOCKEN

Dein Lachen ist
Eine warme weiche Umarmung
Nicht mal die dicken Schneeflocken
Außerhalb des Fensters
Die es hervorlockten
Können es wettmachen.

Wie leuchten die Fenster
Deiner Seele! Dein Lachen
Ist ein Gruß an mein Herz.

– Che Chidi Chukwumerije.

ABSTAND

Unsere Beziehung
Basiert auf Distanz
Nicht Nähe, sondern Lücken
Ist die Seele von Tanz

Elektrizität
Knistert mit Widerstand
Gefangen sind wir
Außer Rand und Band

Und nebenbei entsteht
Wenn im Vorbeigehen
Ewigkeit und Augenblick
Sich kurz verstehen

Ein kurzer Schrei
Ein Zusammenfassen
Von Genießen und Verlassen
Von Entfesseln und Erfassen.

– Che Chidi Chukwumerije.

WARM

Warm und vertraut war es einst zwischen ihnen gewesen
Und vor allem menschlich, bodenständig, genugsam
Dann trennten sich ihre Wege und, wie es so häufig ist,
Ihre Wesen und Charakter auch, ohne daß sie es merkten
Denn sie blieben in Kontakt. Als sie sich nach Jahren wieder trafen
Hörte die eine entfremdet und verwirrt zu, wie die andere
Von Materialismus gefüllt, erfüllt und getrieben
Nur noch von Haben und Besitz und Vergleichen sprach
Und erst als sie fragte, wo denn ihre alte Freundin geblieben sei
Lösten sich Schmerztränen, doch sie wurden sich nie wieder warm.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

DEZEMBER

Salzverstreuer
Salz und Feuer
Schneeverbrenner
Weihnachtsmänner

Herzen weicher
Liebe reicher
Jahresende
Lebenswende.

Alles kommt und alles geht
Älter werdend, Erde dreht
Dieser Tag kommt nie zurück
Doch unerfüllt, sein Traum von Glück.

Was wird kommen nächstes Jahr?
Der will wissen, bleibet wahr
Alles tagt und alles treibt
Nur das Wahrhaftige bleibt.

– Che Chidi Chukwumerije.
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GIFT

Mein Herz ist kein Herz
Es ist eine grimmige Grollsuppe
Mein Blut ist kein Blut
Es fließt wie in einer Zeitlupe
Allein die Tinte aus deinem liebevollen Stift
Dein Wort, deine Stimme, deine Art, deine Schrift
Sind mir Erquickung, Hoffnung und Gegengift.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

WEIHNACHTSSTERN

Ich fand einen Stern
In meiner Seelennacht
Einen fernen Stern
Der über mich wacht –
Und immer, wenn mein Stern lacht
Lach ich mit auch gern
So führt er mich
Wie ein Seemannstern
Innerlich
Durch meine Seelennacht.

Kinderlein, lachet
Denn die Freude ist eure Macht
Menschen, erwachet
Es ist Weihe Nacht.

– Che Chidi Chukwumerije

WEIHENACHT

Das Jahr ist anders viel
Anders gelaufen als erwartet
Erhofft. Nur heute kommen
Die selben alten Gefühle wieder
Hoch.

Der Schmerz unerklärlich
Und Nostalgie und Verlust ohne Name
Und es ist alles vorbei –
Nur ich habe überlebt, im einsamen
Loch.

Diese Glocken so uralt, so vertraut
Tröstend, wissend, alles was du
Leidest ist ein wiederkehrender
Glockenklang. Sei stark, sei
Schwach.

Mensch, sei Mensch. Menschen scheiden
Trennung ist euer Schicksal, denn
Ihr müsst euch trennen, um weiter
Zu wachsen. Traure deiner Kindheit nicht
Nach.

Die Seele, die erwacht und lacht
Ihr wird heute Weihenacht.

– Che Chidi Chukwumerije.

REIF

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Süßer wie süß, du, Duft
Dürftest mich führen, denn ich suche
Doch finden werde ich so nicht
Denn das, was ich suche, ist herb
Und wird mich auf den Winter einstimmen
Reif muß die Flamme sein
Die mich in der Kälte warm hält.

Aber ich verstehe, es ist Dezember
Du musst dich schön machen für meine Träume
Doch unterhalb meiner warmen Gewänder
Liegen kalte Gefühle starr wie nackte Bäume
Herb geworden ist mein Geschmack
Dunkle Töne beim Nagellack
Und reife Freiräume.

– Che Chidi Chukwumerije.