VORBEI FAHREN

Handschrift ihrer Gedanken
Unsichtbare Tinte
Berührungsängste
Worte sind zu schwer
Zu leicht ist ihre Hoffnung
Reden engt ein
Schweigen deckt auf
Unvolles Treffen
Knapp daneben
Vorbei fahren ist die sicherste Begegnung

Du tanzt dem Lied
Und überhörst den Sänger
Jetzt hast du meine Worte gefunden
Nun hast du mich verloren.

– Che Chidi Chukwumerije.

KOHLENTANZ

Diese Kinder, die Sterben
Gründe dafür gäbe es tausendfach
Doch Gründe genug kennt mein Herz
Tausendfach trifft der Schmerz ein
Ohnmächtige Tränen…

Noch einen Grund gibt es auch
Grund, Hilfe zu schaffen
So wissend war die Menschheit noch nie
Doch so blind auch

Dein Schmerz, er sucht mich heim
Warum? –
Dein Schmerz, er sucht sich ein Heim
Klopft an die Tür meines Herzens,
dieses heute unsagbares Wort!

Je länger ich tatenlos bleibe
Desto heißer brennt die Kohle
Während anderswo auf diesem Planeten
Kinderherzen erfrieren.

 – Che Chidi Chukwumerije

ICH GLAUBE DIR

Sie ist eine Art Medium, ehrlich
All die Medikamente der Ärzte
Haben es nicht geschafft, sie taub
Zu machen. So oft sie die Türe zu
Machen, immer geht sie wieder auf
Ohne Warnung…

Ich behalte es aber lieber für mich
Meinte sie, denn niemand glaubt mir –
Sie lachte nervös und schaute weg.
Ich schaute sie lange an, wie sie weg schaute
Und dann umarmte ich sie and sagte
Ich glaube Dir – und sie weinte und wurde ruhig.

– Che Chidi Chukwumerije 

AFFÄRE

Verlangen ohne Erwartung
Wie geht das denn?
Haben ohne Besitzen – Vor- und Nachteile?
Alles, was ich für dich fühle
Nicht alles hast du gefühlt
Alles, was du von mir hast
Entspricht nicht allem, was du in mir hast.

– Che Chidi Chukwumerije.

LIEBESGESICHTER

Gedicht
Dichtzusammengepresst
Aus-ge-drückt

Kostet ein Herz auch nur einmal die Liebe
Lässt es die Welt es hören…

Hallt sie in ihm ein tausend mal nach
So wird die Welt es ein tausend mal hören.

 – Che Chidi Chukwumerije.

RÜCKSPIEGELUNG

Als sie Probleme, Missverständnisse
Mit ihrem Freund bekam, schlichtete ich
Doch war sie überrascht
Daß ich mit ihm Solidarität zeigte
Obwohl sie meine gute Freundin war

Ich bin halt kein Frauenversteher
Sagte ich, leise, ihr
Auch wenn ich Gedichte schreibe –
Das glaube ich dir nicht, sagte
Sie, das begreife ich nicht.

Ich sagte – ich hab zu lang ritterlich
Meiner Mutter immer Recht gegeben
Bis wurde mein Papa einsam und schweigsam
Und ich älter und ein Papa auch
Und habe, fast zu spät, begriffen

Wir Männer trotz Fehler sind am Ende
Doch alles, was wir gegenseitig haben.
Wenn nicht mal wir uns verstehen
Wer soll es tun? Mein Vater hat
Einfach das Beste getan, was und wie er konnte.

Vielleicht steckt nicht ohne Grund
Der Begriff Sohn
Irgendwo in dem Wort Versöhnung
Irgendwann wird das Leben zum Assoziationsspiel
Wer fährt dann vorwärts ohne Blicke in den Rückspiegel?

– Che Chidi Chukwumerije.

FALLENDE GRENZEN

Es war einmal
Eine Glasscheibe
Aus gefrorenem Eis
Klar wie Kristall
Ein verschlossener See

Dadrunter erblickte ich etwas
Das weinte
Unschärfe Relation
Kommen oder gehen?

Sommer Sommer
Laß schmelzen den Weg
Laß tasten das Ziel.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BEGEGNUNGEN

Tröpfchenweise
Unauffällig, leise
Wie Saat auf weiche Erde
Ohne Erwartung, ohne Beschwerde
Erwachsen, nachdenklich
Zurückhaltend, menschlich
Wie Antworten auf Fragen nach anders sein
Fallen neue Menschen in mein Leben ein.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNRUHIG

Ein gewöhnlicher Nachmittag
Unruhig lauf ich hin und her
Von meinen Gedanken getrieben

Manchen lauf ich davon
Anderen ewig hinter her
Meine Wohnung ist mir zu klein

Es steht mir alles im Weg
Es stehen mir alle im Weg
Ich stehe mir selbst im Weg

Ich verlasse Heim und Herd
Doch der Fluß beruhigt mich nicht
Noch Wiese, noch Himmel, noch Wald

Von allem kann ich mich trennen
Selbst vom Leben – nur von einem
Eben nicht – von mir selber.

Spieglein, Spieglein, Dichtung
Sei heut wied meine Lichtung
Gib mir innerlich eine Richtung

Kaum gesucht, gleich gefunden
Adieu Denken, ich hab’s empfunden
Und meine Unruhe überwunden

Jetzt kehr ich zurück zu Herd und Heim
Es freuen sich alle insgeheim
Es fügt sich ein wie ein Schlußreim.

Ferner, weit am Horizont
Schaut, wie sie neuen Anlauf nimmt
Die dunkle Wolkenmasse.

– Che Chidi Chukwumerije.

STAUNEN

Tiger Tiger
Tausend Krallen
Fänden jetzt keinen Angriffspunkt
Auf meinem Herzen

Deine sanfte Stimme nur
Verschafft mir Sonne
Und in der Nacht tausend Sonnen

So stark deine Weichheit
So sicher dein tastendes Stolpern
Eine Welt für sich
Bist du

Tiger Tiger
Zarte Pfoten
Halte mich wieder wie in jener Nacht
Ohne Vorbehalt
Mit all der Liebe deiner feuerkühlen Urmacht
Und das was du sagst, sag leise…

Tiger Tiger
Es ist ein Raunen im Wald
Ein Staunen in meinem Herzen.

 – Che Chidi Chukwumerije.