DAS DAUERHAFTE GEDICHT

Es fängt manchmal mit dem Gefühl,
Besser noch der Empfinden
An,
Manchmal mit dem richtigen Wort –
Manchmal wächst es, langsam, wie die Harmattan-Jahreszeit
Uns anwächst
Oder die zögernden Regen –
Es fällt manchmal aber mit dem Blick erst auf,
Nicht unbedingt dem ersten Blick,
Oder aber ihm auch doch –
Ein Mensch, der wirklich Mensch ist,
Der lebt unter dem Gewicht der Gegenmeinungen
Der Gesellschaft,
Wie eine Blume in der Wüste setzt er sich aber durch –

Das ist das dauerhafte Gedicht.

Das unsichtbare Gesicht, das bleibt doch das einzige Sichtbare…
Es tut weh, lohnt sich aber,
Der verbrannte Finger hat das leckere Essen gekocht,
Die Erdnuss überlebt das Feuer,
das Kind überlebt sein nächtliches Ungeheuer –
Was Wert hat, ist teuer –
Das Wasser ist teuer, das Wasser und das ewige Feuer…
Am Ende schmilzt alles
in sich zusammen ein –
Rauh ist fein, groß ist klein
Farbig ist farblos

Der afrikanische Urwald
Ein europäisches Grünhaus
Ein asiatischer Garten
Jedes sieht wie das andere aus

Das Menschenauge vertieft sich
Vereinfacht hat sich die Welt
Wir schauen um. Laufen von Zelt zu Zelt,
verirren uns nie.

Die Verbindungen sind so
gründlich –
Aufwiedersehen, ein Wiedertreffen, stündlich –
Ein Lied, ununterbrochen, wie eine Schienenbahn
Das Herz trommelt, das Atem pfeift, das Blut rollt entlang
Du kannst reden, was Du willst, von Rassismus
Von Unterschieden, von Babel, von Kommunikationslücken
Es geht tiefer, Bruder.
Wie auch immer, ich verstehe dich immer.

– Che Chidi Chukwumerije.

ZU KURZ

Für eine ganz kurze Zeit
Hat sie mich glücklich gemacht –
Ich vergaß meine Komplexe
Fühlte meine Wunden heilen
Und machte jeden
Der mit mir zu tun hat
Glücklich.

Was ist ein Gedicht wert?
Weniger Worte sagen mehr, muß es sein
Denn seit ich sie plötzlich verstand
Wich alle Freude wieder zurück –
Und alle, die mit mir zu tun haben
Verstehen mich nicht mehr.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEN FRÜHLING RIECHEN

Ich habe
In der Distanz
Frühling gesehen –

Zitternd, wie ein gebrochenes Herz
Zitternd, wie ein heilendes Herz
Zitternd, wie ein mit Hoffnung pochendes Herz

Neue Hoffnung,
Denn ich glaube an Dich.

– Che Chidi Chukwumerije.

KONFERENZ

Hier fallen mir keine Worte ein
Eingeschlossen, ausgeschlossen
Zugemauert von starren Menschlein
Von internationalen Bossen.

Sie lachen ha he hi ho hu
Die fünf Kontinente einer politischen Geldkuh
Hu ho hi he ha
Und bla bla bla.

– Che Chidi Chukwumerije.

WAS UNRUHIG AUSSAH, IST RUHIG

Ich ging einen langen Pfad entlang
und alles, was bekannt aussah
war neu und unbekannt. Jeder Klang
klang anders, die Ferne lag so nah
trieb die Nähe weit weit weg
und so ähnlich gewesen ist mein Weg.

Weit weit weg, entfernt, entrückt
kommt dir meine Nähe vor…
Wärest Du – entfernte ich mich – beglückt?
Zögest du meiner Nähe meine Ferne vor?
Du weinest, warum? Weiter zieht sich
der begonnene Weg. Man schaut, sieht sich
erkennt sich nicht. Neulich war eben
die Sonne der Wind, kalt und unruhig –
Unruhig, diese Flamme, ein unermüdendes Streben

Was unruhig aussah, ist ruhig.

– Che Chidi Chukwumerije.

ALLES UND NICHTS

Das Äußere
Das Veräußerte

Das Innere
Das Verinnerlichte

Mein Bruder sieht nicht aus, wie ich
Der Fremde aber könnte mir Zwilling sein

Wegen des Geäußerten
Das immer Vieles aber nie Alles
In sich verinnerlicht preisgibt.

– Che Chidi Chukwumerije.

LLOBREGAT

Rustikal und pastoral
Iberische rotstaubige Dächer
Wie kann es sein, daß
So weit weg von zu Hause
Halbgeformte grüne Berge
Und halb heruntergekommene Steinmauer
Mir zufließend flüstern
Überall wo du liegst und liebst
Bist du für immer zu Hause?

– Che Chidi Chukwumerije.

LEIDENSCHAFT

Eine gute Beziehung
Und eine schlechte Beziehung
Haben eines gemeinsam
In beiden wird gestritten

In der wahren Liebe
Und in der falschen Liebe
Geschieht dasselbe
Es wird gelitten

Wem das eine fehlt
Der sucht so häufig das andere
Gib mir Freude oder gib mir Schmerz
Alles, nur diese Leere nicht, meine Liebe.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERTRAUEN

Meine jede Sünde
Legte ich Dir auf die Zunge
Und du labtest dich wie mit Saft
Und ich wurde dir treu
Und ergeben

Dann schlossest du mir
Die Schatztruhe deiner
Geheimen Erinnerungen auf…
Und ich erstarrte vor Schreck und Schmerz und Liebe
Und meine Lust war befriedigt.

– Che Chidi Chukwumerije.

MENSCHEN IN MEINEM LEBEN

Es regnet im Wald
Bäume regnet’s ohne Blätter
Glänzende Stangen
Einzelne Menschen im Leben
Es regnet in der Sonne
Helle Aufregung

Mein Herz flattert
Wie Tausend junge Blätter
Bin ich, bin ich ein Schmetterling?
Flatterblätterschmetterling –

Es regnet in den Wald
Unzählige Sonnenscheiben hinein, ohne Ende
Glänzende Stangen
Einzelne Menschen im Leben
Es regnet in der Sonne
Helle Aufregung

Flatterblätterschmetterling –
Wo bin ich?

– Che Chidi Chukwumerije.