Der Mensch
wie sein Wort
Ändert sich von Fall zu Fall
Gestalt
Beugt sich Situation manchmal
Doch Inhalt bleibt das Gleiche überall.
– Che Chidi Chukwumerije.
Der Mensch
wie sein Wort
Ändert sich von Fall zu Fall
Gestalt
Beugt sich Situation manchmal
Doch Inhalt bleibt das Gleiche überall.
– Che Chidi Chukwumerije.
Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung
Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling
Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang
Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng
So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.
– Che Chidi Chukwumerije.
Im Worte Mutter liegt das Wörtchen Mut
Im Wort Versöhnung schwingt irgendwo der Begriff Sohn
Und heute habe ich den Mut gefasst
Und mich mit meiner Mutter versöhnt
Es hat Weh getan und es tat gut
Ich habe gelernt, Schmerzen auszusprechen
Statt schweigend mich abzuwenden
Ich habe gelernt, Vergebung zu geben
Und entgegen zu nehmen
Ich habe gelernt, daß sich zu entschuldigen
Nur die halbe Strecke ist –
Du musst Dich aber dann auch verändern
Ich habe gelernt, daß Rache
Ob bewußt oder unbewußt ausgeführt
Mehr schadet als sie richtet
Aber wenn wir Liebe in unseren Herzen tragen
Werden diese Schäden zu unseren Lehrern…
Und vieles kann man nicht verändern
Alles kann man nicht haben
Auf einiges muss man sich verzichten
Anderen zu liebe…
Und eine kleine Tat der Versöhnung
Kann in Einem etwas bewirken
Was seine ganze Welt verändert
Und ihn seinen Qualen entlässt…
Selbst wenn ich jetzt sterben würde
Sterbe ich mit Frieden in meinem Herzen.
– Che Chidi Chukwumerije.
Manchmal blicke ich vom Büro
Durch die Glasscheibe hinaus
Auf eine Autobrücke
Die von allen benutzt wird
Und von allen verlassen wird –
Wer soll mich begleiten
Auf meinem langen gebogenen Weg?
– Che Chidi Chukwumerije.
Die Angst, verlassen zu werden, führt dazu, daß ich die Menschen verletze, von mir vertreibe und selbst als erster sie verlasse. Um dann selbst da drunter zu leiden.
Die Angst, zurück gewiesen zu sein, veranlasst mich dazu, den Menschen nicht zu sagen oder zu zeigen, genau wie viel sie mir bedeuten und wie sehr ich auf sie angewiesen bin. Denn ich habe Angst, sie würden diese Macht, die sie über mich haben, missbrauchen.
Weil ich von anderen nicht verletzt werden möchte, verletze ich lieber nicht nur sie, sondern auch mich selbst, bevor es so weit wird.
Diese Angst ist meine Wunde. Nicht die Angst zu versagen oder zu sterben oder gar andere zu enttäuschen, sondern die Angst davor, von jenen Menschen verletzt und verlassen zu werden, die ich am meisten liebe, brauche und will. Und aus dieser Angst heraus lasse ich diese Menschen gar nicht erst an mich heran oder ich verletze sie und treibe sie fort. Ich konnte immer den Schmerz dieser Verluste ertragen. Dieser Schmerz war mir ertragbarer, als wenn ich von diesen Menschen selbst verletzt und verlassen wäre – in einem Augenblick, in dem ich voller Vertrauen es nicht erwarten würde.
Aber der Schmerz, den ich dadurch diesen Menschen zugefügt habe, war mir zwar nicht egal, doch habe ich ihn mit in Kauf genommen, ausgeblendet und relativiert, manchmal sogar gewollt, damit sie einen Schritt von mir zurück weichen würden. Deren Schmerz war mir lieber als meiner. Oder: unser beide Schmerz war mir lieber als meiner allein. Wer sich selbst Schmerz zufügt, kann ihn besser ertragen. Ich liebe die Einsamkeit, weil allein sie mich von alleine nicht verlassen kann.
Jedoch bin ich irgendwann zu weit gegangen, so weit, daß ich genau den einen Mensch getroffen, verwundet, verjagt und verloren habe, den ich tatsächlich am meisten liebe, brauche und will, und vor allem, auf den ich doch nicht verzichten kann – eigentlich das, was ich immer erreichen wollte. Doch wurde diesmal in mir ein Schmerz ausgelöst, ein Verlust erzeugt, der sich als unerträglich erwiesen hat. Bittere Ernte. Das hätte ich nie erwartet. Das, was mich schützen sollte, hat das Gegenteil bewirkt: mich verwundbar gemacht: Mein Gleichgewicht ist fort und ich weiß nicht, was für Folgen das auf mich langfristig haben wird.
Eine positive Folge ist, daß ich diese Wunde nicht mehr als Angst einstufe, sondern als Feigheit. Dieses Umbenennen hat Wunder bewirkt. Auf einmal habe ich buchstäblich und tatsächlich die Angst verloren und hab stattdessen einen Gegner bekommen, den ich besser greifen und niederstrecken kann. Denn diese Feigheit habe ich seit dem niedergelegt und zeige jetzt den Menschen, vor allem den mir wichtigen oder wichtig werdenden, das, was ich vorher vor allem ihnen immer versteckt habe. Das wiederum hat in Folge mir in jüngster Zeit viel Schmerz aber auch viel Freude gebracht. Am wichtigsten aber habe ich die Freiheit gewonnen und die Gewissheit, ich lebe.
Eine zweite positive Folge ist, daß ich viele Entscheidungen endlich getroffen und umgesetzt habe, oder am Umsetzen bin, die lange in mir gestaut haben, auf den Mut zum Handeln harrend. Erfolg oder Niederlage ist vorerst nicht das Wichtige, sondern das Handeln selbst.
Nicht desto trotz schmerzt innig und belastet mich sehr der Verlust dieses einen Menschen und hat mich kurzzeitig sogar an den Rand des Wahnsinns und des Selbstmords getrieben. Seit dem ich allerdings diese Phase überlebt habe, habe ich den Eindruck, ich kann alle anderen Schmerzen und Komplikationen und Auswirkungen, die mit diesem Fall zusammen hängen, fest ertragen. Ob das gut ist oder schlecht, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür kenne ich mich im Fach Psychologie zu wenig, eigentlich gar nicht, aus.
Ich weiß nur, daß der Weg vorwärts für mich in der Wahrhaftigkeit zu mir selbst liegt und in der Bereitwilligkeit, mich auch der Gefahr des Herzensleidens zu öffnen. Ich glaube, das ist das, was die Menschen Vertrauen nennen. Ich nenne es lieber den Mut.
Und ich glaube, das war letztendlich der Sinn meiner Beziehung zu diesem Menschen. Nicht der Mensch selber, sondern das Herausbrechen aus meiner Schale. Alles andere bleibt jetzt ver-gangen. Die mir wichtigen Menschen bleiben gegen-wärtig, präsent, in meinem Leben.
– Che Chidi Chukwumerije.
Nicht dir habe ich nachgetrauert
Nicht ihr auch
Deren Abwesenheit deine Umarmung
Lindern sollte…
Ich trauere nur kurz
Der Sonne nach
Die sich heute Nacht blicken ließ –
– Che Chidi Chukwumerije.
Jede Brücke ist eine Eselsbrücke
Dreimal stelltest Du mir die selbe Frage
Erhieltest jedes Mal eine andere Antwort von mir
Denk nicht gleich an eine Lüge
Denk an Spuren der Wahrheit
Wie soll ich denn das in Worte Nicht-Fassbare
Das Vielschichtige, mehrfach Innenundaußenseitige
Meiner sich werdenden Wahrheiten offenbaren
Wenn ich dir die Realität wirklich beichten möchte
Ohne nicht jedes Mal was Neues dazu zu sagen?
Denk an Spuren der Wahrheit
Denn Unvollständiges liegt im gesprochenen Wort geborgen
Aber in der Beziehung zwischen den Ungereimtheiten
Zieht sich die Wahrheit langsam aus
Der Lügner wiederholt feige die selbe vorsichtige Linie
Der Ehrliche gibt mutig neue Hinweise preis
Und geht damit das Risiko ein
Daß Du ihn einen Lügner nennen wirst
Weil er jedes Mal anscheinend was anderes erzählt
Doch die feinsten Wahrheiten sich nur schlussfolgern
Deshalb drehen sie sich permanent langsam um
Und zeigen Dir nach und nach alle Seiten von sich.
– Che Chidi Chukwumerije
Gestern war’s Hoffnung
Heute Schmerz – oder war’s Reue?
Vorgestern ein Anflug von Panik
Am Morgen davor eine stille, fast traurige, Freude
Dann gab’s just letzte Woche
Jenen wunderbaren Morgen wortloser Gedichte
Wunderbar eben weil
Mein Herz gefüllt war mit Wunder, mit Licht
Im Augenblick des Aufwachens
Übermannt mich stets irgendeine klare Empfindung
Ich liege da und fühle in mir ausklingen etwas
Von dessen Ursprung ich keine Ahnung hab
Doch du bist da mein Ruhepol.
Ein Blick von dir, ein Lächeln, dein Atmen, ein Wort
Deine Stimme ist die Versicherung der Normalität
Beruhigt sanft mein wildes Herz – alles wird gut.
– Che Chidi Chukwumerije.
Lebe die Gegenwart für sich
Gib nicht die Mühe, sondern gib Dich
Schaffe nicht, um später zu genießen
Er sucht nicht die See, der Fluß, er liebt das Fließen
Der Weg ist nicht das Ziel
Denn es gibt weder Weg noch Ziel
Es gibt nur das Leben und den Augenblick
Dein Leben in diesem Augenblick ist Dein Geschick
Jeden Tag über der Arbeit gebückt
Holt man nicht in der Rente zurück
Drum aus dem täglichen Leben
Alles nehmen, ihm alles geben
Die Realität ist die Gegenwart
Und das Tor in den ewigen Innengart
Das Paradies ist kein fernes Land
Das Paradies ist ein Zustand.
– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.
aus meinem Gedichtband “Innengart“.
Das Leben ist Verlust und Niederlage
Und deren Akzeptanz
Das Leben ist Veränderung und Wandel
Und Bewegung und Kohlentanz
Ist Wachsen und Reifen
Und älter und weiser werden
Es ist trauern und weinen und nachdenken…
Und lachen… denn es wird alles wieder gut werden.
– Che Chidi Chukwumerije.