DRUM BESINNE DICH DES WESENTLICHEN

Mann kann nicht auf Verinnerlichung groß warten,
Es geht alles so schnell,
Das Leben.

Kaum hortest Du kurz in Deinen Händen Deine Karten,
Sind sie nicht mehr aktuell
Fürs Leben.

So schnell wie die Erlebnisse sich offenbarten,
Teils unwichtig, teils essenziell
Dem wahren Innenleben,

Ebenso schnell musstest Du Altes abhakend Neues stets starten,
Immer bleibend originell –
Und das war Dein Leben.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

LIEBHABEN

Nicht alles, was Du liebst
Kannst Du haben
Nicht alles, was Du hast
Kannst Du lieben

Doch die Tatsache, daß Du liebst
Ist Dein allergrößtes Haben
Und alles, was Du hast,
Wirklich hast, ist Lieben.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WEGEN SEGEN

Unser beider wegen
Trennten sich entgegen
Unserem Gottessegen
Unser Beider Wege

Denn ohne Trennung
Blieben Erleben und Reifen aus
Und die darauffolgende Erkennung
Somit auch das Begreifen aus

Daß alle Gottessegen
Aller Erwartungen entgegen
Nicht bequem und träge
Machen sondern dazu anregen

Ehrlich unsere Wege
Echt werdend zu gehen.

Und sollten im ehrlichen Gehen
Unsere uns bestimmten Wege
Sich wirklich verstehen,
Erleben wir den wahren Gottessegen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WANDERLUST…

… in Familien hinaus, die obwohl kinderlos
Mehr Kinder haben und lieben
Als jeder Leib zur Welt tragen könnte –
Von der Selbstlosigkeit getrieben.

… in Gefängnisse hinein, wo Freigeister
Loyal und sich gegenseitig helfend
Zu einander stehen; und sie machen
Unter sich die höchsten Tugenden geltend.

… in Krankenhäuser und Altersheime hin,
Wo viel Leben, Jugend und Kindlichkeit
Sich nach einer zweiten Chance sehnen,
Auszuleben ihre Menschlichkeit.

… in die Ferne, nach Hause, zu Vornehm und Gering,
Und was hinten lag, lag auch stets Vorne
Nur in mir war es leer und lernend
Und aufnehmend – wie soll ich mich erforschen?

Wanderlust. Rastlos und unruhig.
Bewegung macht mich ruhig und still
Die Welt belehrt mich mit tausend Geschichten
Aber ich weiß noch nicht, was ich wirklich will.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AUF DER DURCHREISE

Es fällt mir schwer, offen zu bitten
Zu sagen, ich bin Einwanderer, bitte helft mir
Weil ich hilfsbedürftig bin, bitte akzeptiert mich
Denn ich wurde zurückgestoßen und bin leer
Aber nicht so leer, daß ich ohne Stolz bin
Weil ich voll bin mit der Frage nach meines Lebens Sinn.

Mit dem Stolz wandert die Scham einher
Wer will denn Träger einer gefallenen Kultur sein?
Wer will bemitleidet und geduldet werden?
Und geächtet, ausgewichen subtil und fein?
Aber zu stolz sein, es laut zu beklagen
Vor lauter Scham vor seines eigenen Volkes Versagen.

Wer klagt ist schwach; wer nicht klagt, wird geschwächt
Macht ist das Instrument der machtlosen Richter
Dankbarkeit fällt leicht, wenn es schwer ist
Und schwer wenn leicht, aber ich bin ein Dichter
Und anstatt zu sagen, daß ich Einwanderer bin
Sage ich ehrlich stolz, daß ich ein Wanderer bin.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NEUE LEBENSFORMEN

Die Erde selbst ist ebenjener Planet
Den wir überall im All suchen
Die Mars-Sonden und der Discovery
Werden niemals so große Erfolge verbuchen
Unter den fernen Sternen da oben
Wie wir kleinen Menschen hier auf Erden
Wenn wir es auf unserem Planeten schaffen
Frei von Plastikmüll und Schädlichem zu werden.

Die neuen unbekannten Lebensformen
Sind nicht dadraußen, wir sind die Träger
In einer neuen Zeit ohne Atommüll und Chemiedreck
Künstlich erzeugte biologische Krankheitserreger
Und die bösen Gedanken, die die Welt vergiften.
Die Erde ist unser Raumschiff
Unser nachhaltiges Flugzeug –
Welcher Astronaut hat es noch im Griff?

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Video:GESCHEHEN LASSEN (gelesen am Main)

Danke an Niklas und Joel.

– Che Chidi Chukwumerije
“GESCHEHEN LASSEN” (gelesen am Main in Frankfurt)
Tag 165 im Jahr der deutschen Dichtung.

GESCHEHEN LASSEN

Heute bin ich Topf
Eintopf
Herz voll und viel und weich
Gedeckelt vom Kopf
Köchelnd umrahmt statt mit Haaren
Mit einem dichten Ideenschopf
In unsichtbaren Schichten
Angekettet an Impulsen geflochten
Zu einem Zopf, an dem jemand zieht
Ich weiß nicht wer, ich kann mich nicht umdrehen
Ohne daß sich meine Gedanken
Nicht gerinnen zu einem Pfropf –
Deshalb, heute, Knopf auf,
Gedanken atmen lassen
Mitmenschen grüßen in den Straßen
Und Empfindungen einfallen lassen
Tropf für Tropf.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Video: Warte Nicht auf Beifall (Strassenpoesie)

Strassenpoesie neu definiert
Warte nicht auf Beifall
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WARTE NICHT AUF BEIFALL

Der ganze Tag
War hell mit Wunder überall
Doch Du warst auf der Suche
Nach Beifall

Die Merkwürdigkeit der Menschheit
Mit ihrem millionenfachen Sein –
Merktest Du es?
Nein.

Die vielen anscheinenden Zufälle
Die Dir das Leben täglich schenkt
Als möchte es, daß Du über
Seine versteckten Gesetze nachdenkst

Die paar leidenden Menschen
Die über Deinen Weg wanderten
Auch die warten auf etwas…
Doch wie viele geben es dem anderen?

Die Ichsucht, begriff ich
Verleitet zu Lebenszeitverschwendung
Je kleiner der Mensch
Desto größer seine Einbildung

Warte nicht auf Beifall
Nimm den Tag stattdessen
Er schenkt Dir Hochwertigeres
In all Deinen Erlebnissen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung