DIE VERGEBLICHKEIT DES HARTEN SIEGES

Den Dichter töten
Kannst Du nicht
Doch der Mensch ist schwach
Hinterm Gesicht – Schicht unter Schicht
Dichtung ist sein Unterricht.

Wie kann Verstand
Empfindung begreifen?
Wie will grob die Hand
Nach Feinzartem treffend greifen?
Töten kannst Du nicht
Den Dichter, noch sein Gedicht
Ziehen vor Dein starres Gericht –
Trotzdem scheint abstrakt sein Licht durch.
Schwach ist nicht wirklich schwach.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ABWECHSLUNG

Wir genießen die Sonne
Weil sie unter geht

Schön ist die tiefe Wonne
Die in mir entsteht

Denn Du bist mir gekommen
Mit allem, was Du bist

Hast strahlend hell geglommen
Erregter Amethyst

Geweckt das frohe Fließen
Gefrornes Morgentaus

Doch intensiv genießen
Halt ich nicht ewig aus

Des Sommers und des Winters
Bin ich beides gleich

Das Schließen des Fensters
Öffnet zum Innenreich.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TAUSCHEN

Wer sich selbst vergißt
Erinnert sich am Wahrsten an sich selbst
So wie er tatsächlich ist

Wer sich selbst ganz gibt
Empfängt die Wahrheit über sein Selbst –
Ob er sich dann vergibt?

Wer sich ganz zurück hält
Der gibt und empfängt das Gleiche selbst
Ob es ihm oder nicht gefällt

Und der, wer sich verstellt
Empfängt ein Zerrbild von seinem Selbst
Und von seiner und der ganzen Welt

Wir treffen uns
Wir trennen uns…
Ob wir uns je treffen?
Ob wir uns je trennen?
Auf Wiedersehen
Auf Nimmerwiedersehen
Denn wir werden nie wieder dasselbe sein
Was wir heute waren und heute allein.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WÄRME

Einsamkeit, leise, reist
Schleichend wie ein kalter Geist
Durch das Land, umkreist
Und durchdringt und vereist
Unsere Seelen –

Menschen fehlen:
Der Wärmeaustausch, der beweist,
Wenn die Kälte uns innerlich verspeist,
Daß ich Dir sei, wie Du mir seist
Der Retter, wenn der Zug entgleist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ERKENNEN LERNEN

Die Wirkung des Weins
Gleicht der der Dichtung
Das Bewusstsein des Seins
In ganz neuer Belichtung
Zu offenbaren

Ich trinke weder Bier noch Wein
Dafür jede Nacht
Erhellt und berauscht mein Bewusstsein
Aus der Empfindung ausgedacht
Dichtung neugeboren

Höre auf Deine Innere Stimme
Lerne zu erkennen
Das Dir Nützliche, Dir Gute,Dir Schlimme
Und Dich zeitlich zu trennen
Vom Trennbaren.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MOMENTE NÜTZLICH FÜLLEN

Wissen, wann man am besten Tschüss sagt
Kurz bevor der schöne Abend plötzlich unbehagt
Noch während eine schöne Aussicht hervorragt
Und Unsicherheit Deine Seele noch nicht plagt

Wenn noch keiner nach der Uhrzeit fragt
Und die späte Müdigkeit witzelnd beklagt
Gähnend fragt, ob man heute Abend noch was wagt
Und Unsicherheit an noch keiner Seele nagt

Das Treffen ist jung, doch sein Sinn schon betagt
Die Dynamik des Gesellens ist einfach so veranlagt
Der Mut zur Bindung irgendwann doch verzagt
Weil Unsicherheit in die Seelen jagt

Unsicherheit darüber, was der eigentliche Sinn ist
Des Treffens, des Moments bezüglich der kurzen Frist
Die das Erdenleben uns unerbittlich ausmisst
Was der Mensch in seinem Unterbewusstsein nie vergisst.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AUF DEN ERSTEN

Du bist reingekommen
Du hast mir in die Augen geschaut
Ich hab Dir in die Augen geschaut
Und ich wusste.

Nur wusste ich nicht
Was ich wusste.
Jedoch wusste ich es.

Und ich wusste, daß ich es wusste.

Und so
Wie Du mich anschautest…
Wusstest Du auch
Daß ich es wusste.

Und ich wusste
Daß Du es wusstest.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

PAUSE

Auch der Gehstock braucht
Eine Wand zum Anlehnen, der Baum
Braucht die Nacht zum Abkühlen,
Der Vater braucht die Erinnerung
An seinen Vater, um seinem eigenen inneren Kind
Eine Schutzempfindung zu vermitteln. Ich kann
Nicht immer Kraft spenden; ich
Muß mich von Vielem abwenden an
Meiner Lebensphase Abenden. Es sind
Keine Launen. Ich brauche einfach nur
Ab und zu meine Ruhe, aus der ich
Neue Kraft und Orientierung schöpfe.
Wem das nicht passt, dem passiert es zurecht.

Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

STREBEN

Bedürfnis:
Ordnung

Erfordernis:
Unordnung

Bestrebung:
Beförderung

Hilfestellung:
Herausforderung

Leicht erschwert
Schwer erleichtert
Wer sich darüber beschwert
Der ist längst gescheitert.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

EIN WACHES EMPFINDEN

Ich habe Menschen gesehen
Die herb und streng aussehen
Und doch sind sie zart

Ich habe welche getroffen
Die interessiert wirken und betroffen
Und sich entpuppten als hart

Mode ist’s wieder geworden
Daß Kinder sich gut geborgen
Fühlen hinter einem Bart

Wir glauben oft zu kennen
Ohne richtig zu erkennen
Was sich um uns schart

Stacheln schützen oft eine Rose
Und manch eine Herzlose
War anders am Start

Doch manchmal zeigt die Figur
Auch einfach die wahre Natur –
Frag Deinen inneren Torwart

Ob überheblich oder einsam
Sie haben eines gemeinsam
Beide wirken apart

Man braucht ein waches Empfinden
Im Erleben, um herauszufinden
Seine wirkliche Gleichart.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung.