KLEBSTOFF

Lützerath Demo 14.01.2023 / & Fecher bleibt / FFM
Sie kleben
Plakate
Sich
Hoffnung
Wut
Angst
Entschlossenheit

Wände sind nicht groß genug
Straßen sind nicht laut genug

Herzen allein böten genug Platz
Für mehr als jeden kämpferischen Satz
Zum Schutz von jedem gesunden Schatz
Vom Fechenheimer Wald zu Lützerath.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INTEGRATION 2

In kleinen Mengen
Schluckt mich
Die Seele der Nation

Verinnerlicht sie mich?

Völkerspeise
Bleibt von mir was übrig?

Und der Gesellschaftsgeist
Wie Yggdrasil wächst, gedeiht
Und nimmer ergraut und nimmer ergreist
In meinem Inneren dem Neuen geweiht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS IST AUS EURER GRÖSSE GEWORDEN?

Und dann begann ich
Liebevoll geduldig
Mit Euch zu sprechen

Denn Härte mit Härte
Und Hass mit Hass
Zu kontern niemals
So gut wie Liebe saß

Was ist aus Eurer Größe geworden?
Geblieben ist nur Arroganz
Das Nicht-tolerieren von Toleranz
Das Dürsten nach Relevanz.

Größe aus der Distanz
Ist in der Nähe oftmals
Eine Anhäufung von Schwächen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLEINERZIEHEND

Schreibt Protokoll
Geht einkaufen
Schiebt Überstunden
Hält das Büro am Laufen

Geht Kompromisse ein
(F)Akten balancierend
Deadlines frühzeitig haltend
Schlüsse akzeptierend

Schaut immer wieder auf das Handy
Steht plötzlich auf
Ich muss jetzt zu meinen Kindern
Ich mache den Rest von Zuhaus

Kurz nach Mitternacht
Nochmal eine letzte Mail
Sitzt morgen wieder lachend im Büro
Mit müden Augen parallel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUSAMMEN HÄLT BESSER

Zusammen hält besser
Gemeinsam steht der Stadt gut
Nicht alles, was sich äußerlich unterscheidet
ist sich innerlich fremd
wenn sie sich ausziehen
und in einander einziehen
als wären ihre Seelen die Wohnungen der Stadt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICHTBAR

Ich bin so sichtbar
Alles, was Du siehst, ist
daß ich da bin. Mehr nicht.

Alles andere –
Meine 1001 Nächte
verblassen wie Monde im Licht.

Meine Haut lenkt
Deinen Blick auf mich und
lenkt Deinen Blick von mir ab.

Deine Augen ziehen mich aus.
Meine Unsichtbarkeit ist
das Sichtbarste, was ich hab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERLANGEN NACH GLEICHART

Von Weitem gekommen
Nicht weit gekommen
Nie ganz angekommen

Den einsamen Weg genommen
Das Fremde angenommen
Keiner hat’s mir abgenommen

Wir sehen doch, was Du bist
Alles andere, was Du auch bist
Ist für uns nur eine List

Wir sehen doch, wie fremd Du aussiehst
Alles Vertraute, was Du auch versprühst
Ist ja weil Du uns verführst

Weiter gegangen
Nicht weit genug gegangen
In Richtung Deinem und meinem Verlangen

Im Nirgendwo gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRANKFURT AM MAIN

Ich höre Dich
wenn ich aus dem Fenster rausrieche
spüre Deine Gedanken Gefühle
in den Augen fremder Menschen
auf Deinen Gassen immer
rufst Du mich bist verlangend bist
besitzergreifend eine zweite Stimme
in meinem Kopf wenn ich nachts
im Bett liege denke ich denke nichts
fühle ich fühle etwas weiß nicht was
empfinde Dich mein gewordenes Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KULTUR

Vielleicht liegt die Lösung
gar nicht in der Politik,
sondern in Kunst und Kultur.

Wie sonst bewirken wir
eine innere Veränderung
in der menschlichen Natur?

Wie entsteht jener Mensch
der nicht alte Systeme verpackt
in wechselnd neue Struktur?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEIT OHNE MAHL

Wann kommt die nächste Mahlzeit
wenn die Zeit selbst zum Mahl wird?
Wer hat sie auf deren Menükarte serviert,
bezahlt, bekommen, in Besitz genommen,
aufgefressen, genossen? Zeit unseres Lebens.
Unterdessen wächst der Hunger
und größer und größer die Zeit ohne Mahl,
egal, wer die letzte Wahl gewonnen hat.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung