Katapultiert auf die Oberfläche sind wir geworden Es zählt nur noch die Hautfarbe bei der Seitenwahl Sortiert zum Westen, zum Osten, zum Süden, zum Norden Himmelsrichtungen führen manchmal zur Höllenqual. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
über Politik und das Gesellschaftsleben
WEITER REISEN
Wofür war die ganze Zeit? Umsonst? Ich gab Euch meine ganze Zeit Meine beste Zeit Umsonst. Wieviel Zeit habe ich noch übrig? Die Haare werden silbrig Die Stimme einsilbig Da! Dort! In der Ferne! Meine Träume! Meine Sterne! Euch erreiche ich immer noch gerne. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHUTZENGEL
Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich, mitten unter Feinden gehst, naiv und ungeschützt da stehst… denn für Dich ist es selbstverständlich: Hier sind sie alle Mensch und menschlich… Welche Engel beschützten uns ungesehen? Wir merken das Wunder nicht; trotz Dunkel scheinet das Licht. Der Verstand kann es nicht verstehen, Du überlebst und Dir ist nichts geschehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FLUGUNTAUGLICH
Der Vogel ist in der Käfig Er bewegt sich nicht mehr Sein Blick ist stet und leer Jeder Augenblick ist ewig Die Käfigtür geht auf Der Vogel bleibt stehen Stunden, Tage, vergehen Und Monate, Jahre, drauf Die Tür bleibt weit offen Der Vogel bleibt gefangen Sein Verlangen ist vergangen Er kann nicht mehr hoffen Menschen, die sich nicht trauen ihre Vergangenheit zurückzulassen Gruppen, verwurzelt im Hassen, die sich ihren Weg verbauen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DIE URSACHE IST UNSICHTBAR
Ja Die Ursache ist unsichtbar. Politik kann die Auswirkung dämmen zwar, aber sie kann die Wunde selbst nicht heilen. Sie blutet aus allen Gesellschaftsteilen, links und rechts und durch die Mitte, verankert im Seelenherd von Brauch und Sitte - Fremd ist fremd und bleibt ewig fremd. Das Heimatliche ist kein wechselbares Hemd. Das Fremde betrachten wir lediglich als Trend, es bleibt an echter Integration durch uns gehemmt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KLEINE RÄUME
Ich suche die Worte Ich finde Orte des Schweigens Wo Begegnungen sich weigern Miteinander zu kommunizieren Eine große Gesellschaft Mit viel zu kleinen Räumen Keine zwei Meinungen passen darein Es sei, sie schweigen und halten sich klein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS BÖSE DRÜCKT WIEDER
Das sind seltene, seltene Menschen, die einer Versuchung widerstehen können, wo Schwäche und Gelegenheit sich treffen, ohne Konsequenzen sich etwas zu gönnen. Schwäche regiert uns, schwer zu fassen. Die hasserfüllten Augen mehren sich. Die Versuchung, das Böse wieder rauszulassen, drückt auf die Gemüter schwerlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHEMPFINDEN AM SONNTAG
Wer zu viel von sich selbst hält, hat zu Gott stets das falsche Verhältnis; Wer sind alle klein - sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern. Im langen Zeitalter der Herrschsucht, sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen; sucht, den Drang, sich zu beherrschen, zu unterdrücken, macht gierig auf Sieg und Krieg, Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit. Nur Frieden ist Sieg - Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit. Dazu ist die gestohlene Macht machtlos. Denn wer Macht braucht, missbraucht Macht auch. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
FREMDE STADT
Ich laufe durch die Stadt. Ich spaziere durch die Gefühle der Passanten Und sehe diese an ihrer Statt. Ihre Gefühle sind Weltwanderer, sind Migranten. Die Menschen hier sind mir zwar fremd und neu, doch ihre Gefühle gleichen mir Bekannten, detailgetreu. In den einen Augen unzählige Fragen; In den anderen: Ich habe hier das Sagen; In anderen: Du bereitest mir Unbehagen, Du hier? - Wie konntest Du das wagen? In den einen Augen tastende Unsicherheit; In den anderen Sehnsucht nach Wahrheit; In anderen Erkenntnis der Mitmenschlichkeit; In den einen Augen klarer Verbindungsverzicht: Ablehnung oder Gleichgültigkeit? Weiß ich nicht. Doch manche sind einfach nur scheu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KULTURKAMPF
Die Fronten sind verhärtet Lächelnde Augen eisiger Freundlichkeit schütteln sich die Hände mit Feindseligkeit Alles wird einseitig bewertet Der gleiche Geist tobt blind auf allen Seiten bringt sich selbst überall täglich zum Leiden Die Welt wird allseitig gefährdet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
