EIN EINZELNER GEDANKE

Auf der Suche nach dem Störenfried,
dem Eindringling in meine Gefühlswelt:

Ein Gedanke unter Tausenden,
Er tauchte kurz wie ein Spaziergänger auf,
grinste spöttisch, verhöhnend,
verschwand ganz schnell wieder …
bevor ich ihn fassen konnte.

Und jetzt bin ich da, verunsichert,
tanze nervös in meinen Gedanken rum
zum Takt meiner Herzschläge –
So mächtig ist ein einzelner falscher Gedanke,
wenn Du nur in Deinem Kopf lebst.

Ich gebe die Suche nach dem Störenfried auf.
Mein Herz lacht und ich bin nicht mehr gestört.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAG

Jeder Tag ist der Anfang
des Lebens und sein Ende.
Es gibt keine Ewigkeit
Es gibt keine Unendlichkeit
Es gibt nur Tag und Nacht
Und sie ergänzen sich
Wie Du und ich.

Es gibt keine Ewigkeit
Es gibt keine Unendlichkeit
Es gibt nur Tag und Nacht.
Den Traum
Und das Streben danach,
Ihn wahr werden zu lassen,
Jeden Tag Du und ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEHEIMNISSE SIND SCHUTZHÜLLEN

Wo kann ich mein Geheimnis verstecken,
damit es vor Dir sicher ist?
Denn mein Herz gehorcht mir nicht,
wenn ich es zum Schweigen befehle.
Selbst ich war mal sein Geheimnis,
doch guck: Hier bin ich jetzt, sichtbar.
Mein Herz hat mich enthüllt und verraten.
Jeder kann mich lesen wie sein Tagebuch.
Wo kann ich nur mein Geheimnis verstecken,
damit es vor Dir sicher ist?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HARTER TAG, SANFTER ABEND

Einer dieser leeren Tage
Die so voll sind –
Eine laute geladene Frage
Wenig Substanz, viel Wind.
Tausend Punkte, vage.
Tausend Blicke, blind.
Erwachsenen sind nicht in der Lage
Zu finden das innere Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINFACHE WIEDERHOLUNGEN

Ich bin noch nicht satt
Du bist mein unbeschriebenes Blatt
Meine rätselhafte Heimat

Ich hatte noch nicht genug
Deine Wahrheit betrug zur Hälfte Betrug
Mit Dir, ohne Dich, beides ist Entzug

Ich möchte mehr von Dir
Denn mehr von Dir ist mehr von mir
Wenn‘s richtig ist, reimt‘s sich auf wir

Denn richtig ist immer einfach
Denke tiefer nach:
Das ist alles, was uns das Leben versprach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PARALLELWELTEN

Sie treiben zusammen
wie Öl auf Wasser
im Glas – Parallelgesellschaften –
Und wen Du fragst, sagt Dir ja
sie leben zusammen
Und wen Du fragst, sagt Dir nein
sie leben getrennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BUCH OHNE ENDE

Ich mag es
Ich sag es
mein Bücherregal anzuschauen
und an den Schmerz zu denken
aus dem heraus alle diese Bücher
geschrieben wurden

Denn ich weiß dann, daß
ich nicht alleine bin.
Alles, was ich spüre
hat schon jemand vor mir einst gespürt
vor Hunderten von Jahren
und vor Tausenden vor Jahren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IHR, MEIN ZUHAUSE

Umzingelt
Umarmt
von Eurer Liebe
Wie Saturn von seinen Ringen
Wie Jupiter von seinen Monden
Wie eine Sonne von ihren Planeten

Dabei seid Ihr die Sonnen
ich das Land ohne Nacht
denn jeder Tag ist der gelebte Traum
und steigt kontinuierlich
im Licht Eurer Strahlen
und Eurer Wärme.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEUTSCHER FRÜHLING

Ich rieche im Anflug den deutschen Frühling
Er riecht wie eine Erinnerung an etwas, was noch nicht geschah
Ein bißchen wie das Dejavu, wenn der Tag das bringt
was in der Nacht im Traum bereits geschah.

Ich höre im Anmarsch den deutschen Frühling
Ich meine nicht die Vögel, deren Namen ich nicht kenne
Ich höre den ungeduldigen Ton beim Reden und Lachen
Ich höre die Ungeduld in den Schritten, als würden alle rennen.

Ich sehe in jedem Augen-Blick den deutschen Frühling
Ein Erwachen der Einsicht in eine neue Erkenntnis
Deutschland als Deutschsein erfindet sich neu, ständig
Und ist mehr als die Summe bisheriger Erkenntnisse.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WORTFLUCHT

Wie Besucher
deren Aufenthalt leise zu Ende ging
verschwinden unmerklich Worte
ohne Abschied
aus dem Gedächtnis
Spurlos
als wären sie nie da gewesen.

Und doch waren sie einst da –
Die Lücken beweisen es.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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