ABHEBEN

Wir stehen.
Die Wolken nicht.
Die Startbahn sticht
mich zum Gedicht.
Der Kapitän spricht.
Das Flugzeug bricht
auf ins Himmelslicht.

Che Chidi Chukwunerije (31.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HINEINHÖREN

An dem Tag, an dem mein Herz schwieg
Habe ich lange nicht zugehört
Und mein Herz ließ mich auch ungestört;
Verschwieg, daß es sein Schweigen verschwieg.

Che Chidi Chukwumerije (30.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BESUCHER

Ich war ein Sucher in der Natur
und ich fühlte mich fremd, als
der Schnee kam. Aus dem Dunkel,
aus dem Nichts. Lagerte sich um mich
wie ein Belagerer einen Feind, und
starrte mich ernst und wortlos an.
Mein Herz klopfte, ich wartete ab und
ließ mich prüfen. Dann umarmte mich
der leise Schnee und geleitete mich
aus dem Wald wie ein treuer Begleiter.
Manchmal sind wir Zuhause in
der Natur, doch manchmal sind wir
nur Besucher in einer fremden Welt.

– Che Chidi Chukwumerije
29.01.2020 (18:53h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

CHANGING

That feeling
That it is the end of an era
And your life is about to change
Every song you play
Is like a lullaby of life’s evening
With morning on the mountain-range
Once distant
Now descending like dawn‘s mist
The way it will constantly re-arrange
It‘s shape before you
And around you and within you
And make you feel new, open and strange.

– Che Chidi Chukwumerije

AM ENDE WAR DAS WORT

Es blutet als wäre ich gebissen worden
von meiner Zunge. Aber, … zu spät.
Die Worte sind schon Messer geworden.
Hilflos schaue ich zu, wie das Blut
scharf wird und außer Kontrolle gerät.
Ich lecke Wut. Es schmeckt nicht gut.
Zu schnell geantwortet.
Langsam, viel zu langsam verantwortet.
Am Ende war das Wort.
Das alles beendende Wort.

Che Chidi Chukwumerije (28.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IM GUTEN ABSCHIED NEHMEN

Hast Du heute morgen
Deinen Geliebten in die Augen geschaut?
Hast Du es zur Verzeihung
Und zum Liebe-tauschen Dir getraut?
Hast Du die Mauern, die gestriger
Streit errichtet hat, heute abgebaut?

Heute morgen könnte
Die letzte Gelegenheit gewesen sein.
Schneller und plötzlicher als
Du denkst, steht einer von Euch ganz allein.

Che Chidi Chukwumerije (27.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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HELFENDE GEDANKEN

Ein Bahnhof nach dem anderen
Erschien in der dunklen Röhre
Wie Lichtblicke auf meinem Gedankengang

Beeindruckender als die Gedanken selbst
War die Tatsache, daß jemand
Diese Lichthöfe gebaut hat mit Absicht
Meinen dunklen Pfad entlang.

Che Chidi Chukwumerije (26.01.2020)
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ATTENTION TO DETAIL

Every shift in form takes a bit of attention away from content as the consciousness or subconscious seeks through a reappraisal of form, and an attempted understanding of the reason for the shift, to glimpse a hint at the current nature of content. So, the understanding of content – on its way from itself to itself – takes a detour via attention to and understanding of form.

– Che Chidi Chukwumerije

DIE SPRACHE DER FREMDEN

Frag mich nicht warum
Darum liebe ich die deutsche Sprache
Sie ist unerklärlicherweise
Die Aussprache meiner inneren Stimme.

Che Chidi Chukwumerije (25.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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LIEBE UND LASSE DEN MOMENT

Gestern, wie unsichrer Boden,
wurde mir so schnell unter den Füßen
weggezogen. Das Leben gestattete
es mir nicht einmal, mein eigenes Gedicht
zweimal zu lesen und so war’s gewesen
Als wär’s nie gewesen. Das nächste steht
verschwindend schon vor der Tür.

Wen ich heute liebe, liebe mich heute zurück.
Morgen reimt nichts mehr mit gestrigem Glück.

Che Chidi Chukwumerije (24.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
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