Zwischen Dribbdebach und Hibbdebach In der dunklen Nacht, offen, hellwach Meine 2 Seiten, ich sehne mich danach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EISERNERSTEG: Ein Gedicht für Frankfurter.
Zwischen Dribbdebach und Hibbdebach In der dunklen Nacht, offen, hellwach Meine 2 Seiten, ich sehne mich danach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EISERNERSTEG: Ein Gedicht für Frankfurter.
Ich höre Dich wenn ich aus dem Fenster rausrieche spüre Deine Gedanken Gefühle in den Augen fremder Menschen auf Deinen Gassen immer rufst Du mich bist verlangend bist besitzergreifend eine zweite Stimme in meinem Kopf wenn ich nachts im Bett liege denke ich denke nichts fühle ich fühle etwas weiß nicht was empfinde Dich mein gewordenes Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Die ersten Tagträumer tauchen tapfer in den tautrunkenen Tag Auch so früh am Morgen ist es erstaunlich wie viele Mitreisenden Dir ein müdes Lächeln zurück schenken, wenn Du mutig Dein Herz öffnest und jedem Augenkontakt mit einem vermutlich ebenso müdes Morgenlächeln verewigst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich auf die dunklen Berge - plötzlich ist es überall nass - und sie sind sehr laut. Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut. Es blitzt wie ein helles Lachen Es donnert wie das Erwachen von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt und nur die Hemmungslosen belohnt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wichtiger als der Ort an dem Du lebst, ist der Ort, der in Dir lebt. Die meisten Migranten kommen niemals an - Wer hat das noch nicht erlebt?: Du besuchst einen Einwanderer Zuhause, findest dort eine Hülle dessen Geist noch auf dem Weg klebt. Und sie warten und warten auf die Familienzusammenführung mit sich selbst. Unvollendete Reime. Fahrzeuge, Boote, Flugzeuge sind alle viel zu schnell - Ans Ziel bringen Dich alleine Deine eigenen Beine. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wie oft sah ich diesen Sonnenuntergang, einen Freund meines Staunens und meines Träumens, meines Ruhigseins jeden Abend - Er war umrahmt aber nicht mit Eichen und Tannen, sondern mit Irokos und Palmen und bildete den Hintergrund zu meiner Kindheit am Äquator. Nie hätte ich gedacht, daß Jahrzehnte später eben er mein Halt und mein Trost sein würde, meine Orientierung hier oben im Norden - Wo weder der nördliche Stern noch die Nordlichter mir den Weg nach Hause weisen konnten, hast Du - schöner Sonnenuntergang - mich zu mir zurück geführt, umrahmt von Tannen und Eichen und langsamer geworden aber Du bist es noch. Du bist es noch. Kinder erkennen immer ihre Freunde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich habe Afrika in Afrika verloren und in Europa wieder gefunden. In mir. Europa fand ich nie. Wie eine Geschichte, die immer weiter erzählt wird doch niemals so existierte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Palmen wehen wedeln winken im Wind tauchen in der Ferne auf Psalmen singen ringen klingen in meinem Herzen drin tauchen aus einer Erinnerung aus an die ich mich nicht erinnern kann. Ich suche mein Gedächtnis gründlich ab wandle wie in einer Wüste mit Wanderstab von einem zum nächsten leeren Grab… Der Geist wanderte aus ihnen schon lange aus; kehrt er zurück, angezogen, dann als neuer Mann. Die Straßen Tel Avivs sehen aus wie die Straßen von Hunderten von Großstädten der Welt, voller menschelnden Menschen in der Art von Hier und Jetzt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung




Ich mache seit drei Maitagen Urlaub in den Bergen in Österreich und wieder spüre ich nebenbei wie immer: wo Deutschland hart ist, ist Österreich weich, wo Österreich schwer ist, ist Deutschland leicht. Hier bin ich den Deutschen fern, doch in anderer Hinsicht dem Deutschen nah. Aus sichtbarem Fleisch und unsichtbarem Kern besteht die Frucht der Eigenart der Sehnsucht. Was brodelt in diesem Drang nach Mehr? Mehr Heimat doch mehr Fremde und mehr von dem Pendeln da zwischen hin und her wie Schaukeln zwischen Polen des Verlangens, Widerhall zwischen Herz und Hand, Ferngespräche zwischen Südbergen und Nordseen, Autofahrten zwischen Österreich und Deutschland. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Irgendwas wächst in meinem Bauch Da ich weder schwanger bin noch mich krank fühl Bleibt nur die eine Schlussfolgerung: Es wächst in mir ein Bauchgefühl. Eine gewisse Ungewissheit - Oder eine ungewisse Gewissheit? Denn das etwas ist, das weiß ich gewiss, Nur ist das genaue Wissen etwas ungewiss. Dieses Warten auf Bestätigung Und, manchmal, Hoffen auf Widerlegung… Schweigen war immer mein bester Freund Und riet stets leise zur Vorbereitung. Auf Veränderung, denn Menschen ändern sich; Auf Wiederholung, denn Menschen bleiben gleich; Weißt Du noch, als ich Dein Bauchgefühl war: Und eroberte tatsächlich wie befürchtet Dein Reich. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung