In der Weite eine Bergspitze wolkenumschlungen So entfernt, so entrückt sie mir scheint, ist sie trotzdem irgendjemandem Zuhause Vielleicht einem Vogel vielleicht jenen Wolken vielleicht einem Wesenhaften Vielleicht diesem Gedicht, diesem Gedanken, dieser Sehnsucht in mir nach der Weite. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
von Orten und Zeiten und Gefühlslagen
DEMUT UND BESCHEIDENHEIT
Es gibt Momente, in denen wir uns besser dünken als wir sind, vielleicht weil wir es auch tatsächlich sind, aber dann befinden wir uns unter jenen, deren Zeit es ist zu führen, egal ob sie richtig, falsch oder ver-führen; wir sind gefangen in ihren Plänen, denn wir müssen alles erleben - Führung und Unterdrückung durchleben - und reifen durch unsere Tränen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DER LERNWEG
Nichtsdestotrotz möchte ich Dich bitten, Weg, weiter zu gehen, ob wohl, wund geritten, meine Reifen, ich meine mein Begreifen von Dritten, bereits ausgereift ist - dritte Reiche, dritte Sitten. Man lernt nie aus, nie aus anderer Fußtritten und deren Berichten darüber; nein, selbst durchschritten muss man gefrorene Seen haben, auf dünnem Eis ausgeglitten sein, gebrochen, mit Lügen und mit Schatten gestritten haben, uralte Vorurteile, neu institutionalisiert, selbst erlitten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KURZE BEGEGNUNGEN
Begegnungen, die kurzen und die vergänglichen, weil intensiv, mutieren zu unendlichen Erinnerungen. Nicht die Länge der Geschichte, sondern die Tiefe der ihr innewohnenden Gedichte, weckt die ewigen Empfindungen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HONG KONG
Die Wolkenkratzer in die Breite in die Höhe in die Tiefe bis weit in die Ferne. Städte sind von Menschen verfasste Briefe, geschrieben auf Papier aus Himmel und Wolken, lesbar nur von oben - begreifbar nur von unten. An wen sind sie adressiert in diesem einsamen Universum? Wir kommen gehen kommen gehen zwischen Berg und Meer und erleben Fremdes und Dejavu. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
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DIE SACHE SELBST
Ein Haus stand neben einem Fluss Doch es ist der Fluss, der heute noch steht Und das Haus, das weggeflossen ist. Der Reisende ist immer an seinem Ziel. Der sein Ziel erreicht hat Spürt irgendwann wieder die Sehnsucht Nach einer höheren Form der Vollkommenheit. Die Formen ändern die Gestalt ihrer Erscheinung Die Sache selbst bleibt, was sie ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEIN TAG OHNE SCHÖNHEIT
Der Zug fährt ab und fernab der Gegenwart kommt er im selben Moment an. Alles ist immer Gegenwart. Herzen berühren ist schön Herzen brechen ist schön Herzen begegnen ist schön Herzen verlassen ist schön Nur, mach es in der Gegenwart Heb es nicht für morgen auf - Ein Tag ohne Schönheit ist ein Tag vertan Ob Schmerz, ob Genuss, ob Freude, ob Verlust, es ist alles schön wenn der Geist daran wächst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZUHAUSE
Das Heim ist der schönste Ort auf der Erde, wohnt die Harmonie ihm inne als und im Herde und dazu die Schönheit als innigste Zierde. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN NACHDENKLICHER TAG
Der Tag hat die Konsistenz eines angenehmen Greisen heute - Eines dieser Menschen, entspannt, denen weder Traurigkeit noch Freude ihr lebenslang gewonnenes Gleichgewicht rauben können, noch ihre konstante Wachsamkeit. Hinter den Häusern stehen Lauben, manche offen, manche zu, wie die Einsamkeit der Menschen, nicht jeder braucht, nicht jeder will die Zweisamkeit haben. Manchen wollen alleine sein, ruhiges Gesicht zur milden Sonne gedreht an leisen Tagen wie diesem mit der Konsistenz zart nachdenklicher Existenz. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREMDE KULTUREN
Diese merkwürdigen Momente, in denen eine fremde Kultur zu Dir spricht und in Dir jemand sich angesprochen weiß, der ein Teil Deines Innersten ist aber meistens in mitten Deines Innigsten schweigt, als wärest Du zwei Menschen ein Gesicht - ein Einheimischer und ein Fremder - gleichzeitig, und Du wusstest es bisher nicht. Ihre Augen wecken unzählige Erinnerungen, an die Du Dich nicht mehr erinnern kannst, diese fremden Menschen, die Dir vertraut sind, als hättet Ihr schon Lebzeiten zusammen getanzt, ja, schon ganze Leben gemeinsam gelebt, erlebt, gelernt, geliebt, Samen gepflanzt, die Inkarnation nach Inkarnation nach Inkarnation Früchte tragen, aus denen Du Toleranz tankst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
