Diese merkwürdigen Momente, in denen eine fremde Kultur zu Dir spricht und in Dir jemand sich angesprochen weiß, der ein Teil Deines Innersten ist aber meistens in mitten Deines Innigsten schweigt, als wärest Du zwei Menschen ein Gesicht - ein Einheimischer und ein Fremder - gleichzeitig, und Du wusstest es bisher nicht. Ihre Augen wecken unzählige Erinnerungen, an die Du Dich nicht mehr erinnern kannst, diese fremden Menschen, die Dir vertraut sind, als hättet Ihr schon Lebzeiten zusammen getanzt, ja, schon ganze Leben gemeinsam gelebt, erlebt, gelernt, geliebt, Samen gepflanzt, die Inkarnation nach Inkarnation nach Inkarnation Früchte tragen, aus denen Du Toleranz tankst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
zum Nachdenken
DEN FALSCHEN WEG ERKENNEN
Schwer ist nicht der Weg, sondern jedes Bein, wenn falsch der Pfad ist. Kein Zweck heiligt jedes Mittel, denn der Geist weiß, wohin und wie. Wenn Deine Innere Stimme bockt, wenn Dein Herz stolpert und stockt, halte inne, wisse mit Garantie: Du bist auf dem falschen Weg. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INDIVIDUELLE SCHICKSALE
Kein Sohn gleicht dem Vater kein Mensch dem anderen genau Auf diesem Erde genannten Theater ist das Sichtbare nur Schau Unsere Wünsche blenden uns unsere Ängste, Einsamkeit, Unwissen Gedankenwolken, Gefühle, ein Dunst vor des Lebens Geheimnissen Wir kommen und gehen, mehrmals, jeder Mensch eine einmaliges Kreatur Liebe sie, doch binde Dich niemals an sie. Jedem seine Tour. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KLEINER KANN GRÖSSER SEIN
Große Menschen wie Eisberge sehen selten so groß aus wie sie sind - Schneewittchen sah keine Zwerge; nur wir tun das, denn wir sind blind. Sie sah Ritter, sie sah Riesen, sie sah Menschen mit großen Geistern. Denn nur Güte - und das ist bewiesen - hat den Mut, das Herz zu meistern. Du musst nicht groß sein, um mich mit Liebe zu besiegen. Mach Dich einfach, mach Dich klein und Du wirst das leicht hinkriegen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAS IST WENN DU UNABHÄNGIG
Was ist wenn Du unabhängig von Hauteigenart fliegen könntest in die höchsten Begriffe? Was ist wenn Du unabhängig von Kulturstand stürzen könntest in die engsten Tiefen? Was ist wenn alles mit nichts zu tun hat, was wir für wichtig einstufen? Was ist wenn anders sein durch gut sein zwar das schwierige doch das richtige ist? Denn dazu sind wir als Menschen berufen. Was ist wenn es egal ist, wie andere Dich nennen, ob sie sich mit Dir verschwistern oder sich von Dir trennen? Was ist wenn der große Zusammenhang mit nichts zusammenhängt, an denen wir hängen? Wenn unsere Selbstkontrolle uns befreit und unsere Freiheiten uns einengen? Geist. Was ist Geist? Der in uns allen ist aber nicht in uns allen wirkt und doch der einzige ist, der unser Menschsein bewirkt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EIN ANDERER KAMPF
Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Rassen Nichts zu tun mit Geschlechtern Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Sprachen Nichts zu tun mit Kulturen, nichts zu tun mit Massenvernichtungswaffen Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite die Suche nach dem Sinn des Lebens ist Dessen andere Seite das Streben ist nach der Vervollkommnung des eigenen Geistes Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PASS DICH NICHT AN
Ich fand mich. Ich steckte in Blättern, die ich schrieb als ich noch jugendlich und noch ehrlich genau das sagte, woran mein Herz ganz glaubte, was mir die Zeit aber dann raubte, weil ich mich hinterfragte. Alles, was ich heute sagen kann: Pass Dich nicht an. Dein Geist hat einen Plan: Pass Dich nicht an. Pass Dich nicht an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESTERN VERSCHWAND
Gestern verschwand so schnell und wird es täglich wieder tun. Heute ist gestern’s flüchtiger Appell an uns, nicht träge uns auszuruhen. Denn heute ist das fixe Gesicht von gestern einmalig im Entstehen. Wir schreiben vor Mitternacht das Gedicht und so wird es die Welt für immer sehen. Was für ein Moment der Moment ist, was für eine Macht seine Macht hat - den Wachen macht er zum Opportunist, dem Schlafenden bleibt er ein leeres Blatt: Bitte nicht wenden ohne zu verwenden. Ungeschrieben. Ungenau und unbeschrieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARUM ICH SCHWEIGE
Warum ich schweige, mich zur Stille neige: Weil jedes Wort Verrat wär an das Beste in mir - Weil jedes Wort Verrat wär an das Echte in mir. Ich würde so gerne ganz in die Ferne, Starrem mich entziehen - innerlich, meine ich - mich zurück ziehen. Schweige ich, weine ich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERRENMENSCHENTUM
Wenn ich könnte, würde
ich nicht in meinen Blog hinein dichten,
sondern auf Eure Seelen, die Hürde
direkt an dem Herde vernichten,
die auf dem Geist wie eine schwere Bürde
lastet, Schichten auf Schichten auf Schichten.
Erblindend. Frage Dich tausendmal warum,
warum ist die Menschheit so blind, so dumm?
Machen die Waffen die innere Stimme stumm?
Jede Kultur sieht sich selbst als Zentrum.
Summa Summarum:
Nichts macht so blind wie das Herrenmenschentum.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
