WAS IST WENN DU UNABHÄNGIG

Was ist wenn Du unabhängig von Hauteigenart
fliegen könntest in die höchsten Begriffe?
Was ist wenn Du unabhängig von Kulturstand
stürzen könntest in die engsten Tiefen?
Was ist wenn alles mit nichts zu tun hat,
was wir für wichtig einstufen?
Was ist wenn anders sein durch gut sein
zwar das schwierige doch das richtige ist?
Denn dazu sind wir als Menschen berufen.
Was ist wenn es egal ist, wie andere Dich nennen,
ob sie sich mit Dir verschwistern oder sich von Dir trennen?
Was ist wenn der große Zusammenhang
mit nichts zusammenhängt, an denen wir hängen?
Wenn unsere Selbstkontrolle uns befreit
und unsere Freiheiten uns einengen?
Geist. Was ist Geist? Der in uns allen ist
aber nicht in uns allen wirkt
und doch der einzige ist, der unser Menschsein bewirkt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN ANDERER KAMPF

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Rassen
Nichts zu tun mit Geschlechtern
Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Sprachen
Nichts zu tun mit Kulturen, nichts
zu tun mit Massenvernichtungswaffen

Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite
die Suche nach dem Sinn des Lebens ist
Dessen andere Seite das Streben ist nach
der Vervollkommnung des eigenen Geistes

Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen
desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen
Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier
niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PASS DICH NICHT AN

Ich fand mich.
Ich steckte in Blättern, die ich
schrieb als ich noch jugendlich
und noch ehrlich
genau das sagte,
woran mein Herz ganz glaubte,
was mir die Zeit aber dann raubte,
weil ich mich hinterfragte.

Alles, was ich heute sagen kann:
Pass Dich nicht an.

Dein Geist hat einen Plan:
Pass Dich nicht an.

Pass Dich nicht an.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESTERN VERSCHWAND

Gestern verschwand so schnell
und wird es täglich wieder tun.
Heute ist gestern’s flüchtiger Appell
an uns, nicht träge uns auszuruhen.

Denn heute ist das fixe Gesicht
von gestern einmalig im Entstehen.
Wir schreiben vor Mitternacht das Gedicht
und so wird es die Welt für immer sehen.

Was für ein Moment der Moment ist,
was für eine Macht seine Macht hat -
den Wachen macht er zum Opportunist,
dem Schlafenden bleibt er ein leeres Blatt:

Bitte nicht wenden
ohne zu verwenden.
Ungeschrieben.
Ungenau und unbeschrieben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WARUM ICH SCHWEIGE

Warum ich schweige,
mich zur Stille neige:
Weil jedes Wort Verrat wär
an das Beste in mir -
Weil jedes Wort Verrat wär
an das Echte in mir.

Ich würde so gerne
ganz in die Ferne,
Starrem mich entziehen -
innerlich, meine ich -
mich zurück ziehen.

Schweige ich, weine ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HERRENMENSCHENTUM

Wenn ich könnte, würde
ich nicht in meinen Blog hinein dichten,
sondern auf Eure Seelen, die Hürde
direkt an dem Herde vernichten,
die auf dem Geist wie eine schwere Bürde
lastet, Schichten auf Schichten auf Schichten.

Erblindend. Frage Dich tausendmal warum,
warum ist die Menschheit so blind, so dumm?
Machen die Waffen die innere Stimme stumm?
Jede Kultur sieht sich selbst als Zentrum.
Summa Summarum:
Nichts macht so blind wie das Herrenmenschentum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IM KERNE

Gleich und gleich gesellet sich gerne,
Kommet mir vor,
Gehet tiefer als fleischlich nahe und ferne.
Steige höher empor
und blicke hinein: Es lieget in dem Kerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSERE WÄLDER

Am Schönsten ist nicht immer am Tiefsten.
Vorsicht: Wen nennst Du da Deinen liebsten?
Ein schönes Gefängnis ist ein Gefängnis;
Freiheit ist die schönere Schönheit,
Alleinsein ist besser als Einsamkeit,
Ein goldener Käfig ist ein Käfig.

Wenn der Wald in mir anfängt zu reden,
Versteht der Wald in Dir? Oder ist Dein Eden
Hort eines anderen Baums der Erkenntnis?
Eine andere Eva, eine andere Schlange,
Ein anderer Adam. Eine andere Wange
Spürt Deine Tränen, mit mehr Verständnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE MENGE MACHT‘S

Die Bäume sind der Wald,
Nicht jeder für sich allein,
Sondern alle im Zusammenhalt,
Groß und klein.

Die Menschen sind die Menschheit,
Nicht jeder für sich allein -
Sondern wir alle als Gesamtheit.
Einer allein ist noch kein Verein.

Die Gefühle sind die Gesellschaft -
Die um Hilfe flehende Misskommunikation,
Die Sehnsucht nach Freundschaft,
Das Gesetz der Reciprocation.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HILFE

Jemand kommt täglich vorbei
Du siehst ihn vielleicht nicht
Aber er ist da, seine freiwillige Pflicht,
Dein Verschwiegenes hört er als Schrei.

Sein Flüstern hörst Du häufig
Als inneren Schrei in Deiner Empfindung
Und in Deinem Gewissen Beunruhigung
Damit Du wach bleibst täglich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung