MICH

Mich -
Das, was es am wenigsten gibt.
Mich -
Das, was es am meisten gibt.
Mich.

Jeder sieht Mich. Jeder übersieht Mich.
Keiner kennt Mich. Keiner verkennt Mich.
Alles, was ich über Mich denke, ist falsch.
Alles, was alle über Mich denken, ist falsch.
Nur die Schöpfung kennt mich.

Und die Schöpfung
will Mich,
kann Mich,
wird Mich
zurechtbiegen oder zerbrechen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEISTIGE GESCHWISTER

Geschwister haben ist schön
aber wichtiger ist die geistige Gleichart.
Die inneren Tiefen und Höhen
sind ähnlich, ähnlich hart, ähnlich zart.

Egal wie nationalistisch,
egal wie rassistisch die ganze Welt wird,
egal wie egoistisch zynisch
oder ideologisch starr, bleibe Du unbeirrt:

Suche Deine Gleichart im Geistigen,
denn im Geistigen liegt die wahre Herkunft.
Hör auf, Mitmenschen zu beleidigen -
Werde und bleibe der Mensch der Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERTRAUEN ZU GOTT

Vertrauen zu Gott -
Dem Verstandesmenschen unverständlich -
Dem Empfindungsmenschen selbstverständlich:
Ihm egal Euer Spott

Warum etwas erklären versuchen
denen, die es verlachen oder verfluchen,
die nie darnach feinempfindend suchen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZENGEL

Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich,
mitten unter Feinden gehst,
naiv und ungeschützt da stehst…
denn für Dich ist es selbstverständlich:
Hier sind sie alle Mensch und menschlich…

Welche Engel beschützten uns ungesehen?
Wir merken das Wunder nicht;
trotz Dunkel scheinet das Licht.
Der Verstand kann es nicht verstehen,
Du überlebst und Dir ist nichts geschehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLUGUNTAUGLICH

Der Vogel ist in der Käfig
Er bewegt sich nicht mehr
Sein Blick ist stet und leer
Jeder Augenblick ist ewig

Die Käfigtür geht auf
Der Vogel bleibt stehen
Stunden, Tage, vergehen
Und Monate, Jahre, drauf

Die Tür bleibt weit offen
Der Vogel bleibt gefangen
Sein Verlangen ist vergangen
Er kann nicht mehr hoffen

Menschen, die sich nicht trauen
ihre Vergangenheit zurückzulassen
Gruppen, verwurzelt im Hassen,
die sich ihren Weg verbauen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ÜBERLEBEN DES MENSCHTUMS

Ich muss jemand sein,
sonst würden sie mich nicht hassen -
Ich muss mehr sein als ich mein,
denn sie können von der Angst nicht lassen.

Was bin ich? Was sehen sie?
Was spüren sie? Was wissen sie über mich?
Ist es Wirklichkeit oder Fantasie?
Egal was es ist, für mich ist es gefährlich.

Für mich ist es ansporngebend,
für mich ist es erhellend und kraftspendend,
für mich ist es anfeuernd, hebend,
ür sie ist es am Ende energieverschwendend.

Hast Du ein gutes Herz, so nimm Dich ernst,
nimm Deinen Weg ernst und Dein Ziel,
nimm Deine Art und Deine Empfindung ernst,
das Überleben des Menschtums ist Dein Ziel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GUTE NACHT, MENSCHENGEIST

Nicht Ausländer ersetzen uns,
sondern KI macht das durch unser Tun -
Der Mensch schafft sich selbst ab.

Nicht Migranten verletzen uns,
sondern KI macht das mit unserem Zutun -
Sie wird unserem Geist zum Grab.

Wird eine Generation einst kommen,
die keine Musik komponieren kann?
Keine Briefe selbst antworten kann?
Keine eigenen Gedanken erzeugen kann?
Keine Probleme selbst lösen kann?
Eine, die sich wundern wird,
wie wir einst das alles gemacht haben?

Alles, was Du hast, alles, was ich hab -
Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben -
geben wir profit- und ruhesuchend ab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHEMPFINDEN AM SONNTAG

Wer zu viel von sich selbst hält,
hat zu Gott stets das falsche Verhältnis;
Wer sind alle klein -
sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern.
Im langen Zeitalter der Herrschsucht,
sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen;
sucht, den Drang, sich zu beherrschen,
zu unterdrücken,
macht gierig auf Sieg und Krieg,
Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit.
Nur Frieden ist Sieg -
Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit.
Dazu ist die gestohlene Macht machtlos.
Denn wer Macht braucht,
missbraucht Macht auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREMDE STADT

Ich laufe durch die Stadt.
Ich spaziere durch die Gefühle der Passanten
Und sehe diese an ihrer Statt.
Ihre Gefühle sind Weltwanderer, sind Migranten.
Die Menschen hier sind mir zwar fremd und neu,
doch ihre Gefühle gleichen mir Bekannten, detailgetreu.

In den einen Augen unzählige Fragen;
In den anderen: Ich habe hier das Sagen;
In anderen: Du bereitest mir Unbehagen,
Du hier? - Wie konntest Du das wagen?

In den einen Augen tastende Unsicherheit;
In den anderen Sehnsucht nach Wahrheit;
In anderen Erkenntnis der Mitmenschlichkeit;

In den einen Augen klarer Verbindungsverzicht:
Ablehnung oder Gleichgültigkeit? Weiß ich nicht.

Doch manche sind einfach nur scheu.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KULTURKAMPF

Die Fronten sind verhärtet
Lächelnde Augen eisiger Freundlichkeit
schütteln sich die Hände mit Feindseligkeit
Alles wird einseitig bewertet
Der gleiche Geist tobt blind auf allen Seiten
bringt sich selbst überall täglich zum Leiden
Die Welt wird allseitig gefährdet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung