GEFLIMMER

Gelbe Gedanken
richtig hell - die müssen Sonnen sein -
in der kalten Nacht, versanken
ins Gedächtnis und ich war wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IMMER DER ZEIT VORAUS

Fang früh an
denn das Ende kommt immer früher
als erwartet. Wann
und wo kann Dir egal sein, denn eher
es kommt, bist Du schon fertig,
wenn Du früh anfängst und dran
bleibst, stets gegenwärtig.
Erfüllung ist allgegenwärtig nur dann.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DES GEDÄCHTNISSES EIGENTUM

Viele bleiben, wer sie waren 
Gespenster der geglaubten Vergangenheit
Erinnerungen wie Textilwaren
Maßgeschnitten zum erstarrten Kleid
Sie ziehen sich nie um
Sie ziehen nie aus
Sie ziehen nie um
Sie sind in der Vergangenheit zu Haus
Des Gedächtnisses Eigentum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ECHTE EMPFINDUNG

Die haben etwas erfunden
Es kann für uns künstlich denken
aber nicht für uns empfinden -
Empfindung lässt sich nicht künstlich lenken.

Ich mag nichts, was für mich denkt -
Informationen verschaffen darf er jedoch.
Aber die Fähigkeit, völlig Neues zu schöpfen,
kann allein der Menschengeist immer noch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GUTE NACHT, TAG

Gute Nacht
Du hast meinen schlechten Tag
doch zum Schluß gut gemacht -
Gute Nacht, lieber Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NATURGEBUNDEN

Nur ein Wort heute
Freiheit
Nur ein Wort heute
Gebunden-sein
an die Gesetzmäßigkeit
der Natur
Denn das allein
ist Freiheit pur.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHWER GENUG FÜR MEIN GEWISSEN

Und wenn ich singe
höre ich Schmetterlinge
aber ich sehe sie nicht
Ich fühle ein helles Gewicht
schwer genug für mein Gewissen
hin und her ungerissen
Die Nacht ist sacht
Das Lächeln lacht
Mein zweites Ich erwacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBST, STUR, STARR

Für Dich ist Deins immer noch das Beste
Für mich ist meins immer noch das Höchste
Jedem ist seins stets das Richtige
Und wenn meins nicht Deins ist
und Deins nicht meins ist
dann, anstatt daß einer sich ändert,
trennen sie sich und machen weiter, unverändert.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WASSERFLASCHE

Ich vergesse Dich nicht
Die Jahre machen Dich jünger, nicht älter
Deine ewige Jugend hält mich jung
während die Welt rauer wird und kälter

Ich trage Dich mit mir herum
wie eine Wasserflasche in der Wüste
Und wenn das letzte Tröpfchen getrunken ist
erreiche ich auch die Küste.

Lang ist die Reise und kurz
Selbst ohne Sturz oder Absturz
Rudere, rudere, rudere mein Boot
Die Hoffnung ist mein Brot.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WEITER REISEN

Wofür war die ganze Zeit?
Umsonst?
Ich gab Euch meine ganze Zeit
Meine beste Zeit
Umsonst.

Wieviel Zeit habe ich noch übrig?
Die Haare werden silbrig
Die Stimme einsilbig

Da! Dort! In der Ferne!
Meine Träume! Meine Sterne!
Euch erreiche ich immer noch gerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung