STATUSMELDUNGEN

Wir besuchen einander täglich
mit unseren Augen,
streifen Welten, Anderer Innenwelten,
wo ihre eigenen Gesetze gelten,
streicheln Eitelkeiten,
berühren mit fremdem Blick fremdes Geschick,
sind einander für 24 Stunden ein bißchen näher
und danach ferner als je zuvor.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FEINDE

Freunde verleumden Freunde
Feinde tun es nicht
Feinde zeigen ihr wahres Gesicht,
ehrlicher als die meisten Freunde.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS FALSCHE LACHEN

Wie eine freundliche Flagge
Flatterte ich Dir entgegen,
Ein brüderlicher Gruß voller Vertrauen

Doch Du lachtest…
Es war kein unfreundliches Lachen, aber
Irgendwo im Neben- oder Unter- oder Nachklang
Dieses Lachens war kein Lachen
Sondern Gelächter, über mich.

Dir war meine Flagge wohl zu leicht
Zu unwesentlich
Du merktest nicht, daß Du der Wind warst
Der mich in der Sonne richtete und
Fröhlich flattern ließ…

Sondern Du lachtest, die Brise starb
Meine Flagge löste sich von meinen Lippen
Und machte die lange einsame Reise zum Boden.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STARK AUSSEHENDE MENSCHEN

Halte mich
Ich falle
Wenn ich falle, falle ich schnell

Warte nicht bis ich stolpere
Um nach mir zu greifen
Da ist es schon zu spät

Halte mich dann, wenn ich stark bin
Oder so aussehe
Als wäre ich stark…

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ANGEBLICH FREUNDE

Die Lampe, ihr Leuchten
von Palmwedeln geschirmt
blickt verblümt durch den dunklen Raum.

Allein ihr Schimmer, zögernd, bahnt
meinen Augen einen Pfad zu Dir,
täuscht uns den Anschein eines Blickkontaktes vor,

einen, den nicht mal die forschen Sonnenstrahlen
je hier vor finden würden,
denn wir blickten von jeher stets

aneinander vorbei. Egal
wie viele Lampen ich im Raum anschalte,
wir sehen uns trotzdem in diesem Dunkel nicht.

– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IM GUTEN ABSCHIED NEHMEN

Hast Du heute morgen
Deinen Geliebten in die Augen geschaut?
Hast Du es zur Verzeihung
Und zum Liebe-tauschen Dir getraut?
Hast Du die Mauern, die gestriger
Streit errichtet hat, heute abgebaut?

Heute morgen könnte
Die letzte Gelegenheit gewesen sein.
Schneller und plötzlicher als
Du denkst, steht einer von Euch ganz allein.

– Che Chidi Chukwumerije (27.01.2020)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

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FREUNDSCHAFT MINUS

Eine Freundschaft beendet
Bewusstsein verändert
Ein Lächeln ist kein Lächeln mehr
Sondern nur noch ein Gruß
Ein geladener Blick ist völlig leer
Zum Schluß.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ZUSAMMEN SCHWEIGEN

Mit Schweigen
Werden redlich tausend mehr Empfindungen
Die zum Verschwinden sowieso heutzutage neigen
Sich einigend auf unterschwelligen Schwingungen
Sich zum Erkennen zeigen.

Während unseres Schweigens
Habe ich gehört,
Daß Du warst gestört
Und daß Du warst empört
Und hast aufgehört

Zu beachten die Botschaft unseres Schweigens –
Doch Dein aller-schönstes Lachen
Und Dein aller-größtes Machen
Ersetzen niemals das, was sie brachen:
Das Selbstverständliche unseres schönen Schweigens.

– Che Chidi Chukwumerije.

WARM

Warm und vertraut war es einst zwischen ihnen gewesen
Und vor allem menschlich, bodenständig, genugsam
Dann trennten sich ihre Wege und, wie es so häufig ist,
Ihre Wesen und Charakter auch, ohne daß sie es merkten
Denn sie blieben in Kontakt. Als sie sich nach Jahren wieder trafen
Hörte die eine entfremdet und verwirrt zu, wie die andere
Von Materialismus gefüllt, erfüllt und getrieben
Nur noch von Haben und Besitz und Vergleichen sprach
Und erst als sie fragte, wo denn ihre alte Freundin geblieben sei
Lösten sich Schmerztränen, doch sie wurden sich nie wieder warm.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

BEGEGNUNGEN

Tröpfchenweise
Unauffällig, leise
Wie Saat auf weiche Erde
Ohne Erwartung, ohne Beschwerde
Erwachsen, nachdenklich
Zurückhaltend, menschlich
Wie Antworten auf Fragen nach anders sein
Fallen neue Menschen in mein Leben ein.

– Che Chidi Chukwumerije.