FLÜCHTIGE EMPFINDUNGEN

Früh am morgen
Während sich nächtliche Besucher
Wie Fangnetz vom Traum
Auf dem Heimweg machen
Der Baum reckt sich, schüttelt
Den Kopf, atmet ein und aus den Wind
Wer bist Du, Bewegung tausend Gedanken
Rollend schweigsam ins Licht
Das mir aufdämmern möchte?

Es ist ein Fehler, den ich
Oft wiederhole. Ich drehte mich
Um, um nach zu sehen
Und verlor den Faden.
Kluge Köpfe werden mir nun
Den ganzen Tag über Ersatzgedanken
Großzügig und ungebeten liefern
Aber weise Menschen werden mit mir schweigen
Und den Schatz in unserem Geist aufbewahren.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHLUSSSTRICH

Zu lang bin ich nicht mehr geflogen
Zu lang habe ich nachgedacht
Zu lang habt Ihr mich gewürgt
Tausendgedanken klein…

Zu lang habt Ihr mich betrogen
Zu lang stahlt Ihr mir die Nacht
Und habt mich mit Unsicherheit eingemauert
Tausendgedanken klein…

Das ist wirklich Scheiße
Schmeiß es ins Klo
Und laß wegspülen…
Tausendgedanken klein.

– Che Chidi Chukwumerije.

WENN MITTEN AUF EINEM WEITEN FELD

Wenn mitten auf einem weiten Feld
Einsam ein Baum steht
Bleibt der Blick einen Augenblick lang
Auf ihn hängen in Ruhe
Denn kurz gleicht er unserer Seele
Darin verloren der Geist während
Im Kopfkino auf der Autobahn unbeherrschte Gedanken
Vorbei rasen – Aber bald verschwindet
Die Lichtung samt Feld und Baum
Schnell vergessen im Rückspiegel, das nächste Lied
Ertönt aus der CD; Bild folgt auf Bild;
Der Navi steuert dem ihm vorgegebenen Ziele stur zu.

– che chidi chukwumerije.

NACHT NUR

Der Abend umarmt mich
Mit tausend Gedanken
Für die ich mich bedanke ohne Vorbehalt

Die Gestalt war nur ein Vogelgedicht
Eine kurze Nachricht der jungen Nacht
Einsicht heißt das Gedicht –

Ich sage Gute Nacht, gute Nacht…
Du hast meinen Tag
Schön gemacht –

– che chidi chukwumerije.

ANTENNE

Nicht meine eigenen Gedanken
Sind meine, sie sind fremde…
Unendlich ist die Endlichkeit
Es gibt nichts unendlicheres –

Zum Glück bin ich noch froh, trotz
Dem vielen Schreiben; ich hafte mich nicht an
Ich laß los – – Sind doch nicht meine Gedanken
Die ich denke. Denn auch ich denke

Nichts mehr.

– che chidi chukwumerije.

MICHSELBST

Bach
Ach, nimm mich mit
Und nimm mich fort
Bis in die Tiefe
Unausgesprochener Gedanken.

Rette mich vor der Oberfläche
Bei so viel Luft kann ich kaum atmen.

Daß ich so lange dachte
Ich rede mit deinem Inneren –
Dabei spiegeltest du nur Michselbst wider
Und ich wußte es nicht –
Armer ich, armer ich.

– Che Chidi Chukwumerije.

VOYEUR

Manchmal sitze ich vor dem
Schönen großen Smart TV und
Beobachte nicht das Programm, sondern
Die eingebaute kleine Kamera drauf

Ein IT-Techniker in Lich, der
Hat seins zugeklebt. Die können
Alles sehen, hat er mich unterrichtet
Selbst wenn sie aus ist –

Ob das stimmt, wundere ich mich
Ziehe langsam die Unterhose aus
Ich sehe ihre tausend Gedanken
Und lenke sie von meinen ab.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNRUHIG

Ein gewöhnlicher Nachmittag
Unruhig lauf ich hin und her
Von meinen Gedanken getrieben

Manchen lauf ich davon
Anderen ewig hinter her
Meine Wohnung ist mir zu klein

Es steht mir alles im Weg
Es stehen mir alle im Weg
Ich stehe mir selbst im Weg

Ich verlasse Heim und Herd
Doch der Fluß beruhigt mich nicht
Noch Wiese, noch Himmel, noch Wald

Von allem kann ich mich trennen
Selbst vom Leben – nur von einem
Eben nicht – von mir selber.

Spieglein, Spieglein, Dichtung
Sei heut wied meine Lichtung
Gib mir innerlich eine Richtung

Kaum gesucht, gleich gefunden
Adieu Denken, ich hab’s empfunden
Und meine Unruhe überwunden

Jetzt kehr ich zurück zu Herd und Heim
Es freuen sich alle insgeheim
Es fügt sich ein wie ein Schlußreim.

Ferner, weit am Horizont
Schaut, wie sie neuen Anlauf nimmt
Die dunkle Wolkenmasse.

– Che Chidi Chukwumerije.

GEWITTER

Wolken in deinen Augen
Seen oben im Himmel deiner Gedanken
Zusammengezogen, wir, wie sich
Deine Augenbrauen, Spiegel deiner Gedanken
Wort- und Wolkenbruch
Heftig entlädt sich Kraft deiner Gedanken
Durchnässt sanft meine Blätter
Mit Tinte, Schmerz und Regenbogen.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.