UNBÄNDIG

Lasst Euch nicht fallen -
Wie die Frühlingsblumen, steht auf
Es wartet eine Welt da draussen
Gestern sucht Morgen. Wir sind der Staffellauf.
Laufen wir also. Steht auf, steht auf!
Schaut! Weit in der Ferne und noch weiter
Das sind keine Sterne, das sind wir
In der Zukunft, unbändige Freudenreiter
Die Freuden kommen, wenn wir reiten
Steht auf! Es warten auf uns neue Zeiten
Aufregend. Sie wollen uns dazu anregen
Sie mit Menschlichkeit zu prägen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER DRANG

Wenn ich morgens aufstehe
ist alles, was ich will, der Drang -
der Drang zum MACHEN. Wehe,
wenn der fehlt. Schwanengesang.

Nicht Geld, nicht Frau,
nicht Kinder, nicht Spaß, nicht Arbeit,
nicht mal Lebensziel ungenau -
Allein „Drang“ ist Lebendigkeit.

Drang, frag mich nicht wonach
Der Drang überlässt mir die Wahl -
Er erfüllt und belebt mich einfach,
göttliche Mahlzeit, Rätsel, Gral.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLE ZEIT DER WELT

Ich habe keine Zeit, die Welt zu sehen
Aber ich habe Zeit, Deine Welt zu sehen
Und Deine Welt ist groß genug
Um meine Tage und Nächte
Und Herz
zu füllen
So lange ich noch Zeit habe
So lange ich noch ich bin, der Dich liebe
So lange ich noch lebe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STERBEN VERWEIGERN

Fast hast Du mich umgebracht
Ich überlebte
Es hat Dir nicht geschmeckt, zu sehen
Wie eine Empfindung mich wieder belebte

Ein Gedanke:
Auch ich bin jemand
Auch ich bin jemand
Genau so, wie ich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT SCHMERZ LEBEN

Schmerz ist ein Muster,
das unsere Herzenswände schmückt;
das die grauen Nächte verschönert,
die unsere leeren Tage bestätigen wollen;
das das Leben versüßt,
welches droht, in seiner Öde
uns an unserem Sterbebett
mit einem bitteren Beigeschmack
enttäuscht zu verlassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GLAUBE AN DEN WEG

Ich lebe für die Zeit nach meinem Leben,
für gewöhnlich die Zeit nach meinem Tod genannt;
So habe ich das jetzige Leben irgendwann vorbereitet
und es aus meinem Gedächtnis wohl gebannt.

Denn irgendwas in mir kennt den Weg.

Du wirst tausend Gründe hören,
warum es Armut und Leid und Krieg geben muss –
und warum keiner irgendwas dagegen tun kann –
schenk ihnen keinen Glauben, hebe Deinen Fuß

und folge der Liebe stur auf ihrem Weg.

Es ist der Weg der Solidarität,
der Weg der Nächstenliebe, der Menschlichkeit;
Machen wir die Erde licht, werden unsere Zukunftskinder
der gleichen Art sein wie ihre Vergangenheit.

Das und kein anderer ist der Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SOLLEN WIR WARTEN BIS ZUR TRAUERFEIER?

Sollen wir warten bis zur Trauerfeier,
um erst dann zu werden (un)endlich freier?
Sollen wir‘s hinausschieben bis zur Beisetzung,
um anzuerkennen innere Verletzung?
Sollen wir zögern bis zum letzten Abschied,
um zu teilen unserer Herzen Lied?
Wir harren im Kriegen im Sehnen nach Frieden,
schaffen uns Schmerz und wollen Glück schmieden.
Versöhnungsversuche heute wieder nicht gestartet.
Wie lange wollen wir noch warten
auf ein Ende, daß auf uns nicht wartet,
in einer Form, die wir nicht erwarten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

JENSEITS IST DIESSEITS

Ich träumte, ich drehte mich um und sah Dich um mich trauernd, mich vermissend. So fiel es mir ein, oder auf, daß ich Dir wohl irdisch verstorben war und längst beerdigt. Ich mußte es zwischenzeitlich vergessen haben, den Tod und die Beisetzung, denke ich, denn alles, was ich weiß, ist, daß ich hinüber und weiter gegangen bin. Ich, unverändert, und immer noch am Leben. Und lebend sein fühlte sich, wie auf der Erde, so normal an.

Du warst dennoch so weit weg. Doch sah ich Deine Trauer wie eine Kerze im Nachbarhaus auf der anderen Straßenseite unter der Brücke. Und Du warst selbst die stete brennende Kerze. Oh, wie ich Dich trösten wollte… Aber Du hörtest und sahst mich nicht wie früher. Das war‘s, was weh tat.

So entschloss ich mich, Dir ein letztes Gedicht zu schreiben, denn Du warst immer die erste, die meine Gedichte lass, und hast sie immer tief empfunden. Sicherlich würdest Du diese auch empfangen und empfinden, wenn ich sie Dir aus dem Dir Jenseits mir Diesseits sende … oder leise vorlese…, dachte ich, hoffte ich. . Es war mir selbstverständlich aber wissen wusste ich es ehrlich gesagt nicht. Mehr konnte ich aber nicht mehr tun.

Also fing ich an, dieses Gedicht zu schreiben:

Auch wenn Du denkst, ich bin gestorben,
bin ich Dir viel näher, als Du denkst…
Gleichzeitig näher und weiter als Deine Gedanken,
ganz egal, wie wo Du sie hin lenkst…

Ich will aber, daß Du Dich umdrehst
und Dich Deinem Erdenleben voll widmest;
Dein Weg empor in unser Ziel liegt wie Stufen
in jedem Moment, in dem Du irdisch noch atmest.

Und dann wachte ich aus dem Schlaf auf und siehe da, es war ein Traum. Und das Leben fühlt sich, wie immer, normal an, egal in welcher Zeit und in welchem Raum.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LÄCHELN OHNE GRUND

Sinn gestern ist heute sinnlos.
Was ist Wirklichkeit?
Macht macht machtlos.
Wissen stimmt unwissend.
Wo findet das Leben statt?
In dem, was ein Mensch ist
Oder in dem, was er hat?
Du würdest fast denken,
die Mächtigen sind wirklich mächtig,
nur weil sie die Wehr- und Mittellosen
brandmarken als verdächtig.

Manchmal wohnt ein Lächeln in Dir.
Du weißt nicht weshalb, warum, woher.
Es hat keine Meinung zu Weltthemen.
Als käme es - und Du - von irgendwo anders her.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE IDEE DES LEBENS

Wenn unsere Ideen uns Mörder nennen würden,
weil wir sie nach Belieben formen und zerstören,
schaffen und lebendig begraben,
hätten sie Recht?

Oder sterben die Ideen gerne
im Dienst einer höheren Idee?:
Die Idee, daß Menschen Ideen wie Stufen nutzen -
so werden aus Ideen die Leiter,
die zur Verwirklichung der höchsten Idee führt:

Leben des Lebens wegen;
Lieben der Liebe wegen;
Streben des Strebens wegen;
Entwicklung der Entwicklung wegen;
Schönheit der Schönheit wegen.

- Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung