MORGENSTUND

Wo kommt die Kraft her?
Denn vor einer Sekunde
War sie nicht da…
Ich war in der Nacht eine Wunde

Ich war Erinnerung
Ich war Gerücht in aller Munde
Ich war meiner eigenen Einbildung
Machtloser Kunde

Ich war Nachdenken
Sucher, doch ohne Funde
Hamlet und Lady Macbeth
Ich litt mit Euch im Bunde

Wo kommt die Kraft her
Zu goldener Morgenstunde?
Im Kreise meiner Gedanken
Dreht täglich eine Sonne ihre Runde.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NACHTSCHWIMMEN

Freiheit
Ich schicke gerne
Ich würde gerne schicken
Eine Träne auf Reise
Getragen auf Lachflügeln meiner Lächeln
Idealerweise
Und dann schauen
Ob sie Dir Dein Lächeln entlockt
Oder ob eine Träne Deinen Atem stockt
Denn beide sind Gesichter meiner Glücksmünze –
Ich werfe sie in Deine Seele sachte
Idealerweise
Und wünsche uns allen leise
Alles Gute –

Freiheit…
Gerne würde ich mich öffnen
Ich habe es versucht
Doch meine Augen, die sind trocken
Nur die Nacht versteht es
Mir zu entlocken
Schmerz und Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NACHTREGEN

Das schöne weiche Geräusch des Nachtregens
Leises Fingertrommeln des Himmelssegens
Gottes Schimmel spielerisch
Galoppieren sanft träumerisch
Ich versuche, liegen zu bleiben – vergebens.

Meine Seele hebt ab zum Mitspielen
Mitempfinden, Mitlachen und Mitfühlen
Im Zauberlicht der Nachtwonne
Heller als die schönste Tagessonne
Und reitet weit mit zu den schönsten Zielen.

Doch, kehrt sie morgen aus den Träumen zurück
Verschwindet die Erinnerung unter dem Druck
Des wiederkehrenden sich Sorgens
Des gut genannten Morgens –
Zurück bleibt nur eine Empfindung von Glück.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NACHTRUHE

Ruhige Tage
Mein Sinnen vage
Frei von Sorgen
– das macht mir Sorgen

All meine Plagen
Das leise Unbehagen
Die vielen Fragen
… schweigen.

Die Wanduhr tickt leise
Wandschatten gehen auf Reise
Es weigern sich unerklärlicherweise
Meine Sorgen weiterhin sich zu zeigen…

Als ob heut Zuhause
Mit ner kleinen Verschnaufpause
Der sanfte Abend mich traf:
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

RÄTSEL

Ein einsamer Gedanke
Ein Vollmond
Beleuchtete heute Nacht
Meine Dunkelwelt

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte
Denn das Licht war die Empfindung einer Sonne
Die ich nicht sehen konnte…

Durch einen Spalt in dem Vorhang
Verfolgte ich dem Untergang des Körpers

Doch wo versteckt sich der Geist?

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TAG UND NACHT

Mein Herz hat
zwei Seiten – selbst ich
muß manchmal überlegen
wer jetzt will: Ich oder Ich

Denn was sie wollen
unterscheiden sich wie Tag und Nacht –
Ich mach’s wie die Natur:
Einer schläft ein, wenn der andere erwacht

Abwechslung
Umwandlung
Manche lesen zwei Seiten
Manche ein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GUTE NACHT

Müde, doch die Nacht
War schön gedacht
Die Musik gemacht
Für Nachtfalter
Jetzt leg ich den Schalter
Um, komme runter
Die Nacht wird bunter
Mit Schlaf gerundet.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NACHTBOTE

Die tote Stille deutet darauf hin
Daß es irgendwann ist
Zwischen Mitternacht und Morgenstund
Irgendwo in der Mitte –

In der Stille wenden sich zu mir
Seelenklare Gedanken
Ruhige Vermutungen
Mit der Bitte
Sie ernst zu nehmen
Nicht wieder zu vergessen
Wenn mein Kopf das Kissen erneut berührt und
Ich morgenfrüh diese Stunde vergesse
In der ein Traum mich weckte
Für ein paar Minuten in der Nacht.

Baby schlummert, Mutter ruht
Nachbarn träumen, draußen ist’s still
Jetzt lege ich mich auch schlafen
Und die ganze Welt wird still.

– Che Chidi Chukwumerije.

TIEFER SCHMERZ

Weil ich gelitten habe
Redet die Nacht, und sachte, mit mir
Und die Nacht wird sachter und sachter
Und sachter immer mehr…

Und dann kommt das Meer
Und sehnt schreiend sich nach Befreiung
Denn ich habe es gefesselt und gefangen
Tief in mir.

– Che Chidi Chukwumerije

FLÜCHTIGE EMPFINDUNGEN

Früh am morgen
Während sich nächtliche Besucher
Wie Fangnetz vom Traum
Auf dem Heimweg machen
Der Baum reckt sich, schüttelt
Den Kopf, atmet ein und aus den Wind
Wer bist Du, Bewegung tausend Gedanken
Rollend schweigsam ins Licht
Das mir aufdämmern möchte?

Es ist ein Fehler, den ich
Oft wiederhole. Ich drehte mich
Um, um nach zu sehen
Und verlor den Faden.
Kluge Köpfe werden mir nun
Den ganzen Tag über Ersatzgedanken
Großzügig und ungebeten liefern
Aber weise Menschen werden mit mir schweigen
Und den Schatz in unserem Geist aufbewahren.

– Che Chidi Chukwumerije.