NACHTRUHE

Ruhige Tage
Mein Sinnen vage
Frei von Sorgen
– das macht mir Sorgen

All meine Plagen
Das leise Unbehagen
Die vielen Fragen
… schweigen.

Die Wanduhr tickt leise
Wandschatten gehen auf Reise
Es weigern sich unerklärlicherweise
Meine Sorgen weiterhin sich zu zeigen…

Als ob heut Zuhause
Mit ner kleinen Verschnaufpause
Der sanfte Abend mich traf:
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung

RÄTSEL

Ein einsamer Gedanke
Ein Vollmond
Beleuchtete heute Nacht
Meine Dunkelwelt

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte
Denn das Licht war die Empfindung einer Sonne
Die ich nicht sehen konnte…

Durch einen Spalt in dem Vorhang
Verfolgte ich dem Untergang des Körpers

Doch wo versteckt sich der Geist?

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TAG UND NACHT

Mein Herz hat
zwei Seiten – selbst ich
muß manchmal überlegen
wer jetzt will: Ich oder Ich

Denn was sie wollen
unterscheiden sich wie Tag und Nacht –
Ich mach’s wie die Natur:
Einer schläft ein, wenn der andere erwacht

Abwechslung
Umwandlung
Manche lesen zwei Seiten
Manche ein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GUTE NACHT

Müde, doch die Nacht
War schön gedacht
Die Musik gemacht
Für Nachtfalter
Jetzt leg ich den Schalter
Um, komme runter
Die Nacht wird bunter
Mit Schlaf gerundet.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

NACHTBOTE

Die tote Stille deutet darauf hin
Daß es irgendwann ist
Zwischen Mitternacht und Morgenstund
Irgendwo in der Mitte –

In der Stille wenden sich zu mir
Seelenklare Gedanken
Ruhige Vermutungen
Mit der Bitte
Sie ernst zu nehmen
Nicht wieder zu vergessen
Wenn mein Kopf das Kissen erneut berührt und
Ich morgenfrüh diese Stunde vergesse
In der ein Traum mich weckte
Für ein paar Minuten in der Nacht.

Baby schlummert, Mutter ruht
Nachbarn träumen, draußen ist’s still
Jetzt lege ich mich auch schlafen
Und die ganze Welt wird still.

– Che Chidi Chukwumerije.

TIEFER SCHMERZ

Weil ich gelitten habe
Redet die Nacht, und sachte, mit mir
Und die Nacht wird sachter und sachter
Und sachter immer mehr…

Und dann kommt das Meer
Und sehnt schreiend sich nach Befreiung
Denn ich habe es gefesselt und gefangen
Tief in mir.

– Che Chidi Chukwumerije

FLÜCHTIGE EMPFINDUNGEN

Früh am morgen
Während sich nächtliche Besucher
Wie Fangnetz vom Traum
Auf dem Heimweg machen
Der Baum reckt sich, schüttelt
Den Kopf, atmet ein und aus den Wind
Wer bist Du, Bewegung tausend Gedanken
Rollend schweigsam ins Licht
Das mir aufdämmern möchte?

Es ist ein Fehler, den ich
Oft wiederhole. Ich drehte mich
Um, um nach zu sehen
Und verlor den Faden.
Kluge Köpfe werden mir nun
Den ganzen Tag über Ersatzgedanken
Großzügig und ungebeten liefern
Aber weise Menschen werden mit mir schweigen
Und den Schatz in unserem Geist aufbewahren.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEKO

Der Fluß
Der anspruchsvolle Baum
Erinnerung oder Ahnung
Gefangen im Büro, ein Aussteiger
Das Fenster. Autos wie Ameisen
Hinter einander vorbei kriechend
Wo ist der Schmetterling?
1000 Emails, Inhalt ohne Inhalt, die innere Stimme schweigt
Corporate-Tier, Meister des Dschungels
Des Sich Verstellens
Nimm hin Deinen Lohn
Im Club heute Nacht,1000 Watt Dunkel, im Bett
Wird gelacht und geweint und ein Stück tiefer
Und oberflächlicher geworden
Wo ist der Schmetterling?

Ich mag es
Wenn Du mich in Deine Arme nimmst
Und mir alles gibst – ich taue auf
Ein weiches Buch, Du liest in meiner Seele
Meine inhaltsreichen Empfindungen
Dort, tief in meiner Seele
Blüht ein Garten… Licht grün bunt
Lächelnd spielend ein Schmetterling
War das ein Traum?
Heute gestalte ich mein Büro um
Neben dem Monitor, ganz klein, für Euch nur Deko
Ein Schmetterling
Mir Verankerungspunkt äußerlich
Meines Innengartens. Besinne Dich
Deines Schmetterlings –

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHT

Es fing mit der Dichtung an
In der Nacht
Zu waren Augen nicht
Im Gegenteil
Doch geblendet vom ewigen Lichte
Der Liebe

Wir sahen keine Wiese
Keinen Hang, keinen dunklen Wald
Sahen keine Tiere, keinen schwarzen Vogel
Gegen den blauen Himmel
Wir sahen nichts in der Welt
Wir sahen nur uns.

Wir sahen keine Wiese
Keinen Hang, keinen dunklen Wald im Hintergrund
Sahen keine Tiere, keinen schwarzen Vogel
Im langsamen Kreis gegen den blauen Himmel
Doch war es, als sähen wir das alles
Und mehr
Als wir uns sahen…

Und, als wir uns sahen
Und alles andere ahnten
Alles Gute
Hatten wir für den Augenblick
Den Frieden.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHTMUSIK

Wach auf
Leise
Lass uns zusammen
Musik machen
Gemeinsam die Töne streicheln
Bis sie vor Glücke schreien
Lass uns mit nackten Zehen
Tanzen im zitterndem Silberstrahl
Des Mitternachtmondes
Bald kommt
Die aufsteigende Wärme der Sonne Wonne
Mit einem leisen Seufzen zergeht die Nacht
Und die Musik wird zum Tagtraum
Wellengleich beweg Dich
Auf und runter
Nach vorn nach hinten
Nach links und nach rechts rollen
Innig berühre die flüsternde Stimme
Das Leben ist ein Tanz für die
Die gemeinsam Musik machen.

– Che Chidi Chukwumerije.