SEELENVERWANDT

Die Seele eines Fremden
Klopfte an meine Tür einmal in der Nacht
Statt mich erschrocken oder träge abzuwenden
Bin ich erwacht, hab aufgemacht und mir dabei nichts gedacht
Meine Lebensblätter aber würde sie wenden
Denn viele neue Gedanken hat sie mitgebracht

Jetzt ist sie fort, aber fremd nicht mehr
Denn alles, was sie hinterließ, es lebt noch alles hier.

– Che Chidi Chukwumerije.

EINE NACHT OHNE ERKLÄRUNG

Eine Sonne, weißer wie gelb
Blauer wie rot; grün oder schwarz
Weich werden, Sonne, werde weich über die Elb
Weich über den Main und weich über den Inn
Weich wie zu meinem Beginn
Denn hier kommt der Mond, nacht-schwarz
Er sammelt wie ein Becher der Sonne Fluss
Scheidet ohne Erklärung, noch Gruß, noch Kuss.

– che chidi chukwumerije.

DES SCHMERZES WEICHERER TEIL

Es ist zwanzig Minuten nach Mitternacht,
Mein Schmerz erwacht
Lehrt mich weiter, wie eine Seele lacht,
Was er begonnen hat letzte Nacht.

Die Sonne wird in sechs Stunden aufsteigen
Den Unterricht unterbrechen,
Meine Tiefsten werden wieder schweigen,
Bis die Schmerzen wieder stechen.

Die Nacht wird fallen von Sternen runter,
Der Schmerz wird weitermachen,
Der Geist wird langsam lichter, bunter,
Der Geist wird schließlich lachen.

– che chidi chukwumerije.

NACHT NUR

Der Abend umarmt mich
Mit tausend Gedanken
Für die ich mich bedanke ohne Vorbehalt

Die Gestalt war nur ein Vogelgedicht
Eine kurze Nachricht der jungen Nacht
Einsicht heißt das Gedicht –

Ich sage Gute Nacht, gute Nacht…
Du hast meinen Tag
Schön gemacht –

– che chidi chukwumerije.

MEINE SONNE

Eine Nacht wie jene Tage
An deiner Seite
In deiner schönen Weite

Schade. Du hasst mich jetzt
Nur Haß kann die Liebe ersetzen
Nur Nacht kann dem Tage folgen

Ferne ferne bleibe ich deinem Hassen
Bis es sich ausgehasst hat…
Meine Sonne wird aufsteigen –

– Che Chidi Chukwumerije.

WORTBRUCH

Manches Schweigen
Sehnt sich danach
Gebrochen zu werden

So flehte lautlos die Nacht
Atemlos, pausenlos, wortlos…
Doch blieb fern der ersehnte Einbrecher.

Nein, fern blieb er nicht
Nur lautlos, pausenlos, atemlos
Brach er sein Wort.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGENSTAUNEN

Nachtmantel fallen lassen
Getaut, geschmolzen
In der steigenden Wärme
Einer zögerlichen schüchternen
Perlenbesprenkelten
Morgensonne.
Voller Staunen kommt und vergeht die Dämmerung
Noch bevor sie ihre Erinnerungen niederschreiben
Kann.

– Che Chidi Chukwumerije.

SPÜREN

Nein, nicht kristallgrün
Nachts ist mir schön
Nicht und nimmer feuerrot
Nein, denn Aussehen ist tot

Mich interessiert nicht
Was du hast in Aussicht
Einsicht allein ist mein Sehen
Das sollst du einsehen

Berühre mich nicht
Flüstere nicht. Das Licht
Ist sichtbar mit geschlossenen Augen
Und hörbar im Schweigen.

– Che Chidi Chukwumerije.

TRAUM

Denn das Schweigen war eine Strasse
Die führte mich durch den Wald
Durch die Nacht genannte Gasse
Auf jedem Schild stand geschrieben: „Bald.“

Dann kamst du herein ins Schlafzimmer
Wo ich lag und atmete kaum
Küsstest sachte mich wie immer
Und ich erwachte aus meinem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije.

SELBST IST DIE ZEIT

Ruhe. Der Tag vergeht
Die Zeit aber nicht
Dein Sehnen selber dreht
Für dich das Licht

Auch in schwarzer Nacht
Weht dein Wandern weiter
Die Mitternachtsonne lacht
Und wird dir Leiter

Bis ein neues Verlangen
Dich schwindlig macht
Neues anfangen
Denn Alt-Es ist vollbracht

Die Zeit dreht den Suchenden
Richtung neuem Heim
Doch wird alles sich enden
Trotzdem im alten Reim.

– Che Chidi Chukwumerije.