MEINE SONNE

Eine Nacht wie jene Tage
An deiner Seite
In deiner schönen Weite

Schade. Du hasst mich jetzt
Nur Haß kann die Liebe ersetzen
Nur Nacht kann dem Tage folgen

Ferne ferne bleibe ich deinem Hassen
Bis es sich ausgehasst hat…
Meine Sonne wird aufsteigen –

– Che Chidi Chukwumerije.

WORTBRUCH

Manches Schweigen
Sehnt sich danach
Gebrochen zu werden

So flehte lautlos die Nacht
Atemlos, pausenlos, wortlos…
Doch blieb fern der ersehnte Einbrecher.

Nein, fern blieb er nicht
Nur lautlos, pausenlos, atemlos
Brach er sein Wort.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGENSTAUNEN

Nachtmantel fallen lassen
Getaut, geschmolzen
In der steigenden Wärme
Einer zögerlichen schüchternen
Perlenbesprenkelten
Morgensonne.
Voller Staunen kommt und vergeht die Dämmerung
Noch bevor sie ihre Erinnerungen niederschreiben
Kann.

– Che Chidi Chukwumerije.

SPÜREN

Nein, nicht kristallgrün
Nachts ist mir schön
Nicht und nimmer feuerrot
Nein, denn Aussehen ist tot

Mich interessiert nicht
Was du hast in Aussicht
Einsicht allein ist mein Sehen
Das sollst du einsehen

Berühre mich nicht
Flüstere nicht. Das Licht
Ist sichtbar mit geschlossenen Augen
Und hörbar im Schweigen.

– Che Chidi Chukwumerije.

TRAUM

Denn das Schweigen war eine Strasse
Die führte mich durch den Wald
Durch die Nacht genannte Gasse
Auf jedem Schild stand geschrieben: „Bald.“

Dann kamst du herein ins Schlafzimmer
Wo ich lag und atmete kaum
Küsstest sachte mich wie immer
Und ich erwachte aus meinem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije.

SELBST IST DIE ZEIT

Ruhe. Der Tag vergeht
Die Zeit aber nicht
Dein Sehnen selber dreht
Für dich das Licht

Auch in schwarzer Nacht
Weht dein Wandern weiter
Die Mitternachtsonne lacht
Und wird dir Leiter

Bis ein neues Verlangen
Dich schwindlig macht
Neues anfangen
Denn Alt-Es ist vollbracht

Die Zeit dreht den Suchenden
Richtung neuem Heim
Doch wird alles sich enden
Trotzdem im alten Reim.

– Che Chidi Chukwumerije.

ENTWIRRUNG

Nach dem Gefecht eines dornigen Tages
Dicht an Streit, Politik, Geld und Gelten
Bleibt mir nur Feines – für manche, Vages –
Als Ausgleich aus Sepiainnenwelten

Ein paar Strähne des Dichtens
Ein Gemälde, Melodien, eine Geschichte
Parallelraum des feinfühligen Sichtens
Durch das Leichteste aller Gewichte

Töte mich, Poesie, und bring mich neu zur Welt
Seelenverliebt, verwirrt und neu geboren
Entkleide schnell, was mir tagsüber gefällt
Lass wirken, was Innen schlief, verloren.

Wozu denn dieser ganze glatte Fortschritt
Der aus uns lauter leere Hüllen macht?
Jedes Leid ist seines Glückes Schmied
Und den Tag versüßt die Nacht.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERLANGEN

Der neue Tag ist eingebrochen
Er kann nicht länger warten
Der Regen, den ich nachts gerochen
Erfüllt ihn mit Erwarten

Du merkst, wie er sich Mühe gibt
Die Führung zu übernehmen
Merkst auch, dass ihm dies nicht gelingt
Fängt an, sich leicht zu schämen

Ein rötlich Färben streift seine Wangen
Er zittert unbewusst
Eine Gänsehaut, ein dumpfes Verlangen
Ergreift seine Brust

Denn der Regen, der die Nacht
Enthäutete wie einen Lauch
Führt weiter mit seinem Liebesakt
Er will den Tag auch.

Che Chidi Chukwumerije.

PERLEN

Der dürftige Nachtregen
Kehrt abermals zurück
Ich lausche ihm lieber
Als schreiben in meinem Buch

Wäre ich ein Baum
Würde er meinen Blättern
Alte Zeilen bereinigen
Perlen hinterlassen

Ungestört, die Nacht und ich
Der Regen legt sich abermals
Das Schweigen erhebt sich abermals
Weicht und befruchtet mich.

– Che Chidi Chukwumerije.

BEISEITE

Lange nach dem ich meine Gitarre
Gespielt und wieder beiseite gelegt
Hatte, antwortete die Nacht, sanft, sachte
Und plötzlich. Geräusche. Die Nacht ist erregt
Dachte ich, als ich durchs Fenster dem Regen lauschte
Und dann roch ich sie, ihre milde Feuchte
Und roch sie noch lange nach dem der kurze Regen
Langsam, lautlos verschwunden war.

– Che Chidi Chukwumerije.