KINDERAUGEN

Ihre Augen sprechen eine Sprache
Die meine Empfindung begreift
Aber nur sie, diese innere Flamme –
Mein Verstand nicht.

Oft stehe ich frustriert, verwirrt
Abends an ihrem Hochbett und höre zu
Wie sie mir lebhaft-müde ihre Eindrücke
Des Tages in Kindersprache übermittelt

Wer im Kindergarten wen geärgert hat
Daß ihre Puppe bald Geburtstag hat
Ob ich heute schon beim Sport war
Warum die Jäger die Tigermamas erschießen

Aber während sie kreuz und quer redet
Sagen mir ihre Augen liebevoll, daß sie mir
Etwas ganz Anderes eigentlich sagen möchte
Für das sie noch keine Worte hat.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHTLAMPE

Jedes Lächeln wirft einen Schatten
In deiner Nacht fühle ich mich geborgen
Wärme mich mit deiner dunklen Seite
Dein Lächeln spar für deine Lügen

So viel Sonne hatte ich noch nie
So viele neue Freunde gefunden
So viel Schimmer so schillernd gefeiert
Und so viel Einsamkeit empfunden

Verbirg dein Lächeln unter deinem Ernst
Denn die heiße Sonne spendet kaltes Licht
Diesen Sommer schmolzen Masken viele
Diesen Sommer wurd ich nachdenklich.

– Che Chidi Chukwumerije.

BERÜHRUNG

Berühre mich heute
Nacht nicht – ich bin wund
Ich bin der Nacht Beute
Es klopft die Erinnerung

Salbe. Dein Schweigen
Ist Salbe, ist Liebe, ist lind
Ist wie ein sanfter Reigen
Ist wie ein Schmetterling

Wer tanzt da ohn Gesicht?
Wer drückt da meine Hand?
Es trifft mich, und zerbricht
Ein müder Bumerang

Dich wollte ich aber nicht
Verletzen – sondern schützend
Schwieg ich. Doch im Gedicht
Lieg ich dir hauteng

So trennte uns die Nacht –
Abnehmender Halbmond…
Morgen stimmen wir uns sacht
Wieder ein in unsren Song.

– Che Chidi Chukwumerije.

FUSSFASSEN

Da tauchten sie wieder
Vor mir auf
Fußabdrücke in der Nacht
Einer nach dem anderen…
Wie Lichtblicke führen sie mich
Durch mein Ungewissen

Jedes Verschwinden ist ein verlorener Freund
Eine enttäuschte Hoffnung
Ein gebrochenes Versprechen
Auch ich bin nicht unschuldig.
Jeder Lichtblick ist Empfindung
Ist Fußfassen, Erkenntnis, Gewissen.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.

KUSS UNTERM BERG

Ich hocke blau im dunklen Berg
Horche, höre verhalten deine Schritte

Die Täler teilen, öffnen sich generös
Das Gebüsch dunkel lacht amourös

Deine Hand lässt zittern mich aufatmen
Wieso der feste Griff? Wovor die Angst?

Die Berge rufen wie Vergangenheit
Was wollen die denn von mir?

Sie haben dich zum Leben erwacht
Zurück geführt zu mir.

– Che Chidi Chukwumerije.