GEDULDIG SUCHEN

Ich suche manchmal
geduldig
über Jahre und Jahrzehnte bewusst
und beständig
die Antwort auf eine winzige Frage
die ich in mir trage.

So winzig,
Du könntest denken:
witzig!,
was ist das denn!?
Das ist meine Sehnsucht nach Klarheit,
meine Bedürfnis nach Wahrheit.

Und ich kann warten
still, geduldig,
auch wenn ich äußerlich herumtreibe,
beschäftigt,
die Antwort erhaltend langsam
in Schritten klein und groß gleichsam.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WOLLEN WIR WOLLEN

Wollen wir haben
müssen wir wollen
Wollen wir wollen
müssen wir spüren
Wollen wir spüren
müssen wir suchen
Wollen wir suchen
müssen wir unzufrieden sein
unruhig sein, entschlossen sein
los zu lassen was wir bereits haben
und zu zu lassen neue Lust am Sein
und ein neues Bewusstsein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEFANGEN IM VERLANGEN

Mein Tag hatte mehr Menschen als Minuten
Aber ich konnte sie trotzdem alle lesen
Mehr Gedanken als Sekunden
Doch ich bin immer in der Gegenwart gewesen
Und ich habe sie alle gefangen.

Es wurde gelacht und nachgedacht
Und es gab nicht genug Stunden
Die Menschen waren wie Flugblätter,
Informativ, überall habe ich sie gefunden,
Gelesen, aber sie stillten nicht mein Verlangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEHR IN DIR

Komm zu mir
Ich öffne Dich Dir
Nicht mir
Du bist Dir das größere Geheimnis
Das wichtigere

Du musst es nur zulassen
Folgen, wenn ich Dich führe
Du wirst Dich neu begreifen und fassen
Wenn ich Dich innerlich berühre.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

HEIMAT ERDE

Wie kann ein Planet
So groß und so klein sein
Gleichzeitig?
Du kannst überall hinreisen
Bist nirgendwo zu Hause
Die Welt umkreisen
Machst nirgendwo eine Pause
Lang genug um anzukommen
Denn dafür reicht eine Leben nicht
Anscheinend.
Und wenn Du zu Deinem Anfang wieder kehrst
Reicht auch dort den Rest Deines Lebens nicht mehr
Um wieder anzukommen.
Mutter Erde, die alte Reisende,
Hat aus uns allen Heimatlose gemacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

REGE

Wer alles schon weiß
Der schreibt keine Gedichte
Er schreibt Vorträge

Nur Suchende schreiben Gedichte. 

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FRUST

Manche kommen ohne zu gehen
Manche gehen ohne zu kommen

Manche kommen ohne abzugehen
Manche gehen ohne Abkommen

Frust
Lust
Was Du musst
Unterscheidet sich von dem, was Du tust

Sehnen, dehnen
Nehmen, genommen
Fragen, verzagen
Weder gehen noch kommen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUES WOHIN

Durchstöbere alte Denkkammer
Regale leer
Auf Schatzsuche tiefer tauchen
Innere Einkehr
In Empfindungsfluss hineinfallen
Es ist als wär
Ich neugeboren. Neues Wohin
Aus altem Woher
Weshalb ich immer dann wenn ich
Mich nicht erklär
Richtig liege, ist meins. Aufgetaut
Ich schmerze sehr
Sinken und steigen gleichzeitig
Leicht wenn schwer
Das Fließen übernimmt die Kontrolle
Und will Meer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNGESCHRIEBEN

Ich trank Dich
wurde nicht voll
Leckte Dich
befriedigte mich nicht
Dich?
Mach weiter
Tiefer eindringen schmeckt mir nicht
Ich bin nicht satt
Ich wurde nicht fündig
Was ich suche, ist nicht was ich sage
daß ich suche.
Um mich zu verstehen musst Du
meine ungeschriebenen Gedichte
zweimal lesen
Nicht die geschriebenen, die gelogenen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEHEN IST KOMMEN

Wann kommst Du heim?

Wenn ich den Weg gefunden habe.

Du bist gegangen, um den Weg zu finden.

Ja, den Weg zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung