DEN ANDEREN IHRE FREUDE GÖNNEN


Für manche Menschen scheint das Leben ein Wettbewerb zu sein. Besser – oder schlimmer – noch, nicht wirklich das Leben an sich, sondern viel mehr scheint GLÜCK für sie ein Wettbewerb zu sein. Glücklich sein! Also das erfolgreiche Streben nach Glück und Freude. Denn merken sie, daß Du glücklich aussiehst oder wirkst, wollen sie sofort Dir und der Welt beweisen, daß sie glücklicher sind als Du. Dein Glück, Deine Freude, macht sie unglücklich. Glücklich-sein scheint tatsächlich unser tiefstes Bestreben zu sein. Denn alle empfinden intuitiv und wissen es nur zu gut: Der grösste Erfolg im Leben, zumindest das echteste neutrale Erfolgszeichen im Projekt „Leben“, ist die Glückseligkeit!

Der unheilbringende Wunsch, besser zu sein als der nächste, mündet sich also in seiner Essenz per Definition, auch wenn unbewusst, in den Drang, glücklicher zu sein als der oder die nächste. Und dieser Hang trägt in seiner Logik natürlich selbst die Sperre gegen sein eigenes Werden und Ausleben. Also, wenn glücklicher als ein anderer das einzige ist, was Dich als Mensch glücklich macht oder machen könnte, wirst Du verständlicherweise immer im Kern unglücklicher als diese andere Person oder Personen sein.

Darin zeigt sich der ausgezeichnete Humor der Freude, in dem daß sie sich diesen besonderen Schachzug ausgedacht hat, um das Massenglück der Menschen zu sichern, wenn wir selbst es denn wollen: Die Freude pflegt in uns einen inneren Mechanismus, der uns dazu bedingt, uns über den anderen, uns für die andere, uns mit den anderen, zu freuen bzw uns freuen zu können, um dadurch die Basis unserer eigenen Freude zu sichern. Wen die Freude eines Nächsten unglücklich macht, der hat darin das eigene Urteil selbst ausgelöst. Wirklich und dauerhaft glücklich kann so ein Mensch ja nie sein. Seine Missgunst steht seiner Glückseligkeit im Weg.

In einer Welt wo Gruppen anderen Gruppen, Staaten anderen Staaten, sogar Menschen anderen Menschen die Daseinsberechtigung aberkennen; in einer Zeit, in der wir über die sozialen Medien und kraft digitaler Verbundenheit unmittelbaren Einblick in das (pseudo)Privatleben anderer Personen erhaschen können; in unserer neuen Realität, wo sowohl echte als auch gestellte Bilder und Berichte uns täglich bedrücken und beeindrucken, ist es sicherlich ratsam, sich dieser Weisheit zu besinnen: Glücklich-sein ist kein Wettbewerb, sondern ein Gruppensport. Es lohnt sich und es erleichtert uns, wenn wir von Herzen Anderen ihre Freude gönnen.

Che Chidi Chukwumerije

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