IN DIESEN ZEITEN

Das Leben, das alles
Nach der Gleichart gerne trennt
Wirft auch gerne zusammen
Was sich angeblich noch nicht kennt

Das Leben, das die Menschen
Bodenständig und seßhaft schuf
Schuf sie auch unruhig, wanderlustig
Dem Erleben-Ruf

Das Leben, das uns zwingt
Immer wieder die Erde zu betreten
Zwingt uns nicht, selbst zu unserem
Heil neue Gedanken zu vertreten

Das Leben ist, was es ist
Was der Mensch daraus macht
Ist kein Gesetz des Lebens mehr
Wir haben’s selber ausgedacht

Das Leben bringt auch gerne
Wechselwirkend alles zurück:
Die über andere herrschen wollen
Streben vergebens nach dem Glück.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Mein Jahr der deutschen Dichtung.

GLEICHART

Es war sonderbar
Unter sich zu sein
Sich fremd zu fühlen
Zu wissen, ich bin allein

Die Nation bindet
Mich aber nicht
Schwarz oder weiß
Wirklich innerlich

Rassen, Sprachen, Kulturen
Geschlechter auch
Immer blieb, getrennt, zurück
Eine Empfindung im Bauch

Geistig Gleichgesinnten
Laß mich finden
Sonst lass mich immer
Den Unterschied empfinden.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

UNGEWISSHEIT

Der Gedanke,
Daß er Dich nie
Geliebt hat

Von vornherein.

Der Gedanke.

– Che Chidi Chukwumerije

SIE WAR

Mal leuchteten ihre Augen auf
Mal ging das Licht aus
Nicht einmal nachdenklich wirkte sie
Einfach nur resigniert –

Haut unrein
Doch einmal lächelte sie mich an
Mein Atem stockte. Sie war
Eine wunderschöne junge Frau
Kaum dem Mädchenalter entwachsen

Sie zog an der Kippe und starrte
Die Wand an. Meine Augen ruhten
Auf den Nadelstichen and Arm und Schenkel
Als wären sie Seiten eines Buchs –
Und als ich ging, schaute sie noch einmal hoch
Doch sie lächelte nicht wieder.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

TIEFE TÖNE

Klavier mit sieben Stufen
Menschenleben, Graustufen
Doch: Kommt der Regen, kommt der Regenbogen
Die Sonne allein bringt keinen Segen
Auf den tiefen Tönen sitzt die Melodie
Des Ertragens.

Die Einsamkeit ertragen, egal
Ob Du allein oder zu zweit bist
Wir haben alle die Verbindung verloren
Zum Einzigen, Der Ist.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

RÄTSEL

Ein einsamer Gedanke
Ein Vollmond
Beleuchtete heute Nacht
Meine Dunkelwelt

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte
Denn das Licht war die Empfindung einer Sonne
Die ich nicht sehen konnte…

Durch einen Spalt in dem Vorhang
Verfolgte ich dem Untergang des Körpers

Doch wo versteckt sich der Geist?

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

YOU’RE BEAUTIFUL

Horrible to him
Wonderful to me
Ugly to day
Beautiful to night

I see with eyes
That see surprise
I hear with ears
That hear falling tears

I see the woman
Being human
I love the human
Being in the woman

I know your value
I know the worth
Of your old-fashioned Virtue
Pretty or not,
You’re beautiful.

– Che Chidi Chukwumerije

EHRLICHKEIT

Ehrlichkeit schreibt Gedichte
Nicht Menschen –
Menschen wahren ihr Gesicht
Und schreiben Geschichte.

– Che Chidi Chukwumerije

BAUCHGEFÜHL

Ich nehme meine Vergangenheit
mit mir in die Zukunft immer
vorsichtshalber – denn immer
ergibt sich eine Möglichkeit
Nein, die Notwendigkeit
Altes gut zu machen, unerwartet
doch erwartet; das Leben
vergisst nichts, es wartet und wartet
um uns unseres zurück zu geben.

Wie bei einem Gedicht. Man hat
eine Ahnung, das es noch nicht
fertig sei, weiß aber nicht
was noch kommen wird…
Wer abschließen will, muß für alles
offen sein.

– Che Chidi Chukwumerije.

TAG UND NACHT

Mein Herz hat
zwei Seiten – selbst ich
muß manchmal überlegen
wer jetzt will: Ich oder Ich

Denn was sie wollen
unterscheiden sich wie Tag und Nacht –
Ich mach’s wie die Natur:
Einer schläft ein, wenn der andere erwacht

Abwechslung
Umwandlung
Manche lesen zwei Seiten
Manche ein Herz.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung