Das Geräusch der Wellen
Im Gespräch mit den Ufersteinen
Uralte Liebesgesellen
Flüsternd lachen und weinen
Erd-Wasser Intimrituellen
Meine in Deinen, Deine in meinen
Intellektuellen sozialen sexuellen Naturellen
Ich spüre Dich zwischen meinen Beinen…
Raunt Land zum Wasser
Und Wasser zum Land
Süßwasser und Salzwasser
Regelmäßig gedrückt gegen Felsenwand
Mit festem Herz und fester Hand.
Hand ausgestreckt
Nach einer Realität
Jenseits des Ausgedachten
Das Jenseits wurde nicht ausgedacht
Ursprung versteckt
Ursprung einer Loyalität
Zum treibenden Nicht-Ausgedachten
Leere Räume haben’s mir beigebracht
Ein leerer Raum
Voller Wunderkraft und Macht
Wirklich, kein Traum
Ich hab’s mir nicht ausgedacht –
Die Zeit ist mein Wunderraum:
Bis sie täglich in sich zusammenbricht
Muß ich finden neu den Wunderbaum
Und pflücken mir ein Gedicht.
Mein Jahr der deutschen Dichtung
Gibst mir Halt, Nahrung, Richtung
In mitten des Waldes menschlichen Wirrwarrs
Öffnest Dich einmal täglich, helle Waldlichtung.
Freiheit
Ich schicke gerne
Ich würde gerne schicken
Eine Träne auf Reise
Getragen auf Lachflügeln meiner Lächeln
Idealerweise
Und dann schauen
Ob sie Dir Dein Lächeln entlockt
Oder ob eine Träne Deinen Atem stockt
Denn beide sind Gesichter meiner Glücksmünze –
Ich werfe sie in Deine Seele sachte
Idealerweise
Und wünsche uns allen leise
Alles Gute –
Freiheit…
Gerne würde ich mich öffnen
Ich habe es versucht
Doch meine Augen, die sind trocken
Nur die Nacht versteht es
Mir zu entlocken
Schmerz und Sehnsucht.
Geblendet nicht erleuchtet
Wollten sie sein
Geschändet und befeuchtet
Rein, raus, rein
So muß das sein. Nein
Ich lag lange danach wach
Genau so schnell zack zack zack!
War meine Ruhe völlig weg
Noch nie schmeckte der Sex
Ohne Bezug so gut wie es
Die Versuchung versprach.
Der Siebte siebte
Mich unerbittlich
Auf den Grund
Bis alles Getrübte
Von mir wich und
Ich verliebte mich
Unersättlich ins Leben und
Es liebte mich zurück
Und besiegte mich
Mit einer Liebe, die verrückt
Macht fast
Und alles Ehrliche erfasst
Und umfasst, was
Mensch zum Mensch macht
Egal ob es ihm schmeckt
Oder er sich versteckt –
Schmerzlich Mensch werden
Ist das Los eines jeden
Der der ungetrübte
Siebte siebte.
Am Tag nach seinem Tode
Wachte auf im Jenseits die Seele
Blickte auf seinen alten Körper
Und den daneben trauernden Bruder
Am Tage nach seines Bruders Unfall
Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal
Blickte auf seines Bruders Leiche
Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele
Die neben ihm wachte
Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete
Und beide sannen
Über alles, was sie noch gemeinsam
Vorgehabt hatten…
Jetzt vorbei
Und beide empfanden im Geiste
Die Wucht ihrer starken Liebe
Zu einander…
Ungeschwächt
Und beide erinnerten sich
Schmerzlich
An den Moment, den Fehler, den Unfall
Der zu dem Tod geführt hat
Und wenn sie es nur könnten, egal
Wie, würden sie alles rückgängig
Machen – leider unmöglich
Nun blickten beide auf den leblosen Körper
Wie auf eine Schwelle, eine Grenze,
Ein geschlossenes Tor in eine verpasste
Und verlorene Möglichkeit…
Eine Chance vertan.
Dann fassten sie Mut
Ertrugen den Schmerz
Drehten sich um
Herz ewig verbunden mit Herz
Und mit Liebe als ewiger Leiter
Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen
Jeder mit seinem Leben weiter,
Weiser geworden.
– Che Chidi Chukwumerije
Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung