MENSCHEN IN MEINEM LEBEN

Es regnet im Wald
Bäume regnet’s ohne Blätter
Glänzende Stangen
Einzelne Menschen im Leben
Es regnet in der Sonne
Helle Aufregung

Mein Herz flattert
Wie Tausend junge Blätter
Bin ich, bin ich ein Schmetterling?
Flatterblätterschmetterling –

Es regnet in den Wald
Unzählige Sonnenscheiben hinein, ohne Ende
Glänzende Stangen
Einzelne Menschen im Leben
Es regnet in der Sonne
Helle Aufregung

Flatterblätterschmetterling –
Wo bin ich?

– Che Chidi Chukwumerije.

VOYEUR

Manchmal sitze ich vor dem
Schönen großen Smart TV und
Beobachte nicht das Programm, sondern
Die eingebaute kleine Kamera drauf

Ein IT-Techniker in Lich, der
Hat seins zugeklebt. Die können
Alles sehen, hat er mich unterrichtet
Selbst wenn sie aus ist –

Ob das stimmt, wundere ich mich
Ziehe langsam die Unterhose aus
Ich sehe ihre tausend Gedanken
Und lenke sie von meinen ab.

– Che Chidi Chukwumerije.

SPÜREN

Nein, nicht kristallgrün
Nachts ist mir schön
Nicht und nimmer feuerrot
Nein, denn Aussehen ist tot

Mich interessiert nicht
Was du hast in Aussicht
Einsicht allein ist mein Sehen
Das sollst du einsehen

Berühre mich nicht
Flüstere nicht. Das Licht
Ist sichtbar mit geschlossenen Augen
Und hörbar im Schweigen.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGANA

Einst war es, ob du dich
Noch dunkel daran erinnerst
Kühlte ich regelmäßig mich
Im Fluße deines Innerst

Meine brennenden Schreibfinger
Fanden da drinnen Linderung
Meine unruhige Flammenzunge
Schwieg vor lauter Bewunderung

Und mein Sturm, wie ein Wüstenfürst
Stillte drängend heiß seinen Durst

Danach entstieg dem Zauberhain
Und schwebte dünn in der Luft
Stärker und süßer als Dunkelwein
Ein tiefer, wunderbarer Duft

Wie oft blieb ich trunken stehen
Schaute mich in deinem Garten um
Versuchte, Magie zu verstehen
Und wurde, selbstverständlich, stumm.

War das alles wirklich passiert?
Oder nur geträumt? Oder…

– Che Chidi Chukwumerije.

ROLLENTAUSCH

imageWie riecht die Farbe lila?
Wie klingt softe Vanilla?
Wie sähe er aus
Zöge ein Gedanke von dir aus
Als wärest du sein Haus?

Auf die Kleinigkeiten, gib Acht
Jedes schmeckt anders, wenn es lacht
Anders als geplant oder gedacht
Wie Machenschaft, Machen und Macht.

– Che Chidi Chukwumerije.



ps – die letzte Zeile dieses Gedichts schwebte bereits seit einigen Tagen in meinem Kopf. Die Zündung kam dann von unerwarteter Seite. Die siebte Frage einer Tagging-runde von der Bloggerin Sinn.Wort.Spiel brachte auf einmal den Ball ins Rollen… 🙂
Ich stufe dieses Gedicht wegen ihrer direkten zündenden Frage “Wie riecht die Farbe lila?”, die zum Anfang des Gedichts wurde, zumindest als halb-duett ein 🙂

EINFACHHEIT

Der selbe Baum
– In jeder
Jahreszeit
Schön und schöner.

Das selbe Wort
Enthüllt
Jedes Mal
Ein neues Bild.

Macht die Einfachheit
Kraft der Einfachheit.

– Che Chidi Chukwumerije.

TRAUM

Denn das Schweigen war eine Strasse
Die führte mich durch den Wald
Durch die Nacht genannte Gasse
Auf jedem Schild stand geschrieben: „Bald.“

Dann kamst du herein ins Schlafzimmer
Wo ich lag und atmete kaum
Küsstest sachte mich wie immer
Und ich erwachte aus meinem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNENSTADTBLUES

So, ich war wieder in der Stadt
Einkaufen gegangen und wieder am Rande
Des Wahnsinns zurück
Nach Hause gekommen.

Niemand hat mich beleidigt oder geärgert
Niemand hat mich angelabert
Niemand hat mich verletzt oder angegriffen
Niemand hat mich wahrgenommen oder ignoriert
Doch war ich wund
Als ich wieder zu Hause war.

Die Musik holt mich langsam runter
Blues, Innen wird’s sanft bunter
Musik macht mich munter
Geschlossene Türe kurz genießen, aber
Die Innenstadt ist wie ein Liebhaber
Den wieder zu treffen ich mich freue
Den wieder zu verlassen ich mich freue
So was nennen Verrückte wahrscheinlich die Treue.

– Che Chidi Chukwumerije.

SELBST IST DIE ZEIT

Ruhe. Der Tag vergeht
Die Zeit aber nicht
Dein Sehnen selber dreht
Für dich das Licht

Auch in schwarzer Nacht
Weht dein Wandern weiter
Die Mitternachtsonne lacht
Und wird dir Leiter

Bis ein neues Verlangen
Dich schwindlig macht
Neues anfangen
Denn Alt-Es ist vollbracht

Die Zeit dreht den Suchenden
Richtung neuem Heim
Doch wird alles sich enden
Trotzdem im alten Reim.

– Che Chidi Chukwumerije.

AM MAIN

Ich verschwinde manchmal
In meine schwimmende Reflektion
Mein ungewisses Mahnmal
Aufs Neue lallend Denk mal
Am Wasser neige ich zur Konfession.

Ich bin dann fremder Gast
In meiner eigenen Seele
Andere Passanten ahnen fast
Den schweren Strom der Last
Der gewürgten Beichte in meiner Kehle.

Aufschauend durch die Flusswellen dieses Gewichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes.

– Che Chidi Chukwumerije.