SCHLUSSSTRICH

Zu lang bin ich nicht mehr geflogen
Zu lang habe ich nachgedacht
Zu lang habt Ihr mich gewürgt
Tausendgedanken klein…

Zu lang habt Ihr mich betrogen
Zu lang stahlt Ihr mir die Nacht
Und habt mich mit Unsicherheit eingemauert
Tausendgedanken klein…

Das ist wirklich Scheiße
Schmeiß es ins Klo
Und laß wegspülen…
Tausendgedanken klein.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNBEHAGEN

Behagen
Sah ich schlendernd
An allem vorbeigehen
Es roch nach Komfort
Und hinterließ
Uns Unbehagen

Denn seine Augen
Waren fett wie Matratzen
Global ausgeweitete Pupillen
In jedem lag eine Lüge
Verbreitet
Es geht uns gut
Schaut mich nur an

Ein Gedanke für dich
Ein Gedanke für mich…

– Che Chidi Chukwumerije.

HANDARBEIT

Tasten
Greifen
Halten
Falten
Entfalten…

Halten
Greifen
Tasten
Reifen
Entlasten…

Mit den Fingern sehen
Hören, schmecken, riechen, die Wege gehen
Suchen und finden
Sich an das Licht halten
Das Licht anschalten
Mit den Fingern, Seele, auch, empfinden.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNERLICH WEITER LEBEN

Erst kamen die Blumen
Lächelnde Glocken, spielende Kinder
Mädchen blühen auf
Jungen gehen die Augen auf
Das hier, ist das das Leben?

Dann kam eine stürmische Nacht
Wild tobte es hinter Fenstern
Träumend schwebte es in auftauenden Herzen
Ein gebrochenes Herz sinnt vor sich hin
Das hier, ist das das Lieben?

Dann thronte sich die Sonne, krönte sich der Verstand
Stählerne Augen
Stein entwachsen keine Blumen
Ruhiger Erwachsene, sicher, verschlossen
Das hier, das Leiden!

Enttäuschung – Verstand trifft Empfindung
Nachdenken – Langsam, wie der Abend
Fallen die Nachwirkungen der Schicksalsschläge
Irgendwann fällt mal Wahrheit auf
Das da, das war das Lernen…

Zuletzt nimmt zu der Mond, nicht ab…
Ferne Fragen funkeln wie rufende Geheimnisse, schwache Erinnerungen
Vorstufe einer Rückkehr, sehnende Wiederkehr zu Dir
Nimmt jetzt die Runde wieder ab?
Wie geht es weiter? Immer weiter.

– Che Chidi Chukwumerije.

DEKO

Der Fluß
Der anspruchsvolle Baum
Erinnerung oder Ahnung
Gefangen im Büro, ein Aussteiger
Das Fenster. Autos wie Ameisen
Hinter einander vorbei kriechend
Wo ist der Schmetterling?
1000 Emails, Inhalt ohne Inhalt, die innere Stimme schweigt
Corporate-Tier, Meister des Dschungels
Des Sich Verstellens
Nimm hin Deinen Lohn
Im Club heute Nacht,1000 Watt Dunkel, im Bett
Wird gelacht und geweint und ein Stück tiefer
Und oberflächlicher geworden
Wo ist der Schmetterling?

Ich mag es
Wenn Du mich in Deine Arme nimmst
Und mir alles gibst – ich taue auf
Ein weiches Buch, Du liest in meiner Seele
Meine inhaltsreichen Empfindungen
Dort, tief in meiner Seele
Blüht ein Garten… Licht grün bunt
Lächelnd spielend ein Schmetterling
War das ein Traum?
Heute gestalte ich mein Büro um
Neben dem Monitor, ganz klein, für Euch nur Deko
Ein Schmetterling
Mir Verankerungspunkt äußerlich
Meines Innengartens. Besinne Dich
Deines Schmetterlings –

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHT

Es fing mit der Dichtung an
In der Nacht
Zu waren Augen nicht
Im Gegenteil
Doch geblendet vom ewigen Lichte
Der Liebe

Wir sahen keine Wiese
Keinen Hang, keinen dunklen Wald
Sahen keine Tiere, keinen schwarzen Vogel
Gegen den blauen Himmel
Wir sahen nichts in der Welt
Wir sahen nur uns.

Wir sahen keine Wiese
Keinen Hang, keinen dunklen Wald im Hintergrund
Sahen keine Tiere, keinen schwarzen Vogel
Im langsamen Kreis gegen den blauen Himmel
Doch war es, als sähen wir das alles
Und mehr
Als wir uns sahen…

Und, als wir uns sahen
Und alles andere ahnten
Alles Gute
Hatten wir für den Augenblick
Den Frieden.

– Che Chidi Chukwumerije.

PANTOMIME

Je länger ich dem Winde lausche,
desto deutlicher höre ich die Innere Stimme.
Rätselhafte Austausche
Ego-Pantomime.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGEN

Wieder ein neuer Tag
Die Reifen rollen, ich sitze
Sitze fest und ruhig
Das Frühstück war anders heute
Die ersten Minuten sind gut überstanden
Ich bin mein neuer Tag
Geworden.
Tag im Tag.
Ich fahr durch meine Gedanken
Unterwegs zum Büro
Hauptstadt ist eine Urempfindung
Straßen befinden sich im Bau
Immer
Immer wieder
Wieder verstehe ich nur die Bäume
Sie sind, was sie sind
Wie viele sind wir im Bus?
Das einzig Verbindende ist nicht mal ein Gruß.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHTMUSIK

Wach auf
Leise
Lass uns zusammen
Musik machen
Gemeinsam die Töne streicheln
Bis sie vor Glücke schreien
Lass uns mit nackten Zehen
Tanzen im zitterndem Silberstrahl
Des Mitternachtmondes
Bald kommt
Die aufsteigende Wärme der Sonne Wonne
Mit einem leisen Seufzen zergeht die Nacht
Und die Musik wird zum Tagtraum
Wellengleich beweg Dich
Auf und runter
Nach vorn nach hinten
Nach links und nach rechts rollen
Innig berühre die flüsternde Stimme
Das Leben ist ein Tanz für die
Die gemeinsam Musik machen.

– Che Chidi Chukwumerije.

 

DES DICHTERS PFLICHT

Ein Gedicht
Pures Gewicht
Einsicht und Aussicht
Ein Gericht
Aber nicht.

Des Dichters Pflicht
Des Richters Licht
Schlichtes Gesicht
Ein Gericht
Aber nicht.

Etwas bricht
Jemand spricht
Eine kurze Nachtschicht
Lose und dicht
Pures Gewicht
Ein Gedicht.

– Che Chidi Chukwumerije.