Beinahe hätte ich Dich vergessen Obwohl Du in mir wohnst Doch Du überdauertest alle meine andern Interessen Weil Du in mir wohnst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Dichtung
SPRECHEN IST DAS ZIEL VERFEHLEN
Möchte so sehr schweigen denn sprechen ist das Ziel verfehlen. Nicht verstanden zu sein - nichts kann das Herz mehr quälen. Ein langes, lachendes, leeres Gespräch - so leicht ist es, mich zu bestehlen. Lange, lachende, leere Gespräche… bringen mich dazu, mich zu stählen. Meine Seele hungert und dürstet, was willst Du mir als Nahrung empfehlen? Würdest Du mit mir schweigen? Und was würdest Du mir dabei erzählen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE EMPFINDUNG SCHWEIGT NIE
Schweigen tötet Es ist das unerträgliche Gewicht. Brich Dein Schweigen bevor Dich Dein Schweigen bricht. Schweigen brechen tötet Wer hat das noch nicht erfahren? Wahre Dein Schweigen und es wird Dich auch bewahren. Und wenn Du unsicher bist, hör auf Deine Empfindung. Und wenn Du sicher bist, hör auch auf Deine Empfindung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IM NACHHINEIN
Kein junger Mensch glaubt,
daß das, was er heute leidenschaftlich
und stolz sich erlaubt,
er morgen beschämt und leidenschaftlich
zu verbergen bestrebt sein wird.
In der Jugend ruht die Wahrhaftigkeit
im Guten wie im Schlechten.
Danach meldet sich die Wirklichkeit,
fremd Deinem Inneren Echten.
Wer hat sich hier geirrt?
Der junge oder der alte?
Ich weiß nicht, was ich davon halte.
Gefangen zwischen Verständnis und Zwiespalte.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LÜGEN ERZÄHLEN MEHR
Deine Lügen erzählen mehr Wahrheit über Dich als Deine ganze Wahrheit ungeschminkt. Was riecht fauler? Das übermäßige Parfüm Oder der Odor, der dadrunter stinkt? Wag den Schmerz. Das Herz singt. Meid den Schmerz. Das Herz sinkt. Die Wunde offenlegen? Die Wunde verstecken? Die Entscheidung triffst Du aus Instinkt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
STÜRMISCH
Leidenschaftlich stürzt der Himmel sich auf die dunklen Berge - plötzlich ist es überall nass - und sie sind sehr laut. Diese Sehnsucht hat sich lang gestaut. Es blitzt wie ein helles Lachen Es donnert wie das Erwachen von etwas, das nur nachts in Bergen wohnt und nur die Hemmungslosen belohnt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MIT SCHMERZ LEBEN
Schmerz ist ein Muster, das unsere Herzenswände schmückt; das die grauen Nächte verschönert, die unsere leeren Tage bestätigen wollen; das das Leben versüßt, welches droht, in seiner Öde uns an unserem Sterbebett mit einem bitteren Beigeschmack enttäuscht zu verlassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT NACH EINEM ZUHAUSE
Wer kann uns geben was unser Land uns nie oder nicht mehr gab? Wer kann mir wegnehmen was ich auch Zuhause sowieso nicht hab? Im Ausland findet man nur Asyl, Duldung. Wer Sehnsucht nach Zuhause hat der muß über langen schwierigen Weg innerlich zurück - oder weiter - in die Heimat. Glücklich sind die Neugeborenen Traurig sind die Neugeborenen Zuhause im Asyl. Asylanten in der Heimat. Zuhause in der Fremde. Fremd in der Heimat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE LANGE REISE
Wichtiger als der Ort an dem Du lebst, ist der Ort, der in Dir lebt. Die meisten Migranten kommen niemals an - Wer hat das noch nicht erlebt?: Du besuchst einen Einwanderer Zuhause, findest dort eine Hülle dessen Geist noch auf dem Weg klebt. Und sie warten und warten auf die Familienzusammenführung mit sich selbst. Unvollendete Reime. Fahrzeuge, Boote, Flugzeuge sind alle viel zu schnell - Ans Ziel bringen Dich alleine Deine eigenen Beine. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE DISTANZ IN DER NÄHE
Ein guter Gedanke, wenn er sich auf den Weg macht in der Welt der Gedanken, kommt er weit? Oder wird er erdrosselt und totgeschlagen noch bevor er den nächsten Menschen erreicht? Die unsichtbare Welt ist ein Friedhof, wo vieles lautlos stirbt und begraben wird, bevor es Dir überhaupt einfällt. Stell Dir ein Zimmer voller Menschen vor alle dicht nebeneinander stehend doch weder Worte noch Gedanken schaffen es die Distanz in der Nähe zwischen uns zu überwinden und den Frieden trotz der kriegerischen Gedanken als den besseren Weg zu empfinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
