DEZEMBER

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Salzverstreuer
Salz und Feuer
Schneeverbrenner
Weihnachtsmänner
Herzen weicher
Liebe reicher
Jahresende
Lebenswende.

Alles kommt und alles geht
Älter werdend, Erde dreht
Dieser Tag kommt nie zurück
Doch unerfüllt, sein Traum von Glück.

Was wird kommen nächstes Jahr?
Der will wissen, bleibet wahr
Alles tagt und alles treibt
Nur das Wahrhaftige bleibt.

– Che Chidi Chukwumerije

IRGENDWANN IST ALLES GUT

Ich kannte mal lange eine Liebe
Sie nahm mir unabsichtlich alles – eines Abends
Saßen wir neben einander im Wohnzimmer
Im Schweigen. Irgendwann fragte sie mich leise:
„Schatz, was ist los?“ – Und ich dachte langsam
An alles, was ich für diese Liebe unfreiwillig aufgeopfert hatte
Und lang sagte ich nichts, bis der Schmerz sich ausgebrannt hatte
Dann schloß ich das Buch der Vergangenheit und sagte:
„Mach dir keine Sorgen; es ist alles gut.“
Und wir umarmten uns lange.

– Che Chidi Chukwumerije.

EINFACHHEIT

Der selbe Baum
– In jeder
Jahreszeit
Schön und schöner.

Das selbe Wort
Enthüllt
Jedes Mal
Ein neues Bild.

Macht die Einfachheit
Kraft der Einfachheit.

– Che Chidi Chukwumerije.

DUETT

Er bot ihr Rhythmus an
Aber sie war eine verlorene Melodie
Und sehnte sich nach Harmonie
Egal, ob Frau, ob Mann

Er brachte seine Hüfte näher
Sie konnte nicht widerstehen
Langsam fingen sie an, sich zu drehen
Tiefer atmend, immer höher

Und ihre verlorene Melodie
Vom Rhythmus angezogen
Taktvoll ausgezogen
Verstummte vor lauter Harmonie.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNEHALTEN

Musiker aus Innenwelten
Weltenwanderer und Geist
Singend stehst du an der Ecke
Und Seufzer verspeist

Etwas in dem Lied du singest
In Gitarre, Stimme, Blick
Zwinget uns zum Innehalten
Im Ahnen vom Glück

Wo du herkommst, wisset niemand
Wo du schläfst ist unbekannt
Wo du hin fließt, folgen alle
Wach, gebannt

Denn das kurze Menschenleben
Eingespannt im Schlaf der Zeit
Dürstet schwer nach Augenblicken
Gefang’ner Ewigkeit.

– Che Chidi Chukwumerije.

TRAUM

Denn das Schweigen war eine Strasse
Die führte mich durch den Wald
Durch die Nacht genannte Gasse
Auf jedem Schild stand geschrieben: „Bald.“

Dann kamst du herein ins Schlafzimmer
Wo ich lag und atmete kaum
Küsstest sachte mich wie immer
Und ich erwachte aus meinem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije.

GLÜHWEIN

Dein Atem
Wie Sonnenmondstrahlen
Wärmt meine Hoffnung
Eine Erinnerung glüht in meinem Hinterhirn
Wie heißer Winter
Getunkt in Wein

Und nun bin ich ein Fluß
Und Du bist meine Füße
Und wir eilten weg
Außer Atem.

– Che Chidi Chukwumerije.

HÄUTEN

Heut hat mir mein Vater gefehlt
Gefehlt, wie er schwieg, litt und mit litt
Gefehlt, wie er sich mehrmals liebevoll wiederholte
Gefehlt, wie er mir verzieh jeden Fehltritt

Gefehlt, seine Strenge, gefehlt, seine Liebe
Gefehlt, seine Witze bei seltner guten Laune
Gefehlt, sein unerschütterlicher Glaube an sich selbst
Vor dem ich heute immer noch und ewig staune.

Die Wunden sind tief; durch den Tod getrennt sind wir
Doch tönen um so lauter heute seine Worte tief in mir.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNENSTADTBLUES

So, ich war wieder in der Stadt
Einkaufen gegangen und wieder am Rande
Des Wahnsinns zurück
Nach Hause gekommen.

Niemand hat mich beleidigt oder geärgert
Niemand hat mich angelabert
Niemand hat mich verletzt oder angegriffen
Niemand hat mich wahrgenommen oder ignoriert
Doch war ich wund
Als ich wieder zu Hause war.

Die Musik holt mich langsam runter
Blues, Innen wird’s sanft bunter
Musik macht mich munter
Geschlossene Türe kurz genießen, aber
Die Innenstadt ist wie ein Liebhaber
Den wieder zu treffen ich mich freue
Den wieder zu verlassen ich mich freue
So was nennen Verrückte wahrscheinlich die Treue.

– Che Chidi Chukwumerije.

DICHTUNG UND WAHRHEIT

Wie viel Wahrheit vertrüge die Welt
Gäbe es die Dichtung nicht?
Entweder müsse die Welt der Wahrheit weichen
Oder die Wahrheit verliere ihr Gesicht.
Zum Glück gibt es eine, die geschickt
Wahrheit und Lüge so verbindet
Daß die Lüge ihr Gesicht bewahrt
Und die Wahrheit trotzdem nicht verschwindet.

Je mehr es zu sagen gibt, und
Je weniger Zeit zur Verfügung steht
Desto mehr greift der moderne Verstand
Auf Empfindung zurück, die alles verschlüsselt
Und alles entschlüsselt in einem Gedicht.

Sie ist weder Reim noch Vers
Noch Lyrik, noch Prosa, feige noch kontrovers
Sie ist einfach ein bisschen anders.

Sie war die Sprache aller Wahrheitsbringer
Denn sonst gäbe es nicht Worte genug
Sie ist die Sprache jedes Scheidenden
Der ein letztes Mal alles noch einmal sagen will
Zum Besipiel und flüstert nur: Leb wohl,…
Auf Wiedersehen.

– Che Chidi Chukwumerije.