DUETT

Er bot ihr Rhythmus an
Aber sie war eine verlorene Melodie
Und sehnte sich nach Harmonie
Egal, ob Frau, ob Mann

Er brachte seine Hüfte näher
Sie konnte nicht widerstehen
Langsam fingen sie an, sich zu drehen
Tiefer atmend, immer höher

Und ihre verlorene Melodie
Vom Rhythmus angezogen
Taktvoll ausgezogen
Verstummte vor lauter Harmonie.

– Che Chidi Chukwumerije.

UNFASSBAR

Der hauchdünne Schmerz abermals
Jedes Mal, so wie Grausilbernrauchschwaden
Ihr Gedanke vorbei streift

Ich habe den ganzen langen Sommer
Im Loch nach dem Keime umgegraben
Zu entfernen des Schmerzes Brennwurzel
Ungekrönt von Erfolg

Jetzt härtet Herbst den Boden
Bis zum Frühling wird’s noch härter werden
Unter Schnee und Eis und ungetaut
Wird überwintern abermals in mir
Ungelöscht, mein Sehnen nach ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERGEBUNG

Er träumte, er trank Feelichter
Aus einer Blumenschwelle
Übersprudelnd mit Lachschorle
Errötende Rosé–Dämmerhelle
Sehnflucht ergriff sein Herz
Es zuckte wie singende Schelle

Dann flog er fort wie Morgenröte
Erhellte jede grübelnde Stelle
Wo Traurigkeit ihn einst getröstet
Erweckte er eine leise Freudenwelle
Durch Vergabe geteilter Weintränen
Aus seiner neuen Sehnsucht Quelle.

– Che Chidi Chukwumerije.

SCHLAG MICH

Unzählige Flügelschläge
Umschwärmten meinen Kopf
Meine Haare sind nicht meine Haare
Meine Gedanken sind mein Schopf
Aus dem Herd heraus brodele
Ich, Eintopf.

Die Einsamkeit übersetzte
Die Sprache deiner Abwesenheit
Unzählige Flügelschläge
Doch kein Schwarm weit und breit –
Schlägt dein Herz für viele
Und sagen mir die Flügel Bescheid?

Mein Platz in deiner Innenwelt
Nimmt äußerlich Gestalt
Ich verzichtete auf die Hülle
Nahm gefangen mir den Inhalt
Deine Schläge überzeugen mich
Du bist in meiner Gewalt.

– Che Chidi Chukwumerije 

NICHT DIR

Nicht dir habe ich nachgetrauert
Nicht ihr auch
Deren Abwesenheit deine Umarmung
Lindern sollte…

Ich trauere nur kurz
Der Sonne nach
Die sich heute Nacht blicken ließ –

 – Che Chidi Chukwumerije.

SOMMERLEID

Jeden Tag
Sei er auch wie er mag
Öffnet sich mein rundes Fenster
Und die Welt
Egal, wie sie sich gerade entwickelt
Will dringend zu mir hinein
Während ich, ach ich
Wie üblich
Von Vergangenheit und Zukunft träume
Alles, was ich täglich versäume…

Die Rose blüht, duftet, welkt
Noch eine Liebe ist vorbei
Morgen wird ein Mädchen gemelkt
Seiner aller tiefsten Träumerei

Und sollte sich ein Regenbogen spannen
Und sollte sich irgendwo ein Junge anspannen
Und sollten sich nach und nach Küsse entspannen
Lachweint bittersüß mein Ich
Deins auch.

 – Che Chidi Chukwumerije.

BLAUES TRÖPFCHEN

Blaues Tröpfchen
Ich sehe deine Trauer
Süßbittere Tränen…

Sprich mit mir.

Ich höre wie von einer feinen Ferne
Den Widerhall einer einst gekannten
Stimme…

Deine?

 -Che Chidi Chukwumerije.

WUNDE

Ihr wurde gewiss
Ich würde sie irgendwann verlassen
Deshalb hielt sie bereits
Den Ersatz bereit, für den Fall
Denn alleine kann sie nicht sein –
Das ist ihre tiefste Wunde.

Daß ich sie für nur eine kurze Weile verlassen würde
Um mich und sie wieder zu finden
Wussten wir beide nicht
Aber als ich zurück kehrte, befreit und bereit
War sie bereits weg –
Denn sie kann nicht alleine sein.

Rückblicke besiegeln die Flucht
Die plötzliche Abreise war längst gebucht
Die Ängste der Sehnsucht.

– Che Chidi Chukwumerije.

EIN FLUSS, DER BLEIBT

Wieder am Main
Nach so vielen Wochen, nein Monaten
In denen ich alles verloren
Und mich gewonnen habe

Und Du, süßes Wasser
Nur Du bleibst mir treu
Unverändert, unverschollen, ohne Seitensprünge
Spiegel meiner unsichtbaren Tiefe

Dennoch hasse ich Dich heute
Weil Du nichts sagst
Du entfernst Dich und bist dennoch da
Ich war’s, der Dich verließ.

– Che Chidi Chukwumerije.

SEHNSUCHT

Antwort sucht Klage
Trennung sucht Anziehung
Korrigierung sucht Fehler

So wandere ich suchend durch mein Erdenleben
Und komme nicht auf die Ursache meines Leidens
Ich möchte etwas wieder gut machen
Weiß aber nicht was.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.