WUNDE

Ihr wurde gewiss
Ich würde sie irgendwann verlassen
Deshalb hielt sie bereits
Den Ersatz bereit, für den Fall
Denn alleine kann sie nicht sein –
Das ist ihre tiefste Wunde.

Daß ich sie für nur eine kurze Weile verlassen würde
Um mich und sie wieder zu finden
Wussten wir beide nicht
Aber als ich zurück kehrte, befreit und bereit
War sie bereits weg –
Denn sie kann nicht alleine sein.

Rückblicke besiegeln die Flucht
Die plötzliche Abreise war längst gebucht
Die Ängste der Sehnsucht.

– Che Chidi Chukwumerije.

4 thoughts on “WUNDE

  1. Das Empfinden, nicht der erwünschte Lebensmensch zu sein, berechtigt zu jeder Zeit, sich einem anderen Menschen zuzuwenden, der Freude am Zusammensein mehr reflektiert als derjenige, der sich innerlich entfernt hat. Der Unterschied zwischen Mutter und Partnerin ist nirgendwo so gross wie an genau dem Punkt: bei Misslingen der Beziehung die Wahl zu haben. Der Schmerz, den der verlassene Mann leidet, differenziert an dieser Stelle aber nicht.

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    1. Sehr schön ausgedrückt, obwohl es in dem Gedicht eigentlich um etwas Anderes geht – Beziehung, weil das der einzige richtige Mensch ist; oder Beziehung, weil man einfach nicht allein sein kann.
      Und die Auswirkungen, die aus dieser Diskrepanz im menschlichen Sein entstehen.

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      1. Aber wer beurteilt das? Ich denke, es ist schwierig, wenn man in dieser Konstellation eine der beiden Positionen selbst besetzt, sogar wenn man nur Freund einer der beiden wäre, beurteilt man es stets zugunsten einer Seite.

        Nicht allein sein zu wollen ist menschlich, solange man bereit ist, dem Unvollkommenen eine Chance zu geben, bevor Desillusionierung der Fähigkeit zur Toleranz die Elastizität genommen hat.

        An einen einzig richtigen Menschen im Sinne der grundsätzlichen Unvollständigkeit und Bestimmung glaube ich nicht. An den, der immer wieder gegen alle anderen der Beste ist, schon.

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        1. Manchmal muss man es nicht beurteilen, sondern auf die Aussagen der Betroffenen selbst sich verlassen. Einige geben ehrlich zu, nicht alleine sein zu können, egal was, und handeln auch entsprechend. Andere geben freilich zu, keine Ruhe zu haben, bis sie ganz sicher, und handeln auch entsprechend.
          Und innerhalb der Überschneidung dieser Spannungsfelder spielen sich viele Liebes- und Kummer- und Schmerzgeschichten aus.

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