MEINE SONNE

Eine Nacht wie jene Tage
An deiner Seite
In deiner schönen Weite

Schade. Du hasst mich jetzt
Nur Haß kann die Liebe ersetzen
Nur Nacht kann dem Tage folgen

Ferne ferne bleibe ich deinem Hassen
Bis es sich ausgehasst hat…
Meine Sonne wird aufsteigen –

– Che Chidi Chukwumerije.

DAS DAUERHAFTE GEDICHT

Es fängt manchmal mit dem Gefühl,
Besser noch der Empfinden
An,
Manchmal mit dem richtigen Wort –
Manchmal wächst es, langsam, wie die Harmattan-Jahreszeit
Uns anwächst
Oder die zögernden Regen –
Es fällt manchmal aber mit dem Blick erst auf,
Nicht unbedingt dem ersten Blick,
Oder aber ihm auch doch –
Ein Mensch, der wirklich Mensch ist,
Der lebt unter dem Gewicht der Gegenmeinungen
Der Gesellschaft,
Wie eine Blume in der Wüste setzt er sich aber durch –

Das ist das dauerhafte Gedicht.

Das unsichtbare Gesicht, das bleibt doch das einzige Sichtbare…
Es tut weh, lohnt sich aber,
Der verbrannte Finger hat das leckere Essen gekocht,
Die Erdnuss überlebt das Feuer,
das Kind überlebt sein nächtliches Ungeheuer –
Was Wert hat, ist teuer –
Das Wasser ist teuer, das Wasser und das ewige Feuer…
Am Ende schmilzt alles
in sich zusammen ein –
Rauh ist fein, groß ist klein
Farbig ist farblos

Der afrikanische Urwald
Ein europäisches Grünhaus
Ein asiatischer Garten
Jedes sieht wie das andere aus

Das Menschenauge vertieft sich
Vereinfacht hat sich die Welt
Wir schauen um. Laufen von Zelt zu Zelt,
verirren uns nie.

Die Verbindungen sind so
gründlich –
Aufwiedersehen, ein Wiedertreffen, stündlich –
Ein Lied, ununterbrochen, wie eine Schienenbahn
Das Herz trommelt, das Atem pfeift, das Blut rollt entlang
Du kannst reden, was Du willst, von Rassismus
Von Unterschieden, von Babel, von Kommunikationslücken
Es geht tiefer, Bruder.
Wie auch immer, ich verstehe dich immer.

– Che Chidi Chukwumerije.

MENSCHHEIT

Ich strauchelte denn
Der Weg war deine Sehnsucht
Und immer wenn der Drang
Die Gänge überflutete

Gab es Krieg und wir stritten uns
Über Geld, Politik und Religion, Haben und Sein
Über KulturRasseGeschlechtKlassen und Familie
Und hielten Vortrag über Empfindung

Und feierten Gott und Gottlosigkeiten
Bis dein Drang anders gestillt war
Als ehrlich Schwäche zuzulassen
Und zu lieben statt zu hassen.

– Che Chidi Chukwumerije.

GRÜNES MOOS

Grünes Moos
Was ist los?
Sag nicht bloß
Es wär ein Verstoß
Gegen Gesetz, Liebe, Natur
Daß Sonne und Luft
Lust, Farbe und Duft
Regung, Erregung und Aufregung pur
Mal austrocknen müssen
Nur weil dein sanftes Kissen
Bühne so vieler sanfter Küssen
Langausgezogener gefühlsvoller Tschüßen
Lieber Auf Wiedersehen und Vergehen müssen
Verhärtet ist heute

Gesetz, Liebe, Natur
Sind wie jene leute
Die wir lieben und verstehen nicht
Derentwegen unser Herz bricht
Und sich verspricht
Nie wieder zu genießen
Was wir wieder genießen müssen
Und bestimmt auf Erden
Wieder genießen werden
Im grünen Moos
Der Erde Schoß.

– Che Chidi Chukwumerije

WARM

Warm und vertraut war es einst zwischen ihnen gewesen
Und vor allem menschlich, bodenständig, genugsam
Dann trennten sich ihre Wege und, wie es so häufig ist,
Ihre Wesen und Charakter auch, ohne daß sie es merkten
Denn sie blieben in Kontakt. Als sie sich nach Jahren wieder trafen
Hörte die eine entfremdet und verwirrt zu, wie die andere
Von Materialismus gefüllt, erfüllt und getrieben
Nur noch von Haben und Besitz und Vergleichen sprach
Und erst als sie fragte, wo denn ihre alte Freundin geblieben sei
Lösten sich Schmerztränen, doch sie wurden sich nie wieder warm.

– Che Chidi Chukwumerije.

Dieses Gedicht habe ich als Teil eines Interviews geschrieben, das in Sabine’s Lifestyle-Kolumne veröffentlicht wurde. Das Interview kann man hier lesen.

WEIHNACHTSSTERN

Ich fand einen Stern
In meiner Seelennacht
Einen fernen Stern
Der über mich wacht –
Und immer, wenn mein Stern lacht
Lach ich mit auch gern
So führt er mich
Wie ein Seemannstern
Innerlich
Durch meine Seelennacht.

Kinderlein, lachet
Denn die Freude ist eure Macht
Menschen, erwachet
Es ist Weihe Nacht.

– Che Chidi Chukwumerije

WILLKOMMEN

image

Unerwartet früh
Machte er uns
Unbeschreiblich froh
Unser Sohn, unser Herz, unser Stamm
Als er gestern, schnell
Wie ein Stern, hell
Auf die Welt schreiend kam.

– Che Chidi Chukwumerije 13/12/13.

MENSCHLICHKEIT

image

Guter Rat ist teuer
Gütige Tat noch scheuer
Als ein scheues Reh
Die Welt, sie tut weh

Wessen Selbst ist selbstlos?
So klein und doch eben so groß
Geben ohne verlangen
Sagt man, ist empfangen

Spürt man irgendwie aber auch
Unerklärliches Wissen im Bauch
Haben ist ein Gewicht
Es sei, man habe Licht

Und dann so ein Tag
Wie heute, über dem es lag
Durch Hoffnung befreit
Der Drang nach Menschlichkeit.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNEHALTEN

Musiker aus Innenwelten
Weltenwanderer und Geist
Singend stehst du an der Ecke
Und Seufzer verspeist

Etwas in dem Lied du singest
In Gitarre, Stimme, Blick
Zwinget uns zum Innehalten
Im Ahnen vom Glück

Wo du herkommst, wisset niemand
Wo du schläfst ist unbekannt
Wo du hin fließt, folgen alle
Wach, gebannt

Denn das kurze Menschenleben
Eingespannt im Schlaf der Zeit
Dürstet schwer nach Augenblicken
Gefang’ner Ewigkeit.

– Che Chidi Chukwumerije.

HÄUTEN

Heut hat mir mein Vater gefehlt
Gefehlt, wie er schwieg, litt und mit litt
Gefehlt, wie er sich mehrmals liebevoll wiederholte
Gefehlt, wie er mir verzieh jeden Fehltritt

Gefehlt, seine Strenge, gefehlt, seine Liebe
Gefehlt, seine Witze bei seltner guten Laune
Gefehlt, sein unerschütterlicher Glaube an sich selbst
Vor dem ich heute immer noch und ewig staune.

Die Wunden sind tief; durch den Tod getrennt sind wir
Doch tönen um so lauter heute seine Worte tief in mir.

– Che Chidi Chukwumerije.