TRAUM

Denn das Schweigen war eine Strasse
Die führte mich durch den Wald
Durch die Nacht genannte Gasse
Auf jedem Schild stand geschrieben: „Bald.“

Dann kamst du herein ins Schlafzimmer
Wo ich lag und atmete kaum
Küsstest sachte mich wie immer
Und ich erwachte aus meinem Traum.

– Che Chidi Chukwumerije.

INNENSTADTBLUES

So, ich war wieder in der Stadt
Einkaufen gegangen und wieder am Rande
Des Wahnsinns zurück
Nach Hause gekommen.

Niemand hat mich beleidigt oder geärgert
Niemand hat mich angelabert
Niemand hat mich verletzt oder angegriffen
Niemand hat mich wahrgenommen oder ignoriert
Doch war ich wund
Als ich wieder zu Hause war.

Die Musik holt mich langsam runter
Blues, Innen wird’s sanft bunter
Musik macht mich munter
Geschlossene Türe kurz genießen, aber
Die Innenstadt ist wie ein Liebhaber
Den wieder zu treffen ich mich freue
Den wieder zu verlassen ich mich freue
So was nennen Verrückte wahrscheinlich die Treue.

– Che Chidi Chukwumerije.

SELBST IST DIE ZEIT

Ruhe. Der Tag vergeht
Die Zeit aber nicht
Dein Sehnen selber dreht
Für dich das Licht

Auch in schwarzer Nacht
Weht dein Wandern weiter
Die Mitternachtsonne lacht
Und wird dir Leiter

Bis ein neues Verlangen
Dich schwindlig macht
Neues anfangen
Denn Alt-Es ist vollbracht

Die Zeit dreht den Suchenden
Richtung neuem Heim
Doch wird alles sich enden
Trotzdem im alten Reim.

– Che Chidi Chukwumerije.

AM MAIN

Ich verschwinde manchmal
In meine schwimmende Reflektion
Mein ungewisses Mahnmal
Aufs Neue lallend Denk mal
Am Wasser neige ich zur Konfession.

Ich bin dann fremder Gast
In meiner eigenen Seele
Andere Passanten ahnen fast
Den schweren Strom der Last
Der gewürgten Beichte in meiner Kehle.

Aufschauend durch die Flusswellen dieses Gewichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes
Empfange ich die gebrochenen Strahlen des Lichtes.

– Che Chidi Chukwumerije.

FLUSSGEFLÜSTER

Egal, wo ich waten ging
War es immer dasselbe
Nil, Niger, Yangtze
Hudson, Thames, Elbe

Die Menschen treiben hin
Verschwommen und benommen
Lauschen reflektierend
Den eigenen Phantomen

Die gaukelnden Abbilder
Sie fesseln immer gleich
Im heim’schen und im fremden
Bodenlosen Teich

Dann rinnt jeder nach Hause
Aufgelöst zurück
Im Blutbahn kreisend Hoffnung
Auf Ruhe und auf Glück.

– Che Chidi Chukwumerije.

VERGEBUNG

Er träumte, er trank Feelichter
Aus einer Blumenschwelle
Übersprudelnd mit Lachschorle
Errötende Rosé–Dämmerhelle
Sehnflucht ergriff sein Herz
Es zuckte wie singende Schelle

Dann flog er fort wie Morgenröte
Erhellte jede grübelnde Stelle
Wo Traurigkeit ihn einst getröstet
Erweckte er eine leise Freudenwelle
Durch Vergabe geteilter Weintränen
Aus seiner neuen Sehnsucht Quelle.

– Che Chidi Chukwumerije.

MANGOS

Ich weine wie Mangos
Süße reife feste Tränenklumpen
Fett mit feuchtem Fleisch, mit hartem Kern

Mein klebriger Schrei beschmiert
Dich mit goldener Scham wenn ich
Über dich herfalle.

Mich genießen
Ohne dich zu beschmutzen
Geht nicht – empfangen befleckt.

Drum halte fern Sensibles, Wertvolles
Und bring zu mir nur befreites Dich
Und saubere nackte dürstende Hände.

– Che Chidi Chukwumerije.

INSTRUMENT

Denn die kleinen Melodien
Neugierig, wie sie sind
Wandern gerne dorthin
Wo sie nichts zu suchen haben

Bitte, bitte, jetzt nicht
Hilft nichts. Sie tun es trotzdem
Bitte bitte jetzt nicht
Sind bloß die Strophen ihrer Melodie

Wer kann es widerstehen
Mit der Musik mit zu tanzen?
Musiker sind ja nur Jäger
Ihnen geht es nicht
Um die Küsse, die Herze, die Tränen

Ihnen geht es nur um die Melodie
Der sie folgen –
Meisterin, trete auf mir
Benutze meine Seele, wie du willst
Ich will dir dienen.

– Che Chidi Chukwumerije.

MEHR

Tragweite deiner Entscheidung, deiner Sehnsucht
Dieses Sehnen, geht es um Sehn oder um Suchn?

Wie weit tragen sie die Flügel eines Schmetterlings?
Unvergleichbar den Schwingen des Adlers
Dennoch be-trügen sie mich weiter

Alles Starke, was ich an mir trug
Jegliche Weitsicht, und stolze Männlichkeit
Zart spielerisch machte sie alles zu Nichte

Dann trug sie mich weiter, und ich sah, ohne Worte
Was sie mir die ganze Zeit nicht sagen konnte
Nicht mal mit ihren zartesten Zeilen

Unberührt ist auch berührt.

– Che Chidi Chukwumerije.

GLASSPIELE

Das Fenster ist ein Klischee
Bevor ich es zerschlage
Rolle ich es lieber vorsichtig runter
Morgen könnte ich es wieder gebrauchen

Nicht umsonst fahren meine Gedanken
In unterschiedlichen Richtungen
Nachts durch die Stadt
Vorhänge zu, Fenster auf und drauf

Da begegnete ich Dir unter einer Brücke
Innige Küsse, brennende bangende Herzen
Ehrlichkeit ist ein Augenblick
Einer kurzen flüchtigen Umarmung

Doch das Fenster ist ein Klischee
Wir fahren an einander vorbei
Beide gucken weg
Und alle schauen zu, daß es klappt.

– Che Chidi Chukwumerije.