HASS OHNE BODEN

Der Hass findet immer einen Weg
Sich zu wehren
Nichts hält ihn zurück, nicht mal
Die größten Lehren
Die stärkste Liebe
Strafe, Scham oder Schmerz
Alles dient nur als Rechtfertigung
Für eine Reise abwärts
Den Gehaßten weiter zu hassen
Auf alter Art und Weise
In neuer Form
Sich angepasst den Regeln von Heute.

Die Nachrichten morgens zu hören
Verdirbt Dir nur den Tag
Was gibt es Gutes noch unter den Menschen
Während man lügt “Guten Tag!”
Wie viele, die Dir täglich begegnen
Hassen Dich wegen Deines Äußeres?
Haben Angst vor Deinem Inneren
Halten sich für was Besseres.

Leben mittels Vergiftung der Seele
Scheint wieder als Motto zu siegen
Hetzen, aufstacheln, dran bleiben
Wir sind wieder im Krieg.
Eine feindliche Übernahme ist im Gange
Doch wer durch wen? Und wie und was?
Mir scheint’s, der Menschengeist wurde längst übernommen
Durch Trägheit und Eitelkeit und Hass.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SCHMERZGRENZEN

Sie saß allein im Klassenzimmer
Weinte leise vor sich hin
Die Tür ging auf und schnell erschien
Ein Lächeln auf ihrem Kinn
Doch im Winkel eines Auges leuchtete eine Träne
Und die sah er
Er kam näher
“Weinst Du?” Sie schüttelte den Kopf: “Ne ne…”
Und forcierte das Lächeln noch mehr.

Und er nickte und lächelte zurück
Als würde er ihr glauben
Holte seine Sachen und ging fort
Dann wartete er draußen
Lauschte an der Tür und nach einer Weile
Hört er, leise, wieder
Ihres Herzens graue Lieder
Wie sie schluchzte, weinte, heulte
Sein Herz brach aber er konnte nicht zu ihr.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DU BIST SELBST GEFALLEN AUS EDEN

Es ist sehr leicht, zynisch zu werden
Du merkst es gar nicht kommen
Du überwindest Rückschläge und Schmerzen
Kühl betrachtest Du die herumliegenden Scherben
Und lachst: ich habe gewonnen.

Der Abendwind entlockt Dir kein Lächeln mehr
Anderer Menschen Schicksale berühren Dich nicht näher
Auch der Spiegel, seine Augen sind leer…

Es ist sehr leicht, zynisch zu werden
Denn durchschaut hast Du ja das Leben
Du meidest die Liebe, verarschest beim Flirten
Dein Kerker, die Traurigkeit, lässt Dich nicht merken:
Du selbst bist gefallen aus Eden.

Der Weg hinaus ist der Weg hinein
Der Schmerz ist Gift, ist aber auch der Wein
Der Zyniker ist selbst sein Stein.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DEIN LEBEN IST MEIN GEDICHT

Morgen schreibe ich Dir ein helles Gedicht
Denn Deine wolkigen Augen schreien nach Licht
Doch Herzen brechen ist wohl des Dichters Pflicht
Und heute Nacht bist Du dran

Gnadenlos und hungrig, ein harter Bösewicht
Dürstig und dürftig, bis Dein Herz zerbricht
Dringe ich immer tiefer ein in Deine intimste Einsicht
Bis ich Dein Wissen hab aufgetan

Ich will Dich enttarnen Schicht für Schicht
Will wissen, was Du weißt und ich noch nicht
Will Welt und Schmerzen und Sehnsucht sehen aus Deiner Sicht
Denn die Frau führt den Mann

Und verzehrt ihn langsam wie das letzte Gericht
Und zerdrückt ihn innigst mit ihrer Empfindung Gewicht
Und entlockt ihm morgen ein helles Gedicht
Und verschluckt ihn irgendwann.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Update:

PS – Das Projekt geht weiter. Nun heißt es das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung und wird vom 1.1.2020 bis zum 31.12.2029 täglich ein neues Gedicht hervorzaubern.
Wer will, darf mit machen!

– Che, 08.02.2021

2020 – 2029: Das Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

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„2019: Das Jahr der deutschen Dichtung“ ist mein persönliches Kunstprojekt, das ich ins Leben rief.

Ich bin kein gebürtiger Deutscher, und habe erst mit 19 angefangen, deutsch zu lernen. Mit der Zeit habe ich mich auch mit dem Dichten in der deutschen Sprache befasst, da ich eine große Liebe zur Poesie habe. Über die Jahre verstärkte sich meine Neigung zum Dichten in dieser Sprache.

In Dezember 2018 traf ich dann die Entscheidung, aus einem inneren Drange heraus, als mini „Vorsatz fürs kommende Jahr“ sozusagen, in 2019 täglich in der deutschen Sprache zu dichten und das Ergebnis auch in meinem Blog – chechidi.me – zu veröffentlichen. Ich habe somit 2019 zu meinem Jahr der deutschen Dichtung auserkoren. Das Projekt nenne ich auch entsprechend:

2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.

In Juni 2019 begann ich, ebenfalls täglich ein Video zu machen, in dem entweder ich oder auch andere Leute mein aktuelles Gedicht des Tages vor laufender Kamera vortragen bzw vorlesen. Ich drehe diese Videos immer an meinem jeweiligen Aufenthaltsort des Tages, also ab und zu auch im Ausland, und man kann sie alle sowohl in Youtube als auch auf meinem Blog sehen.

Ich freue mich auf und über jegliche Anteilnahme an meinem Projekt, über Kritik und über alle ernst gemeinten Rückmeldungen. Für mögliche Projekte oder Kooperationen, die daraus entstehen könnten, bin ich offen. Ansonsten freue ich mich einfach, wenn andere Leute meine Gedichte lesen und genießen, und vielleicht selber auch anfangen, in dieser wunderschönen Sprache zu dichten.

Che Chidi Chukwumerije,
08.Juli 2019.

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Ganz nebenbei, falls es jemanden interessiert oder einer sich fragt, was ich da so tue: Ich werde dieses Jahr täglich auf Deutsch dichten und auch posten in meinem Blog http://www.chechidi.me und auf Facebook und an anderen Stellen vielleicht auch. Wer will, darf gerne kommentieren, bewerten, sogar Wünsche äußern. Der Grund, warum ich das tue, ist ganz einfach. Es fließt gerade.

Che Chidi Chukwumerije
08. Januar 2019

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FEHLER

Ich wiederhole Fehler
Wie eine kaputte Schallplatte
Habe heute die selbe gelochte Socke an
Die ich gestern schon an hatte
Ich wurde zum vierten verdammten Mal
An der selben Stelle geblitzt
Und komme jeden zweiten Morgen an
Bei der Arbeit verschwitzt

Ich vergesse die gleichen Namen
Der gleichen Menschen ständig
War oft auf selber Weise unanständig
Trotz Gebet und Amen
Meine Neujahrsvorsätze sind nur Parolen
Ich werde sie wieder brechen
Und Gewissensbisse werden erneut stechen.
Nur DICH werde ich nicht wiederholen.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

RÜCKGANG DER ZIVILISATION

Zwei Kulturen fallen
Und immer wenn sie aufeinander prallen
Fällt mir das Schlichten schwer

Wo sie sich unterscheiden
Gibt es keine einzige Brücke
Wo sie sich gleichen
Da gibt es eine Wissenslücke

Unsere Eitelkeit will nur anders sein
Und wir bleiben alle gleichsam allein allein

Mir fällt das Schlichten schwer.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

EIN REIFERER SUCHENDE GEWORDEN

All die Jahre hast Du gewartet
Und nicht gewusst, worauf
Kostbar muß es sein, deshalb
Nimmst Du alles in Kauf
Doch Du wirst nicht jünger, langsam
Nimmt das Leben seinen Lauf
Leben, lieben, leiden, wachsen
Und das Leben hat Dich getauft

All die Jahre hast Du gesucht
Unter jedem Dach und Fach
Bis in Dir selbst das Leben schüttelte
Einen besonderen Menschen wach

Ein Geheimnis verrat’ ich Dir dennoch
Ob Du es glaubst oder nicht
Es erwartet immer noch Dich da draußen
Der Gral, das Gesuchte, das Licht

Weiter geht Dein Suchen morgen
Doch mach Dir keine Sorgen
Du bist zu einem reiferen Suchenden geworden.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

MENSCH SUCHT MENSCH

Du kannst das größte Herz haben
Es reicht trotzdem nicht
Die Welt ist nicht groß genug
Egal wie viel Du aufgibst
Sie wittert Betrug

Weil sie Dich schon bei Deiner Geburt
In eine Schublade steckte
Aus der Du ausgebrochen bist
Sie begreift keine unbefleckte
Empfängnis und keinen Christ

Kein selbstloses Handeln, kein Geben
Ohne trojanischen Plan
Du machst Dich nur glaubwürdig
Wenn Du vortäuschst, da ist mehr dran
Und teuer verkaufst Dich.

Doch laß ein inneres Auge offen
Ab und zu wirst Du einen Menschen treffen
Dem Du beschenken kannst ohne Deine Waffen.

– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KEINE ZAUBERZAHL

Zerrissen, zwei Welten
Verliebt in drei Herzen
Gefangen, Optionen zu viert

Wahlheimat, schwer zu wählen
Sechs Grade der Trennung
Fünf zu wenig, sieben zu viel

Doch ich rede von Dir
Von Mensch zu Mensch
Und der Übereinstimmung von Pech

Und Wunschlisten
Von Kommunikationslücken
Von unerfüllbarer, wahrer Liebe.

– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung