MEIN WORT

Ich werde dich lieben
Als wärest du geblieben
Das letzte Wort auf Erden

Behüten, liebkosen
Befruchten mit grossen
Subtilen Gedanken und Wünschen

Benutzen für Hohes
Benutzen für Rohes
Verschweigen mein jedes Versprechen

Aus deiner Tiefe
Schöpfen Begriffe
Und Dich widerwillig verraten.

Che Chidi Chukwumerije.

VERLANGEN

Der neue Tag ist eingebrochen
Er kann nicht länger warten
Der Regen, den ich nachts gerochen
Erfüllt ihn mit Erwarten

Du merkst, wie er sich Mühe gibt
Die Führung zu übernehmen
Merkst auch, dass ihm dies nicht gelingt
Fängt an, sich leicht zu schämen

Ein rötlich Färben streift seine Wangen
Er zittert unbewusst
Eine Gänsehaut, ein dumpfes Verlangen
Ergreift seine Brust

Denn der Regen, der die Nacht
Enthäutete wie einen Lauch
Führt weiter mit seinem Liebesakt
Er will den Tag auch.

Che Chidi Chukwumerije.

ERFÜLLUNG

Frieden in Brust
Frei von Frust
Wenn das, was Du mußt
Das ist, was Du tust.

– Che Chidi Chukwumerije

PERLEN

Der dürftige Nachtregen
Kehrt abermals zurück
Ich lausche ihm lieber
Als schreiben in meinem Buch

Wäre ich ein Baum
Würde er meinen Blättern
Alte Zeilen bereinigen
Perlen hinterlassen

Ungestört, die Nacht und ich
Der Regen legt sich abermals
Das Schweigen erhebt sich abermals
Weicht und befruchtet mich.

– Che Chidi Chukwumerije.

BEISEITE

Lange nach dem ich meine Gitarre
Gespielt und wieder beiseite gelegt
Hatte, antwortete die Nacht, sanft, sachte
Und plötzlich. Geräusche. Die Nacht ist erregt
Dachte ich, als ich durchs Fenster dem Regen lauschte
Und dann roch ich sie, ihre milde Feuchte
Und roch sie noch lange nach dem der kurze Regen
Langsam, lautlos verschwunden war.

– Che Chidi Chukwumerije.

MEINE GÜTE

Des Messers Klinge, heiß, scharf, zweiseitig
Ich komme nicht zur Ruhe – oder nur einseitig
Wie helfe ich am Besten dem Hilfsbedürftigen?
Ihn von seinem Leid erlösen, vielleicht ungereift?
Oder ihn leiden lassen, auf daß sein Leid ihn reift?

Meine linke Hand streitet sich mit meiner rechten Hand
Heißt ein Naturgesetz zu gehorchen
Ein anderes zu brechen?
Gewissen, Vernunft, Empfindung, Gefühl, Verstand
Wie kann man dem Gesetz gehorchen
Ohne das Herz zu brechen?

– Che Chidi Chukwumerije.

MANGOS

Ich weine wie Mangos
Süße reife feste Tränenklumpen
Fett mit feuchtem Fleisch, mit hartem Kern

Mein klebriger Schrei beschmiert
Dich mit goldener Scham wenn ich
Über dich herfalle.

Mich genießen
Ohne dich zu beschmutzen
Geht nicht – empfangen befleckt.

Drum halte fern Sensibles, Wertvolles
Und bring zu mir nur befreites Dich
Und saubere nackte dürstende Hände.

– Che Chidi Chukwumerije.

KINDERAUGEN

Ihre Augen sprechen eine Sprache
Die meine Empfindung begreift
Aber nur sie, diese innere Flamme –
Mein Verstand nicht.

Oft stehe ich frustriert, verwirrt
Abends an ihrem Hochbett und höre zu
Wie sie mir lebhaft-müde ihre Eindrücke
Des Tages in Kindersprache übermittelt

Wer im Kindergarten wen geärgert hat
Daß ihre Puppe bald Geburtstag hat
Ob ich heute schon beim Sport war
Warum die Jäger die Tigermamas erschießen

Aber während sie kreuz und quer redet
Sagen mir ihre Augen liebevoll, daß sie mir
Etwas ganz Anderes eigentlich sagen möchte
Für das sie noch keine Worte hat.

– Che Chidi Chukwumerije.

MUT UND FREUDE

Da bist du
In den Kilometern verborgen
Machst dir Sorgen
Über Morgen

Da sind wir
In den Jahren verloren
Ungeboren
Erfroren

Da bin ich
In den Träumen gefangen
Voller Verlangen
Und Bangen

Wo ist geblieben
Unser Sinn für Gegenwart?
Uns war doch einst egal
Welche Todesart
Beim mutigen Gehen unseren Weges
Auf uns harrt.

– Che Chidi Chukwumerije.

KÄMPFEN

Nicht, wer kann mir helfen?
Sondern wie kann ich mir selbst helfen?
Das ist die Frage, die einzige Frage
Weiter bringt dich keine Klage.

Wie viel Geld brauchst du
Um aus der Unterschicht heraus zu klettern?
Genau so viel, um es gut zu
Haben in der Unterschicht Brettern.
Wenn nur diese Gedanken nicht da wären
Stolz und Schmerz lassen sich nicht erklären.

Überleben ist eine Funktion der Wahrnehmung
Das Gleiche, Hoffnung. Das Gleiche, Lähmung.
Das Gleiche, kämpfen ohne aufzugeben
Und mit allem klar kommen in deinem Leben.

– Che Chidi Chukwumerije.