WENN MITTEN AUF EINEM WEITEN FELD

Wenn mitten auf einem weiten Feld
Einsam ein Baum steht
Bleibt der Blick einen Augenblick lang
Auf ihn hängen in Ruhe
Denn kurz gleicht er unserer Seele
Darin verloren der Geist während
Im Kopfkino auf der Autobahn unbeherrschte Gedanken
Vorbei rasen – Aber bald verschwindet
Die Lichtung samt Feld und Baum
Schnell vergessen im Rückspiegel, das nächste Lied
Ertönt aus der CD; Bild folgt auf Bild;
Der Navi steuert dem ihm vorgegebenen Ziele stur zu.

– che chidi chukwumerije.

FEST ABER ZART

Zart geht das
Bezwingen kann man es nicht
Empfangen nur
Kann man ein Gedicht

Das war zu hart
Denke daran, das ist eine Blume
Fest aber zart
Werbe Dich um die Blume

Und wenn ich scheide
Bleibe ich
Und wenn ich bleibe
Scheide ich
Aber nie aber nie leide ich
Scheide oder bleibe ich

So geht das
Bestimmen kann man es nicht
Empfinden nur
Kann man ein Gedicht.

– che chidi chukwumerije.

EINE NACHT OHNE ERKLÄRUNG

Eine Sonne, weißer wie gelb
Blauer wie rot; grün oder schwarz
Weich werden, Sonne, werde weich über die Elb
Weich über den Main und weich über den Inn
Weich wie zu meinem Beginn
Denn hier kommt der Mond, nacht-schwarz
Er sammelt wie ein Becher der Sonne Fluss
Scheidet ohne Erklärung, noch Gruß, noch Kuss.

– che chidi chukwumerije.

INN’ BLICK

Mit Blick auf den Inn
Ausblick mit sechstem Sinn
Woher, ich, wohin?
In diesem Urlaub ist alles drin.
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– Che Chidi Chukwumerije.

BEIM BAUERN ZU GAST

Ein Regenbogen hat gegrüsst
Einen Fremden lang geküsst
Einen Mundwinkel eingebüsst

Atlantis, sinkst Du oder stehst?
Jesus, kommst wieder oder gehst?
Herz, zu den Bergen Du wehst…

Unter der Nachrichten Last
Vergessen Österreich fast
Heimelig, beim Bauern zu Gast.
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– Che Chidi Chukwumerije.

 

IRGENDWO

Blick vom Kolsassberg 270513 - nr 2

Ende Mai
Dicke Schneemützen
Wärmen die verwirrten Karwendelköpfe
Gleich fängt der Himmel auch noch an
Zu weinen
Die Sonne hat den Sonnenaufgang verschlafen
Und doch höre!, höre!
Irgendwo im Gebüsch singen singen singen
Drei Vögel.

che chidi chukwumerije.

WEGGEFÄHRTEN

Der Vogel
Stand
Einen Augenblick
Auf der Straßenlaterne
Drehte sich und flog weg…

Die Straßenlaterne
Stand
Einen Augenblick
Unter dem Vogel
Stand stockstill und bleibt noch auf dem Weg…

Wir sind alle unterwegs.

– Che Chidi Chukwumerije.

BLEIB

Das klettert aus dem grünen Gemach
meiner zartesten Erinnerungen aus –
Du warst das grüne Feld, langsam
ne, du warst ein Bach, ruhig, mein Dach –
Sorgsam und mein Haus.

Nie war die Natur schöner
als deine Echtheit – Bleib
bleib hierdrin ein bisschen länger
Weib. Bleib.

– che chidi chukwumerije.

DICH WIEDERGEBEN

Eine Sprache ist nicht einfach eine Sprache
Eine Sprache ergibt sich nicht aus den Worten einer Sprache
Sondern die Worte ergeben sich aus der Sprache –

Eine Sprache ist eine Art zu sprechen
Eine Art zu sprechen ergibt sich aus einer Art zu denken
Eine Art zu denken ergibt sich aus einer Art wahrzunehmen

Eine Art wahrzunehmen ergibt sich aus einer Art zu empfinden
Eine Art zu empfinden ergibt sich aus einer Art zu leben
Eine Sprache ist also eine Art zu leben.

Dein Leben entspricht Dir…
Es spricht sich herum…
Keine zwei Menschen sprechen die genau selbe Sprache

Deine Sprache ist Deine Mutter, sie ergibt Dich…
Meine Sprache gibt mich wieder
Meine Aussprache bin ich –

– che chidi chukwumerije.

VERZEHREN

Der Genuß des Lebens
Besteht für mich darin
Die Grenzen der Reize ständig auszuweiten
Die ich ohne nach zu geben
Ertragen kann.

Was läufst Du weg von mir
Und steigerst mein Empfinden?
Gefangen zwischen Mensch und Tier
Am Sehnen und am Erblinden.

Du bietest mir körperliche Nähe an
Auf daß ich deine Seele in Ruhe lasse
Aber nein – Ich weiß, was ich will.

Was ist Zeit?
Wir haben die Ewigkeit.

Und Langsamkeit.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.