Puderzucker auf den Fluren
Kindlich, rein, pur
Überall Tierspuren
Von Menschen keine Spur.
– Che Chidi Chukwumerije.
Puderzucker auf den Fluren
Kindlich, rein, pur
Überall Tierspuren
Von Menschen keine Spur.
– Che Chidi Chukwumerije.
Befreie dich
Von Michtung
Verkette mich
In Dichtung.
– AKA TERAKA.
Ich bin Fremder in Deutschland
Und bekomme es zu spüren
Weniger ist mehr
Doch die Da-zugehörigkeit
Sie überwiegt
Siegt.
Nie sah ich die Menschheit
Einig unter sich
Und man sagt, ich habe schon mehrmals gelebt
Seit Urzeiten mal hier
Mal dort
In vielen Menschenherzen, ewige Kultur
Immer gab es einen Grund,
Zwiezuspalten
Und das Miteinander immer wieder
Neu zu gestalten.
– Che Chidi Chukwumerije.
Manchmal sitze ich vor dem
Schönen großen Smart TV und
Beobachte nicht das Programm, sondern
Die eingebaute kleine Kamera drauf
Ein IT-Techniker in Lich, der
Hat seins zugeklebt. Die können
Alles sehen, hat er mich unterrichtet
Selbst wenn sie aus ist –
Ob das stimmt, wundere ich mich
Ziehe langsam die Unterhose aus
Ich sehe ihre tausend Gedanken
Und lenke sie von meinen ab.
– Che Chidi Chukwumerije.
Du hast deine Gefühle
Neulich bei mir geliefert
Her ein fuhr, wie ein Frachter
Ein Blick von Dir – Ich
Freue mich über die Sonne
Heutzutage. Die Sonne
Im Walde. Die nackten Zweige sind
Schwanger mit ungeborenen Blättern
Frühling. Zitternd vor Freude
Lass mich ’raus
Wackelnder Schwanz
Nach oben schaut ein Hund
Er sucht einen Bund
Sein Wunsch ist gesund
Lass mich ’raus
– Che Chidi Chukwumerije
Wir leben, scheint es,
In Zeiten der schnellen Veränderung
Man steht morgens auf und
Erkennt sich selbst nicht mehr
Frau erfindet und findet
Sich immer und immer wieder neu
Und ist noch nicht am Ziel
Der Nachbar wird zum Fremdling
Der Feind wird zum Verbündeten
Geselligkeit zur Bedrohung
Angst zur Weisheit
Freunde zur Erinnerung –
Und lange lange Gesuchtes
Als längst verloren Verbuchtes
Auf einmal ist es endlich da.
– Che Chidi Chukwumerije.
Ich strauchelte denn
Der Weg war deine Sehnsucht
Und immer wenn der Drang
Die Gänge überflutete
Gab es Krieg und wir stritten uns
Über Geld, Politik und Religion, Haben und Sein
Über KulturRasseGeschlechtKlassen und Familie
Und hielten Vortrag über Empfindung
Und feierten Gott und Gottlosigkeiten
Bis dein Drang anders gestillt war
Als ehrlich Schwäche zuzulassen
Und zu lieben statt zu hassen.
– Che Chidi Chukwumerije.
Rückwirkend vermagst du nicht
Zu erlangen die gesuchte Übersicht
Denn aufgepasst
Hast du nicht
In der Gegenwart als alles geschah
Deine Wünsche, allein deine Wünsche
Waren alles, was du sahst…
Ich sehe Löcher im Himmel
Einst waren es Wolken silbrig und hell
Ich sehe blasse Flecken an der Wand
Einst hingen da Fotos bestimmt
Aber ich habe die nie wahrgenommen
Und erinnere mich nicht mehr
An meine Erinnerungen –
Denn ich war nicht wirklich da.
– Che Chidi Chukwumerije.
Jahrelang schlug
Er sie, bespuckte
Sie, vor den Augen ihrer Kinder
Beschimpfte sie, auf erniedrigendster Weise
Vergewaltigte sie
Und war tief atmend König
Dann geschahen zwei Dinge
Sie verließ ihn
Und ein anderer fand sie
In der Wildnis
Jetzt sucht er schnaubend
Nach einem Schuldigen – der andere
Nach einem Untreuen – sie
Nach einem Begünstigenden – die Gesellschaft
Nach einem Verräter – falsche Freunde
Nach einem Opfer – sich selbst natürlich
Nach Mitleidenden – sein Stolz und seine Ehre
Nach einem Rächer – seine Gottheit
Er sucht überall nach allem Möglichen,
Nur nicht nach einem Spiegel.
– Che Chidi Chukwumerije.
Grünes Moos
Was ist los?
Sag nicht bloß
Es wär ein Verstoß
Gegen Gesetz, Liebe, Natur
Daß Sonne und Luft
Lust, Farbe und Duft
Regung, Erregung und Aufregung pur
Mal austrocknen müssen
Nur weil dein sanftes Kissen
Bühne so vieler sanfter Küssen
Langausgezogener gefühlsvoller Tschüßen
Lieber Auf Wiedersehen und Vergehen müssen
Verhärtet ist heute
Gesetz, Liebe, Natur
Sind wie jene leute
Die wir lieben und verstehen nicht
Derentwegen unser Herz bricht
Und sich verspricht
Nie wieder zu genießen
Was wir wieder genießen müssen
Und bestimmt auf Erden
Wieder genießen werden
Im grünen Moos
Der Erde Schoß.
– Che Chidi Chukwumerije